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Razzia nach Anzeige von NS-Verbrecher

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Statt der Aufarbeitung von NS-Unrecht sah sich auch die Detmolder Oberstaatsanwaltschaft noch in jüngster Vergangenheit eher der Verfolgung von Kritikern verpflichtet. Am 6. April 2001 ließ sie in der ``Alten Pauline'' und in Privatwohnungen von drei Mitgliedern der ``Kulturinitiative Detmold'' Hausdurchsuchungen durchführen. Dabei wurden u.a. Vereinsunterlagen und Computer beschlagnahmt. Vorgeblicher Anlass war eine Klage des mittlerweile verstorbenen NS-Verbrechers Karl Friedrich Titho aus Horn. Dieser fühlte sich durch die Bezeichnungen als ``Nazi-Mörder'' und ``Henker von Fossoli'' verleumdet. Das Verfahren gegen die Detmolder wurde mittlerweile eingestellt.

Aber auch vorher hätte sich die Oberstaatsanwaltschaft leicht über das Vorleben Tithos informieren können. Er wurde in den Niederlanden wegen Misshandlungen im KZ Vught und wegen der Mitwirkung an der Erschießung von 70 sowjetischen Kriegsgefangenen verurteilt. 1944 war der SS-Untersturmführer Lagerleiter des Polizeidurchgangslagers in Fossoli und später in Bozen. Von dort wurden Juden und Oppositionelle in die deutschen Vernichtungslager deportiert. Titho wirkte auch in Italien an der Erschießung von 70 italienischen Gefangenen mit, einer sogenannten Vergeltungsmaßnahme der Nazis. Unter seiner Lagerleitung in Bozen waren die Gefangenen Misshandlungen und Folterungen ausgesetzt.

Von der deutschen Justiz wurde der NS-Verbrecher überhaupt nicht belangt, die Dortmunder Zentralstelle stellte das Verfahren gegen ihn 1971 ein, und in Horn lebte er als angesehener Bürger. Zur Aufarbeitung der Verbrechen Tithos hat lediglich die ``Arbeitsgemeinschaft Fossoli'' beigetragen. Auf einer Veranstaltung in Horn klärte sie über die Vergangenheit Tithos auf und forderte eine Auseinandersetzung mit der Geschichte. Ein Vorschlag ist z.B. die Umbenennung einer Straße nach seinem Opfer Gina Labi, die im Alter von sechs Wochen aus Fossoli in die Gaskammern des KZ Bergen-Belsen deportiert wurde.

Weitere Informationen: http://www.agfossoli.de

(Artikel aus: Stop Lifestyle of Hate, die extreme Rechte in OWL, Bielefeld, Januar 2002)