Von der NS-Reichsleitung zum Zentrum der Holocaustleugner
Am 07.05.2008 hat das Innenministerium den "den Verein 'Collegium Humanum' (CH) einschließlich seiner Teilorganisation 'Bauernhilfe e.V.' sowie den 'Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten' (VRBHV) verboten." Damit hat das Innenministerium endlich auf den seit Jahren von diversen Gruppen aus Zivilgesellschaft und Antifa aufgebauten Druck reagiert.
Der Verlust des Tagungszentrum in Vlotho wird die extreme Rechte in Ostwestfalen und auch weit darüber hinaus tatsächlich treffen. Leider ist jedoch das Verbot nur halbherzig. Wärend die offen auftretenden Holocaustleugner verboten wurden, blieb ein ebenfalls aus diesem Personenkreis initiierter Verein, der Verein "Gedächtnisstätte", unangetastet. In diesem präsentiert man sich auch nicht offen nationalsozialistisch, hier wird nicht der Holocaust geleugnet, sondern soll jenen Opfern des Zweiten Weltkriegs gedacht werden, die angeblich zumeist vergessen werden. Wer jetzt an Homosexuelle oder Sinti denkt, irrt freilich, denn hier geht es um die "deutschen Opfer", womit die "Vertriebenen" und die Opfer der Bombardierungen gemeint sind.
Wir dokumentieren hier zwei Artikel, welche uns von der Zeitschrift "Lotta - antifaschistische Zeitung aus NRW" zur Verfügung gestellt wurden. Die Textrechte liegen bei der Zeitschrift, bzw bei den Autoren. Die Internetpräsenz der Zeitschrift Lotta erreichen sie hier: http://projekte.free.de/lotta/
Während Beamte am Morgen des 7. Mai die Räume des gerade verbotenen Vereins Collegium Humanum (CH) in Vlotho durchsuchten, verschickte Meinolf Schönborn seine Einladung zur diesjährigen Sommersonnenwende. Vom 21. auf den 22. Juni will Schönborn mit seinen Kameraden feiern, als Ort hat er sich wie in den letzten Jahren das CH ausgesucht. Ob er sich da nicht einen neuen Versammlungsort suchen muss? Oder will er in der Kontinuität des CH weiter machen? Genug Erfahrung mit der Fortführung verbotener Organisationen hat der Gütersloher, der bis heute in Herzebrock-Clarholz den Z-Versand betreibt. Er war Vorsitzender der 1992 verbotenen Nationalistischen Front (NF) die er nach dem Verbot weiterführte. Am 9. November 1995 wurde er wegen Weiterführung der NF zu zwei Jahren und drei Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt.
„Lasst die Messer flutschen in den Judenleib“ - sangen ostwestfälische Musiker im Ausland. Das Publikum bedankt sich, indem es die Arme zum Hitlergruß emporreckt und immer wieder wird im Chor „Sieg Heil“ gebrüllt. Auch der Sänger der Band hebt den Arm zum Gruß. Der antisemitische Klassiker aus dem Nationalsozialismus gefällt der Band und dem Publikum so gut, dass die Band es zum Ende ihres Auftritts sogar noch einmal anstimmt.
Die Allmachtsphantasien deutscher Neonazis führen immer wieder zu fast komisch anmutenden Produkten. So präsentierte sich die neonazistische Szene-Gruppierung Terrorcrew 28 aus dem ostwestfälischen Bad Salzuflen und ihr Umfeld auf der Internetplattform Youtube mit einem unglaublichen Videoclip. Erzeugen die Bilder des betrunkenen Szenemitgliedes Sebastian X (abgesehen von den Namen wichtiger Kader werden die Namen der zumeist jugendlichen Neonazis hier nicht genannt), der unter einer Hakenkreuzfahne als Bettdecke von einem neuen Nationalsozialismus, träumt vielleicht noch mitleidiges Kopfschütteln und die martialische Aufmachung der vermummten Kämpfer für die „weiße Rasse“ ein müdes Lächeln, so bleibt dem Betrachter jedoch spätestens angesichts der Menge an in einer öffentlichen Diskothek aufgenommenen Bildern, auf denen mit dem Hitlergruß gegrüßt wird, das Lachen im Hals stecken. Auch die Zahl der im Video in einem eindeutig neonazistischen Kontext auftauchenden Personen schockiert, gibt der Staatsschutz der Bielefelder Polizei doch seit Jahren Entwarnung und kann keine organisierte Szene in Ostwestfalen ausmachen.