Collegium Humanum – Hitlerseminare: "Volksgemeinschaft und Führerprinzip"
Das Anliegen der mit 60 Personen gut besuchten Wochenendveranstaltung im Oktober 2005 war offen formuliert: "Lernziel" sei "den üblichen Distanzierungsreflex zu besiegen, der auch in nationalen Kreisen üblich ist, wenn man auf Adolf Hitler zu sprechen kommt." Das Collegium Humanum hatte ins thüringische Mosbach eingeladen, um vor allem junge Menschen aus "Mitteldeutschland" anzusprechen. "Hitler als Wille Gottes", "Anhören einer Hitlerrede" und "Hitler als Person" lauteten die Seminarthemen und zum Programm gehörte auch der antisemitische NS-Film "Jud Süß", dessen Aufführung verboten, bzw. an strenge Auflagen gebunden ist. Offensichtlich sollen letzte Tabus der deutschen Nachkriegsgesellschaft gebrochen werden. Die ReferentInnen waren mit Horst Mahler, Ursula Haverbeck und Bernhard Schaub allesamt bekannte Holocaustleugner. Welche Weltanschauung den jungen Leuten vermittelt wurde, lässt sich einem wenig später veröffentlichten Artikel von Ursula Haverbeck in der "Stimme des Gewissens" entnehmen. Unter dem Titel "Adolf Hitler als Mensch" kommt Haverbeck zu dem Schluss, Hitler sei "eben nicht vom geglaubten Holocaust oder seiner angeblichen Kriegsbesessenheit zu verstehen, sondern nur von einem göttlichen Auftrag im weltgeschichtlichen Rahmen".
Obwohl das Vlothoer Bündnis gegen das Collegium Humanum die Behörden frühzeitig über die Veranstaltungen informierte, ging die Polizei nicht gegen die NS-Verherrlichungen vor. Der störungsfreie Verlauf des Hitlerseminars ermutigte das Collegium schon bald, für eine Fortsetzung der Mosbacher Veranstaltung zu werben. Sie fand im Januar 2006 unter dem Titel "Die Grundelemente der deutschen Weltanschauung unter Berücksichtigung von Hitler Mein Kampf" in Vlotho statt. Horst Mahler, Ursula Haverbeck und Dr. Hans Meiser sollten zu folgenden Themen referieren: "Die 14 Punkte bei Adolf Hitler in Mein Kampf", "Volksgemeinschaft und Führerprinzip", "Die ungeheure Wirkung des Holocaust, der so wie dargestellt, nicht stattfand. Das völlige Vergessen des Nürnberger Tribunals, das in allen Einzelheiten stattfand." Wieder wandte sich das Bündnis gegen das Collegium Humanum an die Kreispolizeibehörde und forderte, die NS-Verherrlichung zu unterbinden. Obwohl in der "Stimme des Gewissens" und im Internet öffentlich zu dem Seminar mobilisiert worden war, erklärte man dort die Veranstaltung jedoch zu einer nichtöffentlichen Versammlung, gegen die vorzugehen unmöglich sei.
Das Collegium Humanum rührte sofort die Werbetrommel für eine dritte öffentliche Veranstaltung zur Verherrlichung Adolf Hitlers und der nationalsozialistischen Barbarei. "Im Nationalsozialismus entwickelte Hitler eine echte Alternative zu Demokratie und Diktatur", heißt es in der Einladung, "es handelt sich um den einzigen menschen- und naturgemäßen Weg zur Gestaltung eines Volksstaates." Unter dem Titel "Die Idee des völkischen Staates in der deutschen Philosophie und Praxis" traten neben Prof. Dr. Lothar Udert wieder die zwei bekannten Holocaustleugner Horst Mahler und Bernhard Schaub auf. Auch bei dem Seminar im Februar 2006 handelt es sich um den Straftatbestand der Volksverhetzung, gegen den die zuständigen Behörden und Polizei hätten vorgehen können.