Guten Morgen Zivilgesellschaft, Hallo Polizei: Drittes Hitlerseminar im Collegium Humanum
Guten Morgen Zivilgesellschaft, Hallo Polizei: Drittes Hitlerseminar im Collegium Humanum
Das Collegium Humanum rührt derzeit die Werbetrommel für die dritte öffentliche Veranstaltung zur Verherrlichung Adolf Hitlers und der nationalsozialistischen Barbarei. Das Seminar soll vom 3. bis zum 5. Februar in Vlotho stattfinden. Eigentlich handelt es sich um den Straftatbestand der Volksverhetzung, doch zuständige Behörden und Polizei werden wohl wie bei den vorangegangenen Hitler-Veranstaltungen ihre schützende Hand über das Collegium halten. Dabei gibt man sich dort keinerlei Mühe die Absichten zu verschleiern. "Im Nationalsozialismus entwickelte Hitler eine echte Alternative zu Demokratie und Diktatur", heißt es in der Einladung, "es handelt sich um den einzigen menschen- und naturgemäßen Weg zur Gestaltung eines Volksstaates." Selbst Neonazis aus Kameradschaften oder NPD trauen sich nur selten ihre Ansichten derart offen zu formulieren.
"Ein deutscher Führer" und "der jüdische Drache"
Bereits im Oktober 2005 wandte sich das Vlothoer Bündnis gegen das Collegium Humanum brieflich an das thüringische Innenministerium mit der Bitte, gegen eine Veranstaltung des Collegium vorzugehen, ohne je eine Antwort erhalten zu haben. Das Vlothoer Zentrum der Holocaustleugner hatte in einer Mosbacher Gaststätte ein zweitägiges Seminas angekündigt, an dem rund 60 Personen teilnahmen. "Lernziel" war, "den üblichen Distanzierungsreflex zu besiegen, der auch in nationalen Kreisen üblich ist, wenn man auf Adolf Hitler zu sprechen kommt." Der Seminarplan sah folgende Themen vor: "Hitler als Wille Gottes", "Anhören einer Hitlerrede" und "Hitler als Person". Zudem wurde nach dem Bericht eines Teilnehmers der antisemitische NS-Propagandafilm "Jud Süß" gezeigt, dessen Aufführung verboten, bzw. an strenge Auflagen gebunden ist. Die ReferentInnen waren mit Horst Mahler, Ursula Haverbeck und Bernhard Schaub allesamt bekannte Holocaustleugner. Wenig später veröffentliche Ursula Haverbeck in der "Stimme des Gewissens" einen Artikel über "Adolf Hitler als Mensch". Dieser sei "eben nicht vom geglaubten Holocaust oder seiner angeblichen Kriegsbesessenheit zu verstehen", so ihr Resumee, "sondern nur von einem göttlichen Auftrag im weltgeschichtlichen Rahmen". Der Text zitiert sehr ausführlich überwiegend nationalsozialistische Quellen mit teils antisemitischem und volksverhetzenden Charakter. Etwa Georg Schott, der schon 1923 die "niederschmetternde Wirkung" erkannt habe, die Hitler "auf den Gegenpol zu dieser Welt der Reinheit und Wahrheit ausübt: den Juden. Der jüdische Drache kann den eigenen Anblick nicht ertragen, wenn ein deutscher Führer, wie Adolf Hitler, ihm sein Bild im reinen Spiegel einer deutschen Seele vor Augen hält".
"Volksgemeinschaft und Führerprinzip"
Im Januar 2006 schrieb das Vlothoer Bündnis erneut einen Brief. Diesmal an die Landrätin des Kreises Herford, Lieselore Curländer. Unter dem Titel "Die Grundelemente der deutschen Weltanschauung unter Berücksichtigung von Hitler Mein Kampf" warb das Collegium für eine Fortsetzung des Mosbacher Seminars. Diesmal fand die Veranstaltung vom 20. bis 22. Januar in Vlotho statt. Horst Mahler, Ursula Haverbeck und Dr. Hans Meiser sollten zu folgenden Themen referieren: "Die 14 Punkte bei Adolf Hitler in Mein Kampf", "Volksgemeinschaft und Führerprinzip", "Die ungeheure Wirkung des Holocaust, der so wie dargestellt, nicht stattfand. Das völlige Vergessen des Nürnberger Tribunals, das in allen Einzelheiten stattfand." Die Landrätin hat die Möglichkeit derartige Versammlungen zu unterbinden, wenn "Tatsachen festgestellt sind, aus denen sich ergibt, daß der Veranstalter oder sein Anhang Ansichten vertreten oder Äußerungen dulden werden, die ein Verbrechen oder ein von Amts wegen zu verfolgendes Vergehen zum Gegenstand haben." So sieht es der § 5 des Versammlungsgesetzes vor. Das ist bei der vorliegenden Veranstaltung ganz klar der Fall, zumal die ReferentInnen Horst Mahler und Ursula Haverbeck derzeit kaum eine Gelegenheit auslassen, den Holocaust zu leugnen oder den Nationalsozialismus zu verherrlichen. Aber ebenso wie diese Volksverhetzungen überwiegend straffrei bleiben, entschied sich die Landrätin keine Maßnahmen gegen dieses zweite Hitlerseminar zu ergreifen. Die Begründung der Herforder Polizei, bei der Veranstaltung handele es sich nicht um eine öffentliche Versammlung, sondern ein internes Treffen, entspricht nicht der geltenden Rechtslage und kann nur als müde Ausrede gewertet werden. Schließlich war der Behörde bekannt, dass sowohl in der "Stimme des Gewissens" als auch im Internet öffentlich um TeilnehmerInnen geworben wurde. Am 20. Januar stand die Polizei dann einmal mehr mit dem Rücken zum Collegium, als bei strömendem Regen rund 25 Vlothoer gegen die ständige NS-Verherrlichung protestierten.
Der Nationalsozialismus als "echte Alternative"
Nun soll am 3. bis 5. Februar also das dritte Hitlerseminar unter dem Titel " Die Idee des völkischen Staates in der deutschen Philosophie und Praxis" stattfinden. Wieder werden neben Prof. Dr. Lothar Udert die zwei bekannten Holocaustleugner Horst Mahler und Bernhard Schaub auftreten. Der Nationalsozialismus als "einziger menschen- und naturgemäße Weg zur Gestaltung eines Volksstaates" ist das Thema. Wieder wird in der "Stimme des Gewissens" und im Internet für die Veranstaltung geworben. Überhaupt legt man im Collegium Humanum großen Wert auf Öffentlichkeit. Eine DVD über eine Versammlung der Holocaustleugner vor etwa einem Jahr gibt einen kleinen Eindruck, was auf derartigen Veranstaltungen vor sich geht. Unter dem Beifall des Publikums hetzte dort Horst Mahler gegen das "Würgeeisen der Holocaustreligion", bezeichnete Rita Süssmuth als "die Spinne im Netz der deutsch-jüdischen Organisationen zur Durchsetzung jüdischer Interessen auf deutschem Boden", und rechtfertigte die Judenverfolgungen, in dem er an die Juden gerichtet in den Saal rief: "Ihr seid verfolgt worden, weil ihr die Völker gemordet habt, weil ihr Völkermörder seid und euch geschieht kein Unrecht, so wenig wie dem Mörder, dem ein Gemeinwesen qua Gesetz den Kopf vor die Füße legt."
Die demokratische Zivilgesellschaft ist gefragt
Würden die Straftaten des Collegiums konsequent verfolgt, könnten die Holocaustleugner mit ihren personellen und finanziellen Resourcen schnell am Ende sein. Es handelt sich bei der Verbreitung von Holocaustleugnung und NS-Verherrlichung nämlich nicht um einzelne Aussagen, sondern um eine erklärte Strategie. Durch massenhafte Verbreitung dieser Volksverhetzungen soll eine strafrechtliche Verfolgung unmöglich werden. Mahler erklärte diese Strategie im Herbst 2005 folgendermaßen: "Wenn, sagen wir mal 10.000 Deutsche in dieser Weise mutig nach vorn gehen, und laut und organisiert aussprechen, daß der Holocust so wie es behauptet wird nicht stattgefunden hat (...) Dann bricht diese Herrschaft zusammen." Von diesem Ziel mögen die Holocaustleugner im Collegium noch weit entfernt sein, aber die Tatenlosigkeit der Behörden in Ostwestfalen oder Thüringen leistet ihrem Vorhaben derzeit Vorschub.
So locker wie die Hitlerseminare des Collegiums hingenommen werden, muss vielleicht einmal daran erinnert werden, dass es sich bei der Leugnung des Holocaust und der Verherrlichung des Nationalsozialismus nicht um irre oder wirre Meinungsäußerungen handelt. Die Infragestellung der Existenz von Vernichtungslagern und Gaskammern ist auch darum geächtet, weil sie eine unerträgliche Verhöhnung von Todesopfern und Überlebenden der Konzentrationslager ist. Wenn die zuständigen Behörden das hinnehmen, ist die Zivilgesellschaft gefragt einzugreifen.
Das Collegium Humanum muss geschlossen werden.
(Antifa West Januar 2006)