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Die Gaststätte Postmeister

Ein neonazistisches ``Sturmlokal" in Bielefeld

Mitten in Bielefeld, am Kesselbrink gelegen, wird die Gaststätte ``Postmeister" in immer stärkerem Maße zum Kristallisationspunkt der neonazistischen Szene in Ostwestfalen. Rassistische Übergriffe, wie jener am 5. November letzten Jahres, als mit Teleskop- und anderen Schlagstöcken bewaffnete Neonazis aus dem Postmeister stürmten und eine ausländisch aussehende Person brutal zusammenschlugen, sind nur die Spitze des Eisberges. Darunter liegt ein neonazistisches Potential, dem der ``Postmeister" als eine Art Sturmlokal für den Kampf um die Straße dient.

Der Postmeister: Ein ``Sturmlokal'' für den Kampf um die Straße

Sturmlokale hatten in der Weimarer Republik eine wichtige Bedeutung bei der Eroberung einzelner Städte oder Stadtviertel durch die Nazis. Sie waren Anlaufpunkt für Sympathisanten der NSDAP und insbesondere ihrer Schlägerorganisation, der SA. In solchen Lokalen traf man sich, um zunächst beim Bier unverbindliche und dann immer festere Kontakte zu den lokalen Kameradschaften zu knüpfen und zu pflegen. Diese Sturmlokale wurden schließlich zum Ausgangspunkt des Kampfes um die Straße in der jeweiligen Stadt. Von hier ging der Nazi-Terror gegen jüdischen Mitbürgerinnen oder sonstwie von den Nazis als ``undeutsch" deklarierten Menschen aus.

Eine ähnliche Funktion erfüllt heute die Gaststätte ``Postmeister" für die Neonazi-Szene in Bielefeld und Umland. Regelmäßig treffen sich hier dienstags und in kleinerer Zahl auch an anderen Tagen 40 und bei besonderen Anlässen auch bis zu 80 Neonazis. Diese Neonazis kommen aus Bielefeld, den Kreisen Lippe, Herford und Gütersloh sowie vereinzelt gar aus Minden und dem Landkreis Schaumburg angereist.

Ob NPD/JN oder ``Freie Kameradschaften'' Der ``Postmeister'' als Kontakthof des Naziszene

Zum größeren Teil sind die Neonazis in sogenannten ``Freien Kameradschaften" oder der NPD und deren Jugendorganisation den Jungen Nationaldemokraten" organisiert. Kontakt pflegt man auch zu Rechtsextremen aus der Hooligan-Szene. Andere Gäste des Postmeisters, die teilweise noch minderjährig sind, sympathisieren mit den Neonazis, haben sich aber noch nicht einer bestimmten Organisation zugeordnet. Gerade für diese zumeist jungen Sympathisanten der Neonazis erfüllt der ``Postmeister" die Funktion eines ``niedrigschwelligen" Zugangs zur Neonazis-Szene. Unverbindlich kann man hier erste Kontakte knüpfen.

Nazi-Kader, wie der regionale Chef der ``Freien Kameradschaften" Bernd Stehmann aus Bielefeld, nutzen den Postmeister, auf vielfältige Weise. Stehmann und seine ``Unterführer", die wie Stehmann selbst zum Teil aus verbotenen Neonazi-Organisationen stammen, werben hier den Nachwuchs für ihre Kameradschaften. Im Postmeister werden Informationen über Rechtsrockkonzerte oder Aufmärsche ausgetauscht. Und ganz offensichtlich werden hier auch Materialien aus rechtsextremistischen Versandhandlungen umgeschlagen. So erfolgte vor dem Postmeister beispielsweise eine Anlieferung aus Riesa, wo der bundesweit aktive Jens Pühse im Auftrag der NPD einen Versandhandel mit Nazi-Devotionalien betreibt, an Bernd Stehmann. Stehmann versucht momentan selbst den Handel mit Nazi-Materialien für eine wirtschaftliche Selbständigkeit zu nutzten.

Der Postmeister: Ein Ort, von dem rassistische Gewalt ausgeht

Am Abend des 5. November 2002 konnte man eine Ahnung von jener rassistischen Gewalt erlangen, die vom ``Postmeister" und seinen Besuchern bereits heute ausgeht. An jenem Abend stürmten vier Besucher des Postmeisters mit Schlagstöcken bewaffnet aus dem Postmeister heraus. Sie schlugen und traten auf einen jungen Migranten ein und ließen erst von ihrem Opfer ab, als ein Passant laut nach der Polizei rief. Sie stürmten - ihre Waffen noch immer gezückt - zurück in den ``Postmeister", wo sie sich im Kreis ihrer Kameraden offensichtlich sicher fühlen. Der Migrant traute sich nicht gegen die Neonazis eine Anzeige zu erstatten, doch konnte eine Zeugin den Hergang bestätigen.

Allem Anschein nach kehren die regionalen Neonazis regelmäßig bewaffnet im ``Postmeister" ein. So wurde am 7. Januar 2003 ein Neonazi beobachtet, der mit einem geschulterten Baseballschläger das Lokal verließ. Die Wirtin des ``Postmeisters" scheint mit ihrem Publikum und seinem Auftreten offensichtlich zu sympathisieren. Nach eigenem Bekunden verwahrte sie den Baseballschläger des Neonazis in der Kneipenküche.

Ein weiterer Vorfall ereignete sich am Abend des 2. März 2002. Der Postmeister war an diesem Abend von Neonazis stark frequentiert, denn tagsüber hatte in Bielefeld der zweite Naziaufmarsch gegen die sogenannte ``Wehrmachtsausstellung" stattgefunden. Als Gegendemonstrantlnnen abends in Richtung Bahnhof gingen, wurden sie aus dem ``Postmeister" heraus angegriffen.

Auf diese Weise wird von den Neonazis eine ``No-Go-Area" für Migrantinnen oder sonstwie nicht in das Weltbild der Neonazis passende Menschen mitten in Bielefeld etabliert. Diese No-Go-Area umfasst momentan zeitlich ``nur" die Dienstagabende und örtlich ``nur" den Kesselbrink. Sollten die Neonazis aber ungestört im ``Postmeister" weiter Nachwuchs werben können, ist eine zeitliche und örtliche Ausweitung dieser No-Go-Area und damit ein Teilerfolg der Neonazis im Kampf um die Straße abzusehen.

Der Postmeister: Ein ``Sturmlokal'' unter behördlicher Beobachtung

Am 14. Januar diesen Jahres führte die Polizei im ``Postmeister" eine Razzia durch. Bis zu diesem Zeitpunkt hieß es bei kritischen Nachfragen durch die Presse von Seiten der Polizei immer, der ``Postmeister" gäbe keinen Anlass zur Besorgnis. Nun scheint der Druck von Antifaschistlnnen, die kurze Zeit zuvor auf dem Kesselbrink Flugblätter zum Postmeister verteilten und den Angriff auf den Migranten im November letzten Jahres veröffentlichten, zumindest nach Außen ein Umdenken auch der Behörden bewirkt zu haben. Die Razzia verlief bis auf Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz ohne neue Erkenntnisse zu bringen (dies wäre sicherlich anders gewesen, hätte man sich nicht nur auf die Durchsuchung der Kneipe beschränkt, sondern auch die Fahrzeuge der Gäste einbezogen). Die Neonazi-Szene reagierte trotzig auf diese Razzia und zeigte am folgenden Dienstag stärkere Präsenz im ``Postmeister".

Für die antifaschistische Bewegung in Bielefeld ist klar, dass solche Treffpunkte wie der ``Postmeister" nur mit einer langfristig angelegten und breit getragenen Kampagne den Neonazis madig gemacht werden können. Und bei den Aktionen gegen den Nazitreffpunkt ``Postmeister" ist das Ziel klar, dass auch keine andere Kneipe akzeptiert werden kann, die für die Nazis die Funktion eines Sturmlokals erfüllt.

Artikel aus: ``Courage'' Nr.1, Zeitschrift der Kampagne gegen den Nazi-Treff ``Postmeister''