Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Antifa-West

Antifaschistische Informationen für Bielefeld und OWL

Sie sind hier: Startseite Naziszene OWL Collegium Humanum Auf dem Weg in der Osten

Collegium Humanum – Auf dem Weg in der Osten

Artikelaktionen

Eine Gedenkstätte für "Deutschen Opfer" plant ein weiterer Verein des Collegium Humanum. Im sächsichen Borna könnte so ein neues Neonazizentrum entstehen.

Der Verein "Gedächtnisstätte"

Die Pläne des neuen Eigentümers einer alten Bergbauimmobilie im sächsischen Borna hörten sich gut an.Eine Begegnungsstätte für Rußlanddeutsche, Räume für die Musikschule und den Kreisjugendring könnten dort entstehen, erklärte der aus Meerbusch stammende Architekt Ludwig Limmer dem städtischen Bauausschuss. Auch das zwölf Meter hohe Eisenkreuz, das er bei der Firma des Bürgermeisters in Auftrag gab, machte niemanden stutzig. Anfang Dezember 2005 machte das Vorhaben dann Schlagzeilen.

Der freundliche Herr Limmer entpuppte sich als Mitglied des Vlothoer "Vereins Gedächtnisstätte für die Opfer des Zweiten Weltkrieges durch Bomben, Verschleppung, Vertreibung und in Gefangenenlagern". Der im Collegium Humanum beheimatete Verein wurde 1992 u. a. von Ursula Haverbeck gegründet. Über lange Jahre war die Holocaustleugnerin Vorsitzende. Auch ihr Stellvertreter, Prof. Dr. Theodor Schmidt-Kalers, ist in extrem rechten Kreisen bekannt. Der Autor des extrem rechten Grabert-Verlages war u. a. für die Veröffentlichung des rassistischen "Hei
delberger Manifestes" mitverantwortlich. 2003 gab Haverbeck den Vorsitz an Wolfram Schiedewitz ab.

Seit Jahren sucht der Verein ein passendes Gelände, um ein Denkmal für die "deutschen Opfer des Zweiten Weltkrieges" zu errichten. In Thüringen verhandelte der Nazi-Anwalt Hajo Hermann im Auftrag des Vereins um ein Grundstück am Kyffhäuser. Doch die Behörden waren misstrauisch. Die Recherchen ergaben, dass Hermann einst ein enger vertrauter Hermann Görings war. Später verteidigte er Holocaustleugner vor Gericht und sprach auf NPD-Veranstaltungen. Im März 2004 bedauerte die extrem rechte Zeitschrift "Nation & Europa", dass die Errichtung der "Gedenkstätte" in Thüringen gescheitert sei.1 Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass es den InitiatorInnen mit dem Denkmal nicht um eine "Mahnung an die Menschen" geht, "Frieden zu bewahren", wie Limmer die Gedächtnisstätte in Borna vorstellte.2 Vielmehr ist die Intention eine einseitige Darstellung der Deutschen als Opfer alliierter Politik und Kriegsführung, während zugleich die Verbrechen der Nationalsozialisten geleugnet werden. Auch Limmer unterhält engen Kontakte zur Holocaustleugnerzsene und sah sich bereits mit einem Ermittlungsverfahren wegen des Besitzes einschlägiger Schriften konfrontiert. In seinem Haus in rheinländischen Meerbusch richtet er private Gesprächskreise aus, bei denen etwa Vertreter der extrem rechten "Jungen Landsmannschaft Ostpreußen" referierten. Die Organisation war jahrelang für Neonazi-Aufmärsche in Dresden mitverantwortlich, die die Zerstörung der Stadt im Februar 1945 thematisierten.3

Im südlich von Leipzig gelegenen Borna scheinen die Pläne des Vereins nun relativ weit fortgeschritten. Für 99.000 Euro ersteigerte Limmer das 10.500 Quadratmeter große Gelände. Eingeschlossen ist ein Verwaltungsgebäude mit Büros, Gästezimmern und einem Saal, der für Veranstaltungen und Konzerte geeignet ist. Für die "Gedächtnisstätte" wurde bereits ein Park im Stil eines germanischen Thing-Platzes angelegt. In Borna wird die Errichtung eines Nazi-Zentrums und möglicherweise sogar ein neuer Wallfahrtsort für die Szene befürchtet. Limmer soll über 250.000 Euro Spendengelder verfügen, die er angeblich von "Auslandsdeutschen" aus Südamerika und Kanada erhalten haben will. Experten vermuten allerdings, dass der finanzstarke Solinger Günter Kissel hinter dem Projekt steht. Seit vielen Jahren ist der Bauunterhenmer in der extrem rechten Szene aktiv. Er pflegte Kontakte zu Altnazis wie Helmut Sündermann, einst Hitlers stellvertretender Reichspressechef, schrieb Beiträge für einschlägige Blätter und organisierte Veranstaltungen etwa mit dem britischen Holocaustleugner David Irving auf dem Gelände seiner Firma Kissel-Rapid. Auch für einen anderen Holocaustleugner, Thies Christophersen den Verfasser der "Auschwitz-Lüge", fordert Kissel Straffreiheit. Dem Verein "Gedächtnisstätte" ist der Bauunternehmer zumindest eng verbunden. Schon 1994 stellte er dem Verein Räumlichkeiten für eine Veranstaltung zur Verfügung.4 2003 fand in Kissels Haus nach Angaben der antifaschistischen Zeitschrift "Lotta" ein Treffen der Aktivisten des Vereins statt. Eingeladen waren demnach Ursula Haverbeck, das Ehepaar Limmer, Hajo Herrmann, sowie die Holocaustleugner Udo Walendy und Horst Mahler.5

1) Vgl. Leipziger Volkszeitung vom 15.12.2005

2) Vgl. Leipziger Volkszeitung vom 7.12.2005

3) Vgl. Neues Deutschland vom 9.12.2005 und vom 12.12.2005

4) Vgl. Hundseder, Franziska, Rechte machen Kasse, München, 1995, S. 177ff.

5) Alt, Gerd, Aufstand der Wahnsinnigen, in Lotta, antifaschistische Zeitung aus NRW, Nr. 15, Winter 2004

Navigation