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Collegium Humanum – "NS-Nostalgiker unter den Anthroposophen"

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Die Anthroposophie ist für ihre Waldorfschulen oder die bio-dynamische Landwirtschaft bekannt. Weniger geläufig sind rassistische und völkische Passagen im Werk ihres Begründers Rudolf Steiner, auf die sich auch Werner Georg Haverbeck und das Collegium Humanum berufen.

Seit Anfang der 90er Jahre steht Steiner aufgrund seiner okkult begründeten Rassismen in der Kritik. Seitdem setzen sich auch Teile der Anthroposophen kritisch mit ihm auseinander. Eine Kommission der niederländischen Anthroposophischen Vereinigung fand etwa 75 diskriminierende Passagen in Steiners Werk, von denen zwölf nach heutigem niederländischen Recht strafrechtlich relevant wären. Schwarzen rechnet Steiner etwa "niedrige sexuelle Triebe" zu, Japaner könnten "nicht selbstständig denken" und Indianer seien "unbrauchbare Menschen". Während in anthroposophischen Kreisen eher von "einzelnen Aussagen" in einem umfangreichen Werk die Rede ist, werfen andere Autoren die Frage auf, inwieweit die Rassismen Steiners programmatisch für die Anthroposophie seien.1

Auf derartige Stellen im Werk des Begründers der Anthroposophie beziehen sich auch extreme Rechte und Neonazis. Auf der Website der anthroposophischen Monatszeitschrift "info 3" wird Werner Gerog Haverbeck als "der populärste solcher NS-Nostalgiker unter den Anthroposophen" bezeichnet, die versuchten, den Nationalsozialismus unter Berufung auf anthroposophisches Gedankengut zu verharmlosen.2 Mit seinem Buch "Rudolf Steiner – Anwalt für Deutschland" hebt Haverbeck historische und völkische Teile aus Steiners Werk hervor. Angefangen mit Steiners Ablehnung der deutschen Kriegsschuld im Ersten Weltkrieg schlägt der Verfasser den Bogen bis in die Gegenwart und verfolgt das Anliegen, auch die deutsche Kriegsschuld am Zweiten Weltkrieg und den Holocaust zu negieren. Thema ist insbesondere die "Umerziehung" und ein "seelisch-geistiger Genocid", der durch den "Tod des Volkstums" herbeigeführt werde.3 Obwohl es um nichts geringeres als um "Leben und Tod des Volkstums" geht, bietet das Buch keine brauchbare Definition für die mystische Begrifflichkeit. Mal als "geistige Wesenheit", mal als das "übersinnliche Selbst" bezeichnet, muss letztlich wieder das rassistische Blutsdenken herhalten. Der Mensch gehöre "einem gewissen Volkstum an durch sein Blut", habe Steiner gesagt.4

Während Gegner der Anthroposophie die umfangreiche Zitatensammlung Haverbecks für die rassistischen und extrem rechten Tendenzen in der Weltanschauung anführen, sehen andere Steiner missverstanden und verweisen auf den linksliberalen und konservativen Flügel der modernen Anthroposophie.5 Haverbeck ist allerdings keine Einzelerscheinung in der Anthroposophischen Gemeinschaft. Zum Publikum des Collegium Humanum gehören zahlreiche Anhänger Steiners. Ein Beispiel ist der suspendierte Waldorflehrer Bernhard Schaub. Der Schweizer ist regelmäßiger Referent im Collegium und Vorsitzender des "Vereins zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens  des Holocaust Verfolgten" (VRBHV). In seinem Buch "Adler und Rose" äußert er die Auffassung, "der Zweite Weltkrieg sei ein Präventivkrieg Hitlers gewesen und Massenvernichtung an Juden habe es nicht gegeben", so ein kritischer Beitrag in "info3". Jens Heisterkamp resümiert dort, die anthroposophische Szene würde von Menschen gebildet, die wie alle anderen auch "unter den Vorzeichen des Geistes und häufiger auch des Ungeistes ihrer Zeit stehen. Die neue deutsche Rechte marschiert (...) und wieder laufen einige Anthroposophen mit."6

1) Vgl. Speit, Andreas, Reflexion und Kontext, in: Schicksal und Herrschaft, Hamburg, 1997

2) Jens Heisterkamp, Gegen NS-Nostalgiker in den anthroposophi   schen Reihen, info3, 2005

3) Vgl. Haverbeck, Werner G., Rudolf Steiner – Anwalt für Deutschland, München, 1989, S. 261 ff.

4) Ebd. S. 270 f

5) Vgl. etw. Schweidlenka, Roman, Weltkämpfe, in: Info3, 2004

6) Heisterkamp, Jens, »Adler und Rose« oder Krallen und Gestrüpp, in Info3, 2005

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