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Erneuter Neonazi-Angriff in Detmold

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Mit Gullydeckeln und Steinen traktierten Neonazis in der Nacht vom 24. auf den 25. Juni die "Alte Pauline" in Detmold. Zahlreiche Scheiben des autonomen Kulturzentrum gingen zu Bruch. Eine ganze Reihe von Bedrohungen und Überfällen waren dem Angriff voraus gegangen.

Noch bevor die lippische Presse die Zerstörungen an der Alten Pauline meldete, waren neonazistische Internetseiten bereits bestens informiert. Die Seite der "Nationalen Offensive Schaumburg" brachte bereits einen Tag vorher die Meldung, "bislang unbekannte Täter" hätten "für frische Luft" in der Alten Pauline gesorgt, die dort als "linksfaschistischer Treffpunkt in Detmold" bezeichnet wurde. Die Neonazis aus Schaumburg, die mit diesem Täterwissen an die Öffentlichkeit gingen, hatten nach eigenem Bekunden in der Tatnacht an einer Sommersonnenwendfeier in Ostwestfalen teilgenommen. Lediglich die Staatsschutzabteilung der Polizei Bielefeld erklärte, um eine politisch motiverte Straftat habe es sich bei dem Angriff wohl nicht gehandelt. Daher werde sie in diesem Fall nicht ermitteln. Erst am Freitag vor dem Überfall hatten rund 250 AntifaschistInnen in Detmold gegen einen Neonazitreffpunkt demonstriert.

Nach Drohungen zusammengschlagen

Dem Überfall gingen eine ganze Reihe von Bedrohungen und Angriffen in Detmold voraus. "Pöbeleien, verbale Drohungen oder das Anspucken von so genannten 'Zecken'. Das passiert uns tagtäglich in dieser Stadt", berichteten VertreterInnen der Alten Pauline während der Demonstration am 23. Juni. Einer ihrer Freunde sei von den Neonazis tagelang observiert worden und habe eine minutiöse Auflistung der Beobachtungen per E-Mail erhalten. Dazu die Drohung, dass sie ihn erwischen würden. Ein anderer Freund sei nach telefonischen Drohungen von drei Neonazis zusammengeschlagen worden. Er habe zusammen mit anderen in einer Detmolder Gaststätte gesessen, als dort ein anonymer Anruf mit der Aufforderung einging, ihn aus dem Lokal zu weisen. "Sonst wird es blutig", drohte der Anrufer. Als der Betreffende sich später auf den Nachhauseweg machte, lauerten die Neonazis ihm auf und schlugen ihn zusammen.

"Blood & Honour" in der Blue Bar

Zu der Demonstration am 23. Juni hatten nach diesen Vorfällen zahlreiche Organisationen aufgerufen. Die "Kulturinitiative Detmold" der DGB, die "Detmolder Alternative – Opposition von unten" und zehn weitere Gruppen forderten "Null Toleranz für Neonazis!". Im Zentrum der Kritik stand die Kneipe "Blue Bar". "Die Gaststätte dient seit vielen Monaten als Treffpunkt für Neonazis", hieß es im Aufruf. Während Betreiberin Elke Dreger alle Vorwürfe bestreitet und mit einer Anzeige wegen Verleumdung reagierte, konnten Mitglieder der Jugend-Antifa Detmold mit ihren Beobachtungen glaubwürdig belegen, dass es sich bei der "Blue Bar" tatsächlich um einen Neonazitreffpunkt handelt. Mehrfach trafen sie dort etliche Detmolder Neonazis an, darunter auch deren Wortführer Tobias Budde, der erst kurz zuvor aus einer dreijährigen Haft entlassen worden war. 2001 hatte Budde zusammen mit Sven Dickmann einen Besucher der Alten Pauline verfolgt. Der junge Mann wurde zu Boden geworfen und von einem der Täter festgehalten, während der andere mit einem zwei Zentimeter dicken Holzbrett auf ihn einschlug, bis das Holz zerbarst. Nach dem Bericht der Jugend-Antifa trägt Budde in der "Blue Bar" offen Symbole der verbotenen Organisation "Blood & Honour". Dies dulde die Betreiberin ebenso "wie alle anderen rechten Symbole und NS-Zahlencodes ihrer extrem rechts gesinnten Kundschaft." Auch am 31. März habe Dreger nichts unternommen, als zwei Jugendliche, die sich in die von Neonazis besetzte Kneipe verirrt hätten, mit "Zecken raus"-Rufen aus dem Lokal vertrieben und durch die Grabbestraße verfolgt worden seien.

Solidarität mit der Alten Pauline

Während sich das im gleichen Haus befindliche Hotel Nadler per Anzeige in der Lippischen Landes-Zeitung von der "rechtsradikalen Szene" eindeutig distanzierte, streute der Staatsschutz der Bielefelder Polizei Desinformationen. Mit einer zwei Tage vor der Demonstration lancierten Meldung, es lägen keinerlei eigene Erkenntnisse über die Blue-Bar vor, versuchte der Staatsschutz die Mobilisierung zu stören. Derartige "Nebelkerzen" der Polizeistelle seien auch in Gütersloh geworfen worden, erklärte die dort beheimatete Gruppe "Sozialistische Kulturarbeit" in einem Redebeitrag. In Gütersloh habe der Staatsschutz die Existenz einer neonazistischen Kameradschaft selbst dann noch bestritten, als diese einen Aufmarsch anmeldete und im März diesen Jahres durchführte.

Aber ebenso wie dort hatte die Desinformation der Öffentlichkeit auch in Detmold keinen Erfolg. Rund 250 Menschen, GewerkschafterInnen, Skinheads gegen Rassismus, Punker und AntifaschistInnen aus den umliegenden Städten zeigten ihre Solidarität mit der Alten Pauline und sorgten mit der Demonstration für einen gelungenen Auftakt der Kampagne gegen den Neonazitreffpunkt.

(Antifa West, Juni 2006)

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