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Horst Mahler im Collegium Humanum

Bunte Absperrbänder gegen Antisemitismus

Am Freitag, dem 17. Oktober, begann im Vlothoer Collegium Humanum ein Seminar des berüchtigten Neonazis Horst Mahler. AntifaschistInnen protestierten gegen die Veranstaltung.

Das Publikum, das sich am Nachmittag des 17. Oktober in Vlotho einfand, erinnerte kaum an die Bilder jugendlicher Neonazis. Nicht Glatze und Springerstiefel waren das vorherrschende Outfit, sondern Kaschmirmäntel und Lodenjacken. Die Damen und Herren waren aus Hamburg, Berlin, Duisburg, Wiesbaden, Kassel, oder Duisburg angereist, und das breit angekündigte Wochenendseminar sollte eine "Einführung in Hegels Geschichtsphilosophie" vermitteln. Sie hatten wohl kaum damit gerechnet, symbolische Absperrungen von rund 40 AntifaschistInnen vorzufinden.

Doch die Leitung des vermeintlich schöngeistigen Seminars lag bei NPD-Anwalt Horst Mahler, der sich nicht scheut, auch aus Hegels Geschichtsphilosophie seine verquasten Weltverschwörungstheorien abzuleiten. Der deutschen "Volksgemeinschaft" wird demnach eine Führungsrolle zugesprochen, die zwar von allen Seiten bedroht, in ihrem vermeintlich völkischen Kern jedoch nicht unterzukriegen ist. Kaum anders läßt sich die Einladung zu dem Seminar verstehen, in der Mahler sich überzeugt zeigt, "daß der Weltgeist ein neues Zeitalter eröffnet und dabei auf die geschichtliche Tat des Deutschen Volkes setzt. In diesem - und nur in diesem - wirkt der Begriff der Freiheit schon an der Schwelle der sich ihrer selbst bewußten Volksgemeinschaft (...). Alle Mächte des abgelebten Zeitalters hatten sich gegen dieses Neue verbunden, um es zu vernichten. Aber der sich in einem Volke verkörpernde Geist ist nicht umzubringen. Der Geist ist unsterblich. Er aufersteht aus den Niederlagen des Volkes, auf das er setzt...".

Verschwörungstheorien gegen jüdische Kultur...

Es steht zu befürchten, dass es sich hier um eine Neuformulierung der ekelhaften antisemitischen Verschwörungstheorien handelt, für die Mahler schon mehrfach vor Gericht stand. In einer für einen internationalen Revisionistenkongress vorbereiteten Rede unter dem Titel "Endlösung der Judenfrage. Gotterkenntnis statt Judenhass", plädierte er für einen "geistigen Zweifrontenkrieg": "Um den Judaismus endlich zu begraben, erhebt sich wie Phönix aus der Asche der Geist der Germanen..."(1) In Verkehrung von Opfern und Tätern schrieb er in der Erklärung "Die Partei in der Verantwortung für das Deutsche Reich" u.a., die 50 Millionen Kriegstoten des Zweiten Weltkrieges seien "allein den New Yorker Bankjuden anzulasten". Zusammen mit Reinhold Oberlercher zählt Mahler zu den Köpfen des "Deutschen Kollegs", einem Zirkel, der durch neonazistische und rassistische Hetze hervorgetreten ist. In der Schrift "Zur heilsgeschichtlichen Lage des Deutschen Reiches" wird etwa bedauert, dass "das Wort Rasse zum Unbegriff erklärt" worden sei, "damit es als bedeutungslos erscheine, dass hier Neger und Schlitzaugen in die Wohnsitze der Weißen einsickern...". Ein "Aufstandsplan für das Deutsche Volk" mit Gesetzentwürfen für das "Vierte Deutsche Reich" enthält ein "Strafergänzungsgesetz", in dem es heißt: "Juden und ihre Kulte sind im Deutschen Reich verboten." Dies gelte sowohl für "Blutsjuden" als auch für "Gesinnungsjuden".(2)

... nicht als Normalität hingenommen

Rund 40 engagierte AntifaschistInnen fanden sich im Laufe des Nachmittags und Abends vor dem Collegium Humanum in Vlotho ein, um gegen eine derartige Hetze zu protestieren. Das Seminarhaus steht seit Jahrzehnten für neonazistische Veranstaltungen zur Verfügung. Erst am 11. April diesen Jahres fand dort eine Veranstaltung der "Gesellschaft für freie Publizistik" statt, bei der Mahler vor der ostwestfälischen Neonaziszene referierte. Mit bunten Absperrbändern waren die Zufahrten zu dem abgelegenen Seminarhaus markiert worden. Mit den NachbarInnen kamen an den symbolischen Absperrungen interessante Gespräche zustande und den anreisenden Neonazis wurde deutlich gemacht, dass sie hier nicht erwünscht sind. Etliche drehten auch sofort wieder um, während andere versuchten, durch Wald und Gebüsch die protestierenden Gruppen zu umgehen. Die lokale Polizei verhielt sich kooperativ und riet den Neonazis vom Besuch der Veranstaltung ab. Erst nach vier Stunden, die AntifaschistInnen waren bereits Richtung Vlotho aufgebrochen, erschien die ostwestfälische Bezirksreserve der Polizei mit einer Überzahl an Beamten und erteilte Platzverweise. Dabei wurden auch die Personalien von AntifaschistInnen aufgenommen und Ermittlungsverfahren angekündigt. Dennoch werteten TeilnehmerInnen ihren Protest als erfolgreich. Den Neonazis konnte deutlich gemacht werden, dass antisemitische Veranstaltungen nicht als Normalität hingenommen werden.

(1) Zitate aus Informationsdienst gegen Rechtsextremismus, Lexikon, Horst Mahler, (http://www.idgr.de), 11.4.2003

(2) Zitate aus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen für das Jahr 2002, S. 123 f.

(Antifa West, Oktober 2003)