Seit diesem Frühjahr erinnern vier Stolpersteine im Bielefelder Westen an Opfer der Nationalsozialisten.
Ursula Haverbeck-Wetzel, die ehemalige Vorsitzende des inzwischen verbotenen rechtsextremen "Collegium Humanum", ist am heutigen Dienstag wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Das Amtsgericht in Bad Oeyenhausen (Kreis Minden-Lübbecke) sah es als erwiesen an, dass die 80-Jährige in einem Brief an die Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, diese beleidigt hatte.
Für den 21.03 2009 plant die Band "Kategorie C" zusammen mit der Gruppe Knock Out einen Auftritt in den Räumen des Motorrad Club Eagles an der Waagestraße in Bielefeld-Brake. Beide Bands sind eng mit der neonazistischen Szene verbunden. Würde das Konzert, welches an dem Fußballspiel Arminia Bielefeld - VfL Wolfsburg andockt, stattfinden, bedeutete dies einen wichtigen Erfolg für die rechte Szene und eine weitere Etablierung einer rechten Lebenswelt in Ostwestfalen. Daher fordern antifaschistische Gruppen aus Ostwestfalen alle Menschen auf, gegen das Konzert zu demonstrieren.
Am 14. März 2009 sollte es wieder so weit sein, im großen Saal des Bürgerhauses in Bad Oeynhausen-Rehme sollte der „9. Ostwestfälische Volkstanzball“ stattfinden. Eigentlich kein Thema für AntifaschistInnen. Da aber der Organisator der Veranstaltung, Gerd Rothe, ein ausgewiesener Nazi ist, der gerade im kulturell- religiösen Bereich aktiv ist, war der Ball doch von Interesse für AntifaschistInnen. Der Ball wurde jedoch am heutigen Tag abgesagt, zu wenig Menschen wollen mit dem Neonazi Rothe tanzen!
Schon seit Tagen geisterten Gerüchte durch die rechte Szene, dass am Wochenende ein Konzert mit einschlägigen Bands stattfinden solle. Angekündigt waren neben „Cherusker“ aus Osnabrück, „Extressiv“ aus Dortmund und die „Weissen Wölfe“ aus Arnsberg, bekannt geworden mit Textzeilen wie „Juda verrecke und Deutschland erwache “. Auf ihrer CD drohte die Band „Für unser Fest ist nichts zu teuer 10.000 Juden für ein Freudenfeuer. Unsere Antwort Zyklon B“. Über die üblichen in der Szene geheimgehaltenen Wege wurden die aus dem gesamten Bundesgebiet anreisenden Gäste konspirativ zur Fabrikhalle der Firma Textrans im Augustdorfer Industriegebiet geschleust. Die Polizei schaute isch dieses Treiben an, griff aber nicht ein.
Während Beamte am Morgen des 7. Mai die Räume des gerade verbotenen Vereins Collegium Humanum (CH) in Vlotho durchsuchten, verschickte Meinolf Schönborn seine Einladung zur diesjährigen Sommersonnenwende. Vom 21. auf den 22. Juni will Schönborn mit seinen Kameraden feiern, als Ort hat er sich wie in den letzten Jahren das CH ausgesucht. Ob er sich da nicht einen neuen Versammlungsort suchen muss? Oder will er in der Kontinuität des CH weiter machen? Genug Erfahrung mit der Fortführung verbotener Organisationen hat der Gütersloher, der bis heute in Herzebrock-Clarholz den Z-Versand betreibt. Er war Vorsitzender der 1992 verbotenen Nationalistischen Front (NF) die er nach dem Verbot weiterführte. Am 9. November 1995 wurde er wegen Weiterführung der NF zu zwei Jahren und drei Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt.
Am 07.05.2008 hat das Innenministerium den "den Verein 'Collegium Humanum' (CH) einschließlich seiner Teilorganisation 'Bauernhilfe e.V.' sowie den 'Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten' (VRBHV) verboten." Damit hat das Innenministerium endlich auf den seit Jahren von diversen Gruppen aus Zivilgesellschaft und Antifa aufgebauten Druck reagiert.
Der Verlust des Tagungszentrum in Vlotho wird die extreme Rechte in Ostwestfalen und auch weit darüber hinaus tatsächlich treffen. Leider ist jedoch das Verbot nur halbherzig. Wärend die offen auftretenden Holocaustleugner verboten wurden, blieb ein ebenfalls aus diesem Personenkreis initiierter Verein, der Verein "Gedächtnisstätte", unangetastet. In diesem präsentiert man sich auch nicht offen nationalsozialistisch, hier wird nicht der Holocaust geleugnet, sondern soll jenen Opfern des Zweiten Weltkriegs gedacht werden, die angeblich zumeist vergessen werden. Wer jetzt an Homosexuelle oder Sinti denkt, irrt freilich, denn hier geht es um die "deutschen Opfer", womit die "Vertriebenen" und die Opfer der Bombardierungen gemeint sind.
Wir dokumentieren hier zwei Artikel, welche uns von der Zeitschrift "Lotta - antifaschistische Zeitung aus NRW" zur Verfügung gestellt wurden. Die Textrechte liegen bei der Zeitschrift, bzw bei den Autoren. Die Internetpräsenz der Zeitschrift Lotta erreichen sie hier: http://projekte.free.de/lotta/
Von der NS-Reichsleitung zum Zentrum der Holocaustleugner