Das Collegium Humanum ist verboten aber nicht alle Köpfe der Hydra abgeschlagen – Wer die Vergangenheit kontrolliert...
Von Gerd Alt
Vom Geschichtsrevisionismus der Holocaustleugner und Kriegsschuldlügner
“Es ging nicht um den Nationalsozialismus, sondern um die Nation selbst. Jede positive Identifikation mit diesem Gemeinwesen wurde und wird unterdrückt mit dem Hinweis, daß es Hitler gab und daß dieser nach landläufiger Ansicht als Massenverbrecher einzuschätzen sei. Jede nationale Handlung, die ein Eigeninteresse in das Zentrum des politischen Wollens stellt, wird auf diese Weise kriminalisiert.” - So wird in der Zeitschrift “Deutsche Geschichte” vom Autor Andreas Molau das Problem der extremen Rechten mit der deutschen Vergangenheit zusammengefasst. Sie steht einer erfolgreichen Politik im Weg. Um dieses Hindernis zu umgehen, wird permanent versucht, die deutsche Geschichte rein zu waschen. Vom Skinhead-Fanzine bis zur “Jungen Freiheit” - kaum eine Publikation der extremen Rechten beteiligt sich nicht daran.
Beim Thema Geschichtsrevisionismus konnte die extreme Rechte Rekord-Teilnehmerzahlen für ihre Aufmärsche verbuchen. So 1997 als mit etwa 3.800 Teilnehmern gegen die so genannte Wehrmachtsausstellung der bis dahin größte Aufmarsch der extremen Rechten zu verzeichnen war. Ziel des rechten Aufmarsches: Leugnung des deutschen Vernichtungskrieges in Osteuropa. 2004 wurde in Wunsiedel mit über 4.500 Teilnehmern eine neue Bestmarke für Naziaufmärsche erreicht. Auch hier ein geschichtsrevisionistischer Anlass: die Etablierung des NS-Verbrechers Rudolf Hess als “Friedensflieger” und Opfer der Alliierten. Die jüngste Rekordbeteiligung bei einem Aufmarsch der extremen Rechten wurde mit etwa 5.000 Teilnehmern in Dresden erreicht. Ziel hier: Deutschland, das Land der Täter, in ein Land der Opfer zu verwandeln.
Wann kann bei einer Auseinandersetzung über Geschichte von Geschichtsrevisionismus gesprochen werden? Schließlich schlägt sich die politische Position des Betrachters von Historie notwendig in seiner Geschichtsschreibung nieder. Das ist weder anrüchig noch unbedingt unwissenschaftlich. Den Kriterien von Wissenschaftlichkeit können geschichtsrevisionistische Ausarbeitungen der extremen Rechten allerdings nicht standhalten. Das propagandistische Interesse an einem bestimmten Thema dominiert, gibt das wünschenswerte Ergebnis von historischer Pseudoforschung vor und macht sie zu einem unwissenschaftlichen Schreiben von Geschichten. Wichtige Quellen werden ignoriert oder die Kritik dieser Quellen basiert auf Weltverschörungstheorien, abseitige Quellen werden in den Mittelpunkt der Argumentation gestellt, während wichtige andere, die der eigenen Theorie widersprechen, nicht benutzt werden. Eine Auseinandersetzung mit dem aktuellen Forschungsstand unterbleibt oder geschieht nur selektiv. Zitierkartelle bei denen ein Geschichtsrevisionist sichauf die Ausarbeitungen eines anderen Geschichtsrevisionisten beruft, der wiederum bei erstgenannten Geschichtsrevisionsten abgeschrieben hatte, immunisieren den Geschichtsrevisionismus der extremen Rechten gegen die historische Wirklichkeit und suggerieren den Lesern eine
vermeintliche Wissenschaftlichkeit, die lediglich eine Pseudowissenschaft darstellt.
Der Geschichtsrevisionismus der extremen Rechten versucht insbesondere zwei zentrale historische Fakten zu relativieren oder gar zu leugnen. Die Alleinschuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg sowie die während des Krieges begangenen Kriegsverbrechen und die von Deutschland durchgeführte Vernichtung der europäischen Juden stehen der extremen Rechten bei einem positiven Bezug auf das NS-Regime im Wege. Wer am Nationalsozialismus anknüpfen will, muss versuchen die Kriegsschuld und die während des Krieges begangenen Kriegsverbrechen sowie den Holocaust aus der Geschichtsschreibung zu eliminieren oder zumindest zu relativieren.
Eure Opas waren Verbrecher – Gegen die Revision deutscher Kriegsschuld und Kriegsverbrechen
Mit ihren Aufmärschen gegen die Ausstellung “Verbrechen der Wehrmacht” gelang der extremen Rechten ein bemerkenswerter Brückenschlag. Die Teilnehmer des Aufmarsches in München 1997 rekrutierten sich aus Rechtskonservativen, Alt-Rechten bis hin zur militanten Neonazi-Szene. Gemeinsam marschierte man, um die deutschen Kriegsverbrechen und den Vernichtungskrieg im Osten zu leugnen. In ihrer ersten Konzeption stellte die Ausstellung klar, dass der deutsche Krieg im Osten kein “normaler” Eroberungskrieg sondern ein rassistisch und antikommunistisch motivierter Vernichtungskrieg war. Nicht allein einzelne Verbrechen in diesem Krieg sondern dieser als Vernichtungskrieg konzipierte Ostfeldzug an und für sich stellte ein Verbrechen dar. SS und Wehrmacht waren in diesem Krieg im Osten arbeitsteilig für die Verbrechen verantwortlich. Der rechtskonservativen Opposition gegen die Ausstellung ging es darum, den Mythos einer “sauberen Wehrmacht” trotz einer eindeutigen Quellenlage aufrecht zu erhalten und alle Verbrechen der SS zuzuordnen. Der extremen Rechten geht es darüber hinaus darum, mit der Entsorgung der Verbrechen der Wehrmacht gleich alle deutsche Verbrechen zu leugnen. Mit dieser Interessenskonstellation gelang der extremen Rechten der Brückenschlag bis in die Mitte der Gesellschaft.
Acht mal wiederholte sich die Inszenierung der Aufmärsche der extremen Rechten allein in nordrhein-westfälischen Städten mit gleicher Zielsetzung, bis die Ausstellung im Januar 2004 zunächst zum letzten Mal in Deutschland gezeigt wurde. Nie wieder erreichte man aber eine Teilnehmerzahl wie 1997 in München. Nur noch partiell gelang der Brückenschlag bis ins rechtskonservativ-bürgerliche Lager. Erreicht hatte man aber, dass die Ausstellung in Misskredit gezogen wurde. Einige wenige der über tausend Fotodokumente waren von den Ausstellungsmachern falsch zugeordnet worden. Jan Philipp Reemtsma zog die Ausstellung zurück, um sie dann in einer hinsichtlich des deutschen Vernichtungskriegs im Osten weniger politisch pointierten Fassung neu zu konzipieren.
Geschichtsrevisionistische Thesen hinsichtlich der Schuld NS-Deutschlands am Zweiten Weltkrieg und der von ihm begangenen Kriegsverbrechen bestimmen nicht nur in extrem rechten Publikationen des Militaristen-Spektrums den Inhalt. Diese finden sich insbesondere auch in Blättern aus dem “Vertriebenen-” oder genauer dem Revanchistenspektrum. Neben dem “Ostpreußenblatt” ist es vor allem die in Recklinghausen erscheinende Zeitung “Der Schlesier”, die sich die Leugnung von Kriegsschuld und Kriegsverbrechen auf die Fahnen geschrieben hat. In einer wöchentlichen Auflage von bis zu 12.000 Exemplaren wird in unzähligen Varianten behauptet, die späteren Westalliierten hätten Deutschland in den Zweiten Weltkrieg getrieben, so als hätte es nie eine Appeasement-Politik gegeben, mit der vom Westen versucht wurde, den Zweiten Weltkrieg zu verhindern. Oder es wird behauptet, NS-Deutschland habe gegen die Sowjetunion nur einen Präventivkrieg geführt, denn ein Angriff der Sowjetunion auf Deutschland habe 1941 unmittelbar bevorgestanden. Auch hier leugnet man historische Fakten, beispielsweise, dass die Rote Armee erst 1942/43 in der Lage war mit der Wehrmacht hinsichtlich der militärischen Stärke gleichzuziehen.
Die Intention der Revanchisten-Zeitungen liegt dabei auf der Hand: Wenn NS-Deutschland nicht die Schuld am Zweiten Weltkrieg und am Überfall auf die Sowjetunion trifft, dann waren die Umsiedlungen und Enteignungen der Deutschen im heutigen Russland und Polen unrechtmäßig und müssen daher revidiert werden. Auch hier besteht also ein gewichtiges Interesse daran, Geschichtsschreibung nicht ausgehend von historischen Fakten, sondern ausgehend von einem gewünschten Ziel, das mit der Geschichtsschreibung verfolgt werden soll, zu betreiben.
Bis in die Mitte der Gesellschaft - Revisionismus durch Relativierung des Holocaust
Nichts versperrt der extremen Rechten in Deutschland mehr den Weg zur erneuten Macht als der Holocaust. Darum steht der Holocaust an zentraler Stelle der revisionistischen Propaganda der extremen Rechten. Von der Relativierung und damit Verharmlosung des Holocaust durch seine Gleichsetzung mit anderen historischen Ereignissen bis hin zur Leugnung des planvollen und mit industrieller Effizienz betriebenen Mordes an den europäischen Juden reichen die Formen des Revisionismus.
Eine Revision der Geschichte des Holocaust durch seine Relativierung ist in der Bundesrepublik längst bis weit in die Mitte, ja sogar bis in die Linke gesellschaftsfähig geworden. Im von Ernst Nolte angezettelten Historikerstreit der 1980er Jahre zeigte sich, dass Teile der deutschen Historikerzunft die revisionistischen Thesen Noltes teilte. Nolte hatte damals behauptet, die Nationalsozialisten hätten sich hinsichtlich ihres Vernichtungswahns nur am sowjetischen “Gulag-System” orientiert, selbiges sei ursprünglicher als der Holocaust, der nur eine Reaktion auf das “Gulag-System” gewesen sei. Letztlich seien die Verbrechen der Nazis nur Verteidigungshandlungen gegen die “Gefahr” des Bolschewismus gewesen.
Der Historiker Jörg Friedrich rückte in seinem Buch “Der Brand” die Luftangriffe auf deutsche Städte im Zweiten Weltkrieg sprachlich in die Nähe des Holocaust. Entsprechend nutzen Neonazis seine Thesen, um ihren Revisionismus wissenschaftliche Weihen zu verleihen.
Beinah hätte auch NRW, um genauer zu sein die Stadt Herne, ihren “Brand”-Autor bekommen. Der Historiker Dr. Olaf Rose hat für die Stadt Herne an einer Dokumentation über Zwangsarbeiter in Herne und Wanne-Eickel gearbeitet und wollte sich danach der Geschichte der alliierten Bombenangriffe auf die beiden Städte widmen. Man kann sich nur zu gut vorstellen, dass Rose, der die ZwangsarbeiterInnen in seiner Auftragsarbeit für die Stadt Herne als “wohlgenährt” bezeichnete, die in “Krankenhäusern eine hervorragende Behandlung erfahren hätten” , den deutschen Bombenkrieg-Opfer-Mythos auf’s Beste bedient hätte. So weit kam es aber nicht. Nachdem LOTTA und antifaschistische Gruppen die Verbindungen Roses zu NPD und “freien Kameradschaften” aufdeckten (vgl. LOTTA Nr. 12, S. 34 und LOTTA Nr. 13, S. 25), erschien weder das Buch zum Thema Zwangsarbeit, an dem Rose über zwei Jahre lang als ABM-Kraft gearbeitet hatte, noch konnte der Historiker mit der Arbeit am Thema Luftangriffe beginnen. Allein dieser Intervention ist es zu verdanken, dass Olaf Rose nun in der Historikerzunft diskreditiert ist und seine Thesen als das erkannt werden, was sie sind: als Teil der Propaganda der extremen Rechten.
Einer rot-grünen Bundesregierung blieb es vorbehalten, den Holocaust zu relativieren, um in Jugoslawien deutsche Interessen durchzusetzen. Es gelte in Jugoslawien ein neues Auschwitz zu verhindern tönte Joschka Fischer, um den Einsatz der Bundeswehr dort zu legitimieren. Und auch die sogenannte antideutsche Linke muss sich die Frage gefallen lassen, ob sie nicht auch einer verharmlosenden Relativierung des Holocaust das Wort redet, wenn sie einen antisemitischen Vernichtungswillen der Palästinenser ausmachen, den sie als Fortsetzung des deutschen Vernichtungswahns darstellen.
Holocaustleugner – internationale Verbindungen laufen in NRW zusammen
“Nach Durchsicht des gesamten Materials und nach Inspektion aller Standorte in Auschwitz. Birkenau und Majdanek findet der Autor die Bewiese überwältigend. Es gab keine Exekutions-Gaskammern an irgendeinem dieser Orte”, resümiert Fred Leuchter in dem von Ernst Zündel in Auftrag gegebenen pseudo-wissenschaftlichem “Leuchter Report”. Er betritt damit den Bereich des Geschichtsrevisionismus, der in Deutschland strafrechtlich verfolgt wird, dem der Auschwitzleugnung. Mit dem Vlothoer “Collegium Humanum” und dem in ihm am Jahrestag der Reichspogromnacht am 9. November 2003 gegründeten “Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocausts Verfolgten” (VRBHV) existiert in NRW eine Organisation, in der sich internationale Holocaustleugner zusammengefunden haben. Ziel dieses Vereins ist die Straffreiheit für die Holocaustleugnung zu erlangen. Seine Strategie besteht offenbar darin, gezielt und in großer Zahl durch die Leugnung und Verharmlosung des Holocaust gegen den Paragraphen 130 StGB zu verstoßen, um ihn so auszuhöhlen.
Treibende Kräfte in diesem Verein sind Horst Mahler, der Schweizer Holocaust-Leugner Bernhard Schaub und die Witwe des Altnazis Werner Georg Haverbeck, Ursula Haverbeck-Wetzel, die direkt neben dem Collegium Humanum wohnt. Die Liste derjenigen, die an der Gründung dieses Vereins beteiligt waren, liest sich wie ein internationales “who-is-who” der Holocaustleugner-Szene. Holocaustleugner aus den USA, Frankreich, Großbritannien, Australien, Spanien Weißrußland und Portugal, unter ihnen die Top-Holocausleugner wie Ernst Zündel, Germa Rudolf oder Manfred Roeder finden sich in einer Liste der Mitgründer (vgl. LOTTA Nr. 15, S. 28). In der vom Collegium Humanum herausgegebenen “Stimme des Gewissens – Lebensschutz-Informationen” wurde 2003 zwei mal der Holocaust geleugnet. Nach Hausdurchsuchungen wurden Haverbeck-Wetzel und der Schriftleiter dieses Blattes, Ernst Otto Cohrs aus Rotenburg an der Wümme hierfür zur Verantwortung gezogen und wegen Volksverhetzung verurteilt. Diese Verurteilung bremste die beiden und ihr Umfeld jedoch nicht. Im Gegenteil, man plante die Leugnung des Holocaust im Rahmen einer Kundgebung im ehemaligen KZ Auschwitz. Weil dies zu großes außenpolitisches Aufsehen erregt hätte, wurde das Vorhaben von den deutschen Sicherheitsbehörden verhindert. Die Truppe um Haverbeck-Wetzel und Horst Mahler leugnete den Holocaust dennoch öffentlich im Rahmen einer Kundgebung auf der Wartburg. Zur Verantwortung wurden die Beteiligten nie gezogen, gleichwohl den Strafverfolgungsbehörden, die Namen der Teilnehmer bekannt sind. Angeschoben wurde vom VRBHV eine Selbstanzeigenkampagne, mit der sich möglichst viele Rechtsextremisten zur Holocaustleugnung bekennen sollen. Diese massenhafte Leugnung soll die strafrechtliche Relevanz der Holocaustleugnung unterminieren.
VRBHV und eine “Reichsbürgerbewegung zur Befreiung Deutschlands”, die in weitgehender Personalunion mit der VRBHV im Collegium Humanum agiert, richteten in 2004 Seminare im Collegium aus, bei denen Horst Mahler und der Vorsitzende des VRBHVs, Bernhard Schaub als Referenten auftraten. Man bewertete diese Seminare als erfolgreich, nicht zuletzt wohl, weil den Holocaustleugnern durch die Polizei der Rücken frei gehalten wurde. Regelmäßig waren Antifaschisten aus Ostwestfalen am Collegium anwesend und sie hätten sicherlich die ein oder andere Veranstaltung verhindert, wenn nicht der Staatsschutz nebst zahlreichen Kollegen, die Veranstaltungen für die Nazis abgesichert hätten. Fast schon als Dankesschreiben an den Staatsschutz liest sich dann auch die jüngste Einladung zu einem Seminar im Collegium. Zum Thema “Das Deutsche Reich als das Reich der Freiheit oder Die Zukunft der Demokratie ist ihr Untergang” wurde am 25. Februar 2005 “endlich” eine praktische Schulung durchgeführt. Nach den “erfolgreichen” Veranstaltungen im letzten Jahr, so schrieb man, wolle man sich nun an die Schulung zur praktischen Umsetzung der referierte Inhalte machen. Mit dem verurteilten Holocaustleugner Klaus Kaping und dem unter anderem wegen Fortführung der verbotenen militanten Neonaziorganisation “Nationalistische Front” verurteilten Meinolf Schönborn aus Herzebrock bei Gütersloh traten zwei Referenten auf, die das Schlimmste befürchten ließen. Schönborn wurde erst jüngst erneut verurteilt, weil er “Landser”-CDs verkaufte und er dürfte im Zusammenhang mit der “Reichsbürgerbewegung” erneut in juristische Schwierigkeiten geraten. Er vertrieb über seinen “Z-Versand” Flugblätter der Reichsbürgerbewegung, in denen die BRD als “Organisationsform einer Modalität der Fremdherrschaft” (OMFBRD) bezeichnet. In anderen Publikationen Mahlers heißt es beispielsweise in geschichtsrevisionistischer Manier: “Der Weg zur Selbstherrlichkeit des Deutschen Reiches führt über den Sturz der jüdischen Fremdherrschaft. Die jüdische Fremdherrschaft stürzt mit der Entlarvung der Auschwitzlüge [...] Die Bundesrepublik Deutschland ist kein Staat, sondern ein Reichsvernichtungsregime [...] unsere Feinde haben die Auschwitzlüge erfunden”. Schönborn fungierte offensichtlich als Versandzentrale für die Propagandamittel der “Reichsbürgerbewegung” und verschickte auf Weisung Horst Mahlers auch schon mal im 2.000er-Auflage Flugblätter zur Weiterverteilung.
Ebensfalls in Vlotho zuhause ist ein Altmeister des Geschichtsrevisionismus, der wegen Volksverhetzung vorbestrafte Udo Walendy. Walendy gab bis zu seiner Inhaftierung 1997 die revisionistische Zeitschrift “Historische Tatsachen” heraus, deren Artikel die üblichen revisionistischen Themen Leugnung der Kriegsschuld und Leugnung der deutschen Kriegsverbrechen behandelten. Daneben wurde in den “Historischen Tatsachen” in Frage gestellt, dass der Holocaust stattgefunden hat. Walendy kandidierte während seiner Haft auf Platz 1 der NPD-NRW Liste für den Bundestag. Bis 2004 vertrieb der belgische Holocaustleugner Siegfried Verbeke in Zusammenarbeit mit diversen anderen internationalen Holocausleugner-Organisationen durch die Stiftung “Vrij Historisch Onderzoek” (VHO), zu deutsch “Freie Geschichtsforschung” die “Historischen Tatschen” Walendys. Im November 2004 mit EU-Haftbefehl inhaftiert ist Verbeke nun erneut als Holocaustleugner angeklagt. Walendys Schriften sind dennoch weiter zu beziehen. Beispielsweise über “Castle Hill Publishers” in Großbritannien.
Ein anderer wichtiger Geschichtsrevisionist aus Nordrhein-Westflalen, Ernst Günter Kögel trat im November 2004 eine 15-monatige Freiheitsstrafe wegen Volksverhetzung in Remscheid an. Kögel, der langjährige Herausgeber der Monatszeitschrift “Deutschland – Schrift für neue Ordnung” und ehemalige erste Vorsitzende der “Vereinigung Gesamtdeutsche Politik” (VGP) wurde schon zum dritten mal wegen Volksverhetzung verurteilt.
Einer der Verteidiger Kögels darf in einer Schau der Revisionisten Nordrhein-Westfalens nicht fehlen. Gemeint ist der Düsseldorfer Anwalt Hajo Herrmann. Er veranlasste bei seinen Verteidigungen von Holocaustleugnern wiederum holocaustleugnende Gutachten wie jenes von Germar Rudolf, auf das bis heute andere Holocaustleugner ihre Argumentationen stützen. Inzwischen 91jährig ist das Mitglied der Kriegsverbrecher-Organisation “Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger” Herrmann noch immer wichtig in der Szene der Geschichtsrevisionisten in Nordrhein-Westfalen. Es schließt sich der Kreis der Geschichtsrevisionisten in NRW, wenn Hajo Herrmann für den Vlothoer “Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocausts Verfolgten” den Türöffner beim Solinger Bauunternehmer Kissel spielte, auf dass selbiger den ein oder anderen Euro in die Kassen der Holocaustleugner spüle.
Aus:LOTTA - antifaschistische Zeitung aus NRW, Nr. 20, Sommer 2005