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Das Collegium Humanum ist verboten aber nicht alle Köpfe der Hydra abgeschlagen – "Kissel ... mit uns"

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von Jutta Ohligs

Holocaustleugner expandieren nach Sachsen

In Borna bei Leipzig will der "Verein Gedächtnisstätte" ein weiteres Zentrum für die extreme Rechte aufbauen. Verlassen kann sich die Gruppierung dabei auf die Unterstützung des Solinger Bauunternehmers Günther Kissel und auf Weggefährten aus Düsseldorf und Mettmann.

Es war im Herbst 2005, als der "Verein Gedächtnisstätte für die Opfer des zweiten Weltkrieges durch Bomben, Verschleppung, Vertreibung und Gefangenenlager" (Vereinsvermögen 250.000 Euro) sein Vorhaben umsetzen konnte, ein geeignetes Gelände für das Projekt zu erwerben. Mit dem Ehepaar Gisela und Ludwig Limmer aus Meerbusch hatte man Frontleute ins Rennen geschickt, die in der Öffentlichkeit nicht einschlägig vorbelastet erschienen. Die Limmers kauften für den Verein ein weitläufiges Gelände mit einem großen Gebäude im sächsischen Borna.

Hinter dem Ehepaar, bei dem im Sommer 2005 im Rahmen einer Hausdurchsuchung holocaustleugnende Unterlagen gefunden wurden, steht der Solinger Bauunternehmer Günther Kissel, einst Offizier im Zweiten Weltkrieg. "Kissel ... mit uns" - dieses Logo schmückt den Post-Freistempler des millionenschweren 89-jährigen Unternehmers. Es spielt auf die "Gott mit uns"-Einprägung des Koppelschlosses an, mit dem die Wehrmachtssoldaten in den Krieg zogen. Auch der "Verein Gedächtnisstätte" und die Holocaustleugner-Szene rund um den Vlothoer "Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten" (VRBHV) darf behaupten, dass Kissel mit ihnen ist. Bereits im August 2003 hatte Kissel neben den VRBHV-HolocaustleugnerInnen Horst Mahler, Udo Walendy und Ursula Haverbeck auch das Ehepaar Limmer in sein Privathaus eingeladen (vgl. LOTTA Nr. 15, S. 29).

Unterstützer der Holocaustleugner

Kissel offerierte dem Verein eine Sonderspende von 54.000 Euro, um für 18 Monate die Betriebskosten für die neue Immobilie in Höhe von 3.000 Euro je Monat zu decken. Mit diesem Background will der von Prof. Dr. Theodor Schmidt-Kahler, dem pensionierten Bad Pyrmonter Chefarzt Dr. Hartmut Rau und Klaus-Wolfram Schiedewitz aus Seevetal geleitete "Verein Gedächtnisstätte" versuchen, in Borna ein neues Zentrum für die extreme Rechte aufzubauen, bei dem eine Gedächtnisstätte - allein für vermeintliche deutsche Opfer - eine hübsche Dekoration abgibt. Dem 1992 gegründeten "Verein Gedächtnisstätte" mit Sitz im Zentrum der Holocaustleugner des VRBHV, dem "Collegium Humanum" in Vlotho, ist Kissel schon lange eng verbunden. Am 12. September 1994 fand auf dem Firmengelände Kissels die Hauptversammlung dieses Vereins statt, dessen Personal- und Investitionsentscheidungen in Abstimmung mit Kissel getätigt werden. Als beispielsweise Ursula Haverbeck ihre Holocaustleugner-"Karriere" im VRBHV plante, sprach sie dies mit Kissel ab. Den Vorstand des "Verein Gedächtnisstätte" zu verlassen, erschien ihr als ratsam, um diesen nicht durch ihre VRBHV-Aktivitäten zu belasten. Als Anwalt des Vereins tritt mit dem Düsseldorfer Rechtsanwalt Hajo Herrmann (vgl. LOTTA Nr. 15, S. 30) ein alter Bekannter Kissels auf. Kissel engagierte sich zusammen mit Herrmann bereits in der Vergangenheit bei zwei gescheiterten Versuchen, ein geeignetes Grundstück für die angestrebte Gedächtnisstätte zu erwerben. 2002 versuchte man zum Beispiel, im thüringischen Beichlingen ein Gebäude zu kaufen, doch der Stadtverwaltung erschien der Verein als extrem rechts. Das Ergebnis einer Internet-Suchanfrage zu Herrmann, der hier als Kaufinteressent auftrat, reichte, um Abstand von diesem Käufer zu nehmen.

Zuletzt setzte sich Kissel, der sich bereits in den 1980er Jahren für Thies Christophersen, Autor der Broschüre "Die Auschwitzlüge", engagiert hatte, im November 2005 mit einem Schreiben an das Landgericht Mannheim für den Holocaustleugner Ernst Zündel ein. In diesem Schreiben, dessen interner Verteiler mit Haverbeck, Ludwig Limmer, Schiedewitz und Schmidt-Kahler die Vorstandsmitglieder und Aktivisten des "Verein Gedächtnisstätte" aufführt, schrieb Kissel über den Holocaust: "Ein Mord, und gar ein millionenfacher, ist keine Glaubensfrage. Er bedarf des eindeutigen Beweises. Solange dieser aussteht, gilt die Unschuld des Angeklagten."

Aus: LOTTA - antifaschistische Zeitung aus NRW, Nr. 22, Frühjahr 2006

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