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"Collegium Humanum"

Zentrum für Neonazis

Im ``Collegium Humanum'' in Vlotho wird eine Ideologie vermittelt, die den Neonazis auf der Straße zur Legitimation ihrer rassistischen Übergriffe dient.

Die Geschichte der ``Heimvolkshochschule'' reicht zurück bis in den Nationalsozialismus. Der mittlerweile verstorbene Gründer, Werner Georg Haverbeck war schon 1929 Mitglied der Reichsleitung der NSDAP-Studentenschaft. 1933 berief ihn der ``Hitlerstellvertreter'' Rudolf Hess zum Leiter der ``Reichsmittelstelle für Volkstumsarbeit'', einer Großorganisation des NS-Regimes, die u.a. an der Organisation der Nürnberger Parteitage maßgeblich beteiligt war. Nach 1945 wandte Haverbeck sich der anthroposophischen Glaubensrichtung zu. 1974 wurde er zum Präsidenten des extrem rechten ``Weltbund zum Schutz des Lebens'' gewählt, einer Organisation die eng mit dem 1963 gegründeten Collegium verknüpft ist. Dennoch galt er in den 70er Jahren aufgrund seines Engagements in Umweltfragen als Linker. Auch im Collegium fanden zahlreiche Seminare zu ökologischen, esoterischen und anthroposophischen Themen statt. Eine Fehleinschätzung, wie sich 1981 herausstellte, als Haverbeck zu den Erstunterzeichnern des rassistischen ``Heidelberger Manifest'' gehörte, in dem von mehreren extrem rechten Professoren eine ``Ausländer raus''-Politik gefordert wurde.1 Seitdem fanden im Collegium Humanum immer wieder Veranstaltungen der extremen Rechten statt. Dazu gehörten Versammlungen esoterischer Gruppen, der ``Gesellschaft für freie Publizistik'' oder 1984 ein Treffen des ``Komitee zur Vorbereitung der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag Adolf Hitlers''.

Verherrlichung des Nationalsozialismus

Zusammen mit dem ``Weltbund zum Schutz des Lebens'', der aus der Befassung mit Ökologie ein biologistisches Menschenbild und einen völkischen Rassismus ableitet, gab das Collegium die Zeitschrift ``Stimme des Gewissens'' heraus. In dem Blatt finden sich schamlose Verharmlosungen und Verherrlichungen des Nationalsozialismus. In der Ausgabe vom März/April 2000 heißt es etwa: ``das Rechtsystem und Rechtswesen des NS-Staates ist gegen das der BRD geradezu makellos (...) Wenn man die Rechtmäßigkeit des NS-Staates mit der Bundesregierung vergleicht, so trifft die Behauptung von einem Unrechtsstaat eher auf die Bundesregierung zu (...)''.2 Seit der ``Weltbund zum Schutze des Lebens'' im Jahr 2001 seine Auflösung bekannt gab, wird die ``Stimme des Gewissens'' nun vom Verein des ``Collegium Humanum'' fortgeführt. Eine inhaltliche Änderung ist aber kaum zu erwarten. Die Mitbegründerin und ehemalige Vorsitzende des Vereins bedauerte noch im November diesen Jahres, ``Wer im Dritten Reich zufrieden war, darf das ja heute nicht mehr sagen.''3

1994 übernahm der Duisburger Zahnmediziner Hans-Jürgen Klose vorübergehend die Leitung des Collegiums. Unter seiner Verantwortung fand u.a. ein Symposium zum Thema ``Geopolitik'' oder eine Veranstaltung mit dem Schweizer Auschwitzleugner Bernhard Schaub statt. Proteste von AntifaschistInnen und BügerInnen führten allerdings bald zum Rückzug Kloses aus Vlotho, und vorübergehend wurde es um die Tagungsstätte in der Öffentlichkeit etwas ruhiger. In den letzten Jahren hat die Einrichtung wieder an Bedeutung gewonnen und sich zu einem Anlaufpunkt für verschiedene Gruppen der extremen Rechten entwickelt, von der sogenannten ``Neuen Rechten'' bis hin zu den ``Freien Kameradschaften'' in Ostwestfalen. Als Vorsitzende des Vereins vertritt Ursula Haverbeck-Wetzel das Collegium.

``Reich Europa''

Zu den regelmäßigen Veranstaltern in Vlotho gehört die ``neurechts'' ausgerichtete ``Synergies Européennes'', ein europaweiter akademischer Zirkel. Ziel der Organisation ist nicht die Teilnahme an Wahlen, sondern die Beeinflussung des sogenannten vorpolitischen Raums und der Kultur. Neu daran ist lediglich die Projektion rassistischer Ausgrenzung und nationaler Überheblichkeit auf Europa. Im ethnozentrischen Größenwahn wird etwa die ``herausragende Stellung des europäischen Geistes'' beschworen und die neonazistische Vorstellung vom ``Reich'' als Ordnungskonzept auf ganz Europa übertragen. Die bundesdeutsche Sektion ``Synergon'' mit dem Dresdener Verlag ``Zeitenwende'', hielt mehrfach Tagungen im Collegium ab. Besonders die von ``Zeitenwende'' vertretene verquaste Ideologie einer völkischen Anthroposophie und eines arischen Christentums wurde von Georg Werner Haverbeck beeinflusst. Im Collegium Humanum organisierte ``Zeitenwende'' u.a. eine Jahreswendfeier 1999/2000 mit Feuerzeremonie und im April 2000 eine Tagung zum Thema ``Reich Europa'', an der auch Neonazis, wie der Bielefelder Meinhard Otto Elbing teilnahmen. Anfang Mai 2001 fand die Tagung ``Nonkonform - vergessene Geistesimpulse europäischer Tra-

dition im 20. Jahrhundert'' und vom 15. bis 19. August diesen Jahres die Sommerakademie der ``Synergies Européennes'' im Collegium statt. Das die Sommerakademie, eine immerhin europaweite Veranstaltung, nur von 35 Rechten besucht wurde, weist allerdings auf die schwindende Bedeutung der ``Synergon'' hin.4

Schulungen für Neonazis

Neben dieser Gruppierung, die das Collegium regelmäßig für Tagungen nutzt finden zahlreiche Einzelveranstaltungen statt. Dazu zählt etwa ein Seminar der ``Agnes-Miegel-Gesellschaft'', auf dem im Februar diesen Jahres der NS-Dichterin gehuldigt wurde5 oder eine Vortragsveranstaltung, die aus einer Kooperation des Collegiums mit der ``Deutschen Aufbau Organisation'' Alfred Mechtersheimers entstand. Referent war der Regierungsdirektor im Bundesverkehrsministerium, Josef Schüßlburner, der als einschlägiger Publizist und Redner derzeit in der extremen Rechten herumgereicht wird. Den Redner beschäftigte die Frage, wie das deutsche ``Volk wieder Herr im eigenen Haus werden kann.'' Im April 2001 hielten die ``Freien Kameradschaften'' Ostwestfalens im Collegium eine Schulung ab. Im Oktober nutzte dieses Spektrums das Haus erneut für ein Koordinierungstreffen.6 Darüber hinaus wird die Tagungsstätte für neonazistische Musikkonzerte genutzt. Im Oktober 2000 fand etwa aus Anlass des 20jährigen Bestehens der nationalrevolutionären Zeitschrift ``Wir selbst'' ein Tanz- und Musikfest statt, auf dem neben nationalistischen Liedermachern vor allem folkloristische Gruppen auftraten. Am 31. März 2001 konnten 150 Neonazis aus der Region im Collegium den Sängern der ostwestfälischen Naziband Sleipnir, sowie der schottischen ``Blood & Honour'' Band ``Nemesis'' lauschen

1) Von Karma bis Lebensschutz AStA, Antifa Referat der FH Sozialarbeit Bielefeld, o.D.

2) Verfassungsschutzbericht NRW für 2000/Stimme des Gewissens, Ausgabe März/April 2000

3) Stadtblatt 8.11.2001

4) Antifa West Bielefeld/AKE Vlotho. Flugblatt, Antifaschistlnnen gegen das Collegium Humanum,o.D (Oktober 2001)

5) Junge Welt 29.6.2001

6) Stadtblatt, 8.11.2001

7) Informationsdienst gegen Rechtsextremismus, Lexikon Stichwort: Gary Allen

8) Handbuch Deutscher Rechtsextremismus. Berlin, 1996

(Artikel aus: Stop Lifestyle of Hate, die extreme Rechte in OWL, Bielefeld, Januar 2002)