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Überfall auf PDS-Politiker

Wahrscheinlich Rechte als Täter / Kein Vertrauen in Polizei

Im folgenden wird ein Gespräch mit Rudolf Klarmann, PDS-Politiker aus Bielefeld, wiedergegeben. Anlass ist ein am 29.12.2002 begangener Überfall auf ihn. Vom Tathergang und der Vorgeschichte ist ein rechtsradikaler Hintergrund wahrscheinlich. Das Gespräch führte Stefan Holtmann von der Initiative ``Courage gegen Rechts".

Es ist Sonntag Abend, gegen 22.00 Uhr, als Rudolf Klarmann über den Jahnplatz geht. Plötzlich treten ihm zwei Personen entgegen. Ohne einen ersichtlichen Grund oder eine Vorwarnung schlagen die beiden Männer auf ihn ein. Rudolf Klarmann versucht sich zu wehren, aber gegen zwei Angreifer hat er keine Chance. Er kann sich noch vor Schlägen in das Gesicht zu schützen und hofft, dass seine Peiniger bald von ihm lassen. Zwei Pärchen, die Zeugen dieses Überfalls auf dem Jahnplatz werden, greifen nicht ein und helfen ihm nicht. Endlich sind die beiden Angreifer fertig mit ihrer feigen Tat und verlassen den Ort des Geschehens. Noch benommen durch die Schläge schleppt sich Rudolf Klarmann zur Polizeiwache am Kesselbrink und erstattet Anzeige wegen Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung.

In diesen kurzen Erlebnisbericht ist der Überfall auf den Bielefelder PDS-Politiker Rudolf Klarmann wiedergegeben, der sich am 29.12.2002 ereignete. Die körperlichen Schäden, ein blaues Auge, Rippenprellungen und Abschürfungen, waren dabei das kleinere Übel. Schwerer fiel die psychische Verarbeitung. Wieso hatten die beiden ihn angegriffen, was hatte er ihnen getan? Je länger Rudolf Klarmann darüber nachdachte, desto deutlicher wurde ihm das Motiv hinter der Tat.

Seit Jahren engagiert sich der Politiker, der NRW-Vorsitzender der ``Reformlinken" in der PDS ist, im Kampf gegen die wachsende Bedrohung von Rechts. Dabei nahm er es auch in Kauf, etwa bei Demonstrationen gegen Nazi-Aufmärsche, den Rechtsradikaten offen gegenüber zu treten und ihnen die Meinung zu sagen. Auch die PDS in Bielefeld hat seit einiger Zeit Probleme mit Nazis. Seitdem sie im Juni 2001 ihr Büro in der Arndtstraße im Bielefelder Westen eröffnet haben, wurde es besonders schlimm. NPD-Aufkleber waren ständig an der Tür, es gab Drohbriefe und des öfteren riefen Nazis auch

an um die PDS-Mitglieder einzuschüchtern. Nach einer gewissen Entspannung gab es im Zusammenhang mit der Bundestagswahl 2002 eine neue Welle an Drohungen. Dieses Mal aber nicht an die PDS allgemein, sondern direkt bezogen auf Rudolf Klarmann. Dieser hatte seine Kandidatur zugunsten eines türkischstämmigen Kandidaten zurückgezogen. Für die Nazis wohl ein Verbrechen. Sie beschimpften ihn als Verräter.

Einige Wochen vor dem Überfall ereignete sich eine bedeutsame Szene. Ein Mann betrat eines Abends das Parteibüro und sagte zu einer anwesenden Person, dass sich ein bestimmter PDSler in acht nehmen solle. Aus der Umschreibung war klar ersichtlich, wem diese Drohung nur gelten konnte: Rudolf Klarmann. Dieser nahm die Drohung zunächst nicht sonderlich ernst, denn es war nicht die erste für ihn. Ein Fehler, wie sich am 29. Dezember zeigen sollte.

Kein großes Vertrauen hat Rudolf Klarmann in die Polizei und den Staatsschutz. Diese waren bereits nach den ersten Drohungen 2001 eingeschaltet worden, jedoch ohne Erfolg. Statt dessen schien den Herren vom Bielefelder Staatsschutz mehr an Informationen zur Arbeit der PDS gelegen zu sein. Diese hatte bereits schlechte Erfahrungen mit der Polizei gemacht, als einige Parteimitglieder bei einer Demonstration gegen einen Nazi-Aufmarsch in Rinteln im Juni 2002 festgehalten und erkennungsdienstlich behandelt wurden.

Als Reaktion auf diese Vorfälle hat die PDS für Bielefeld und Ostwestfalen-Lippe eine Arbeitsgemeinschaft zum Thema Rechtsextremismus gegründet (siehe auch NW, 1.2.03). Mit dieser soll versucht werden, auf zivilgesellschaftlicher Ebene das Problem anzugehen. Ein erster Schritt ist dabei die Mitarbeit in der Initiative ``Courage gegen Rechts" und deren Kampagne gegen den Nazi-Treff ``Postmeister". Auch in dem Überfall auf Rudolf Klarmann spielte dieser nämlich eine Rolle: Gäste der Kneipe, die eindeutig der regionalen Nazi-Szene angehören, berichteten ihren Kameraden kurze Zeit später im Postmeister von diesem Angriff. Mal wieder ähnelt die Gaststätte den berüchtigten ``Sturmlokalen" der SA.

Artikel aus: ``Courage'' Nr.1, Zeitschrift der Kampagne gegen den Nazi-Treff ``Postmeister''