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Collegium Humanum plant Treffpunkt in Borna bei Leipzig

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Das Collegium sorgt nun auch in Sachsen für Schlagzeilen. Der Name der in Vlotho ansässigen rechtsextremen Bildungsstätte wird in einem Zuge mit dem Verein "Gedächtnisstätte" genannt. Dieser Verein plant in der sächsischen Kreisstadt Borna einen bundesweiten Treffpunkt extremer Rechter zu erschaffen.

Interessanter Weise firmiert das "Collegium Humanum" unter der gleichen Adresse wie der Verein "Gedächtnisstätte". Dieser Verein verfolgt seit mehr als zehn Jahren das Ziel, ein Denkmal für die "deutschen Opfer des Zweiten Weltkrieges" zu errichten - in Verbindung mit einem "Dokumentations-Zentrum". Zur Debatte steht nun ein 10.500 Quadratmeter großes Grundstück in Borna.

Gegründet wurde der Verein "Gedächtnisstätte" 1992 von Ursula Haverbeck.

Im Jahr 2003 hat Wolfram Schiedewitz den Vorsitz des "Vereins Gedächtnisstätte für die Opfer des Zweiten Weltkrieges durch Bomben, Verschleppung, Vertreibung und in Gefangenenlagern" übernommen. Vereinszweck ist die Einrichtung der beschriebenen Gedenkstätte.

Laut VVN/BdA NRW (Vereinigung des Verfolgten das Naziregimes/Bund der Antifaschisten) verfolgt der Verein dieses Ziel seit rund zehn Jahren und hat nun in den Gebäuden eines Braunkohlebergbaus im südlich von Leipzig gelegenen Borna geeignete Gebäude gefunden. Geplant ist die Unterbringung von "Dokumentationen" und die Errichtung eines Denkmals.

Vor Ort vertreten wird der Verein durch den Düsseldorfer Anwalt und Oberst a.D. Hajo Herrmann. Der Ex-Jagdflieger wird in rechten Kreisen als Kriegsheld verehrt und vertrat prominente Holocaust-Leugner wie David Irving, Otto Ernst Remer oder den US-amerikanischen "Gaskammer-Experten" Fred Leuchter vor Gericht, womit sich der Kreis der Holocaustleugnung wieder schließt. Herrmann, der bereits während des Spanischen Bürgerkrieges auf Seiten Francos kämpfte, tritt trotz seines hohen Alters noch immer auf Veranstaltungen der NPD auf.

Gedenkstätten-Vereins-Gründerin Haverbeck tritt vermehrt als Teilnehmerin und Referentin auf Veranstaltungen rechtsextremistischer Organisationen im gesamten Bundesgebiet in Erscheinung, wie sogar der Verfassungsschutz NRW zugeben musste.

Auffällig ist die Intensivierung der Kontakte zwischen der Vereinsvorsitzenden und Horst Mahler. Neben dem "Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocausts Verfolgten", dem "Deutschen Kolleg" arbeiten sie in Mahlers "Reichsbürgerbewegung" zusammen.

Gegenüber dem Vlothoer Anzeiger wollte sich Haverbeck zum Sachverhalt "Gedächtnisstätte" nicht näher äußern. Auch nicht zu der Frage, ob das Collegium Humanum Vlotho verlasse. "Das hat nichts miteinander zu tun. Ich habe dazu nichts zu sagen; ich habe mich mit anderen Dingen zu beschäftigen", wird sie dort zitiert.

Nazi-Gedenkstätte in Borna: Tiefschlaf und Zufallsprinzip

In der Diskussion über das weitere Vorgehen zur äußerst umstrittenen Gedenkstätte in Borna beschränken sich die politischen Entscheidungsträger weiter aufs Däumchendrehen. Es verdichtet sich immer mehr, dass in Stadt-, Kreis- und Landesbehörden zu spät auf eindeutige Hinweise reagiert wurde.

Dass Landrätin Petra Köpping (SPD), die seit Mitte November über das Vorhaben in der Röthaer Straße informiert war, auf die mangelnde Transparenz der Arbeit des Verfassungsschutzes gegenüber der kommunalen Ebene schimpft, sind dabei die neuesten Erkenntnisse.

Das Landesamt in Dresden ist aber mithin so transparent, dass eine von Köpping geäußerte Behauptung revidiert werden musste. Angeblich hätte die Landrätin - als sie am 15. November vom Landesvorstand der "Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes" (VVN) über die braunen Bestrebungen in Borna informiert wurde - bei Polizei, Stadtverwaltung und den Verfassungsschützern Alarm geschlagen. "Stimmt nicht", sagt Alrik Bauer, Sprecher des Landesamtes für Verfassungsschutz in Dresden. Dort habe man erst Ende November von den Plänen des nordrhein-westfälischen Vereins "Gedächtnisstätte" in Borna erfahren. "Der Verein ist bis dahin in Sachsen nicht aktiv geworden und kaum bekannt. Wir stehen mit unseren Ermittlungen am Anfang und arbeiten eng mit dem Innenministerium in Nordrhein-Westfalen zusammen", erklärte Bauer gegenüber der Leipziger Volkszeitung (LVZ).

Der Verdacht, dass in den politischen Etagen ernstgemeinte Überlegungen, rechtsextremistische Entwicklungen aufzuhalten, bestenfalls per Zufallsprinzip entstehen, verdichtet sich auch in Leipzig. Regierungspräsident Walter Christian Steinbach wurde "am Abend des 6. Dezember über die Nachrichten in Borna informiert. Ich hätte mir von den lokalen Akteuren gewünscht, schneller zu reagieren. Mit jedem verlorenen Tag wird auch die Möglichkeit zur Schadensbegrenzung kleiner", schimpfte Steinbach ebenfalls gegenüber der LVZ. Er hat Verfassungsschützer, Bernd Merbitz als Polizei-Chef und die Lokalpolitiker Petra Köpping sowie Bernd Schröter zum Gespräch geladen.

Und in Dresden? Eine Fragestunde im Landtag am 9. Dezember habe ebenfalls keine neuen Erkenntnisse zutage gefördert, berichtete PDS-Abgeordnete Kerstin Köditz enttäuscht. Sie hatte am 1. Dezember gefragt, welche Erkenntnisse die Staatsregierung über den Verein "Gedächtnisstätte" hat und was unternommen wurde, um Stadt und Landkreis zu warnen. "Das Innenministerium habe im Vorfeld nichts gewusst und somit auch nichts getan", so Köditz zur LVZ.

Der Verein "Gedächtnisstätte", der hinter dem Kauf steht, ist als Gruppierung von Altnazis bekannt. Der als Besitzer in das Grundbuch eingetragene Dr. Ludwig Limmer hat nachweislich enge Kontakte zu bekannten Holocaust-Leugnern wie Ursula Haverbeck, Horst Mahler, Udo Walendy und dem Schweizer Bernhard Schaub. Als billige Schutzbehauptung muss es gewertet werden, wenn Limmer seinen Einsatz für Heimatvertriebene in den Vordergrund stellt. Recherchen haben ergeben, dass Limmer in seinem Privathaus in Meerbusch in der Vergangenheit politische Gesprächsrunden durchgeführt hat, bei denen u.a. Funktionäre der rechtsextremen Jungen Landsmannschaft Ostpreußen als Referenten aufgetreten sind. Diese der NPD nahe stehende Gruppierung organisiert jährlich den Neonaziaufmarsch in Dresden zum Jahrestag der Bombardierung der Stadt.

Gefragt sind jetzt vor allem AntifaschistInnen und die Bürgerinnen und Bürger Bornas selbst, um deutlich zu machen, dass sie ein Nazizentrum in "ihrem" Ort nicht wollen. Die Initiative zu einer Informationsveranstaltung am 19. Dezember um 18 Uhr im Gasthof "Stern" in Borna und die Aktivitäten gegen das Nazi-Zentrum sollten auch von OWL aus nach Kräften unterstützt werden.

(altes Paulinchen, Nummer 5, 14. Dezember 2005)

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