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Collegium Humanum – Horst Mahler

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Für antisemitische Weltverschwörungstheorien und die Rechtfertigung des Holocaust existiert im Collegium Humanum ein rechtsfreier Raum.

Von "Blutsjuden" und "Gesinnungsjuden"

In den letzten Jahren ist Horst Mahler einer der ständigen Referenten im Collegium Humanum. Der Berliner Rechtsanwalt, dem mittlerweile die Anwaltszulassung entzogen wurde, vertrat die NPD im Verbotsverfahren und war auch selbst Mitglied der Partei. Regelmäßig lädt er zu Wochenendseminaren nach Vlotho ein. Themen sind etwa "Ansätze im national-sozialistischen Wirtschaftssystem für eine zukünftige Volkswirtschaft", "Vom Reichsgedanken zur Reichsordnung" oder "Das Deutsche Reich als das Reich der Freiheit oder die Zukunft der Demokratie ist ihr Untergang". Ohne Beispiel sind bislang die antisemitischen Hetzreden Horst Mahlers, die auch Gegenstand mehrerer Verfahren sind.

In einer für einen internationalen Revisionistenkongress vorbereiteten Rede unter dem Titel "Endlösung der Judenfrage. Gotterkenntnis statt Judenhass", plädierte er für einen "geistigen Zweifrontenkrieg": "Um den Judaismus endlich zu begraben, erhebt sich wie Phönix aus der Asche der Geist der Germanen..."1 In Verkehrung von Opfern und Tätern schrieb er in der Erklärung "Die Partei in der Verantwortung für das Deutsche Reich" u. a., die 50 Millionen Kriegstoten des Zweiten Weltkrieges seien "allein den New Yorker Bankjuden anzulasten".

Zusammen mit Reinhold Oberlercher zählt Mahler zu den Köpfen des "Deutschen Kollegs", einem Zirkel, der durch neonazistische und rassistische Hetze hervorgetreten ist. In der Schrift "Zur heilsgeschichtlichen Lage des Deutschen Reiches" wird etwa bedauert, das "das Wort 'Rasse' zum Unbegriff erklärt" worden sei, "damit es als bedeutungslos erscheine, dass hier Neger und Schlitzaugen in die Wohnsitze der Weißen einsickern ...". Ein "Aufstandsplan für das Deutsche Volk" mit Gesetzentwürfen für das "Vierte Deutsche Reich" enthält ein "Strafergänzungsgesetz", in dem es heißt: "Juden und ihre Kulte sind im Deutschen Reich verboten." Dies gelte sowohl für "Blutsjuden" als auch für "Gesinnungsjuden".2 Für einige Aussagen muss Mahler sich zurzeit in Berlin vor Gericht verantworten. Die Verhandlungen nutzt er für immer gehässigere Einlassungen. Der Informationsdienst gegen Rechtsextremismus berichtete am 12. Februar 2004 über den in Berlin stattfindenden aktuellen Prozess gegen Mahler: "Am zweiten Tag des Prozesses (...) hat Mahler am gestrigen Mittwoch seine bisherigen Einlassungen noch übertrumpft, in denen er bereits den Judenmord geleugnet und den Hass auf Juden als 'völlig normal' und ein 'Zeichen geistiger Gesundheit' genannt hatte. In seinem Vortrag begrüßte er nun den Judenmord, der zwar nicht stattgefunden habe, aber für den gegebenenfalls dem 'Deutschen Reich' eine 'angemessene Vergütung' zustehe. (...) Weiter habe Mahler erklärt: 'Die Völker der Welt könnten sich keine andere Lösung der 'Judenfrage' vorstellen als die physische Vernichtung der Angehörigen des jüdischen Volkes'."

Das Collegium stellt offensichtlich einen rechtsfreien Raum für derartige Hetztiraden dar. Die Veranstaltungen, zu denen in der Regel öffentlich eingeladen wird, finden häufig unter dem Schutz der Polizei statt. Die kühle Demagogie, mit der Mahler dort antisemitische Weltverschwörungstheorien und Judenhass verbreitet, sind für die Jahresversammlung des VRBHV im November 2004 auf einer DVD festgehalten, die von dem Verein vertrieben wird. Dort bezeichnete Mahler Rita Süssmuth als "die Spinne im Netz der deutsch-jüdischen Organisationen zur Durchsetzung jüdischer Interesse auf deutschem Boden", und rechtfertigte die Judenverfolgungen, indem er an die Juden gerichtet in den Saal rief: "Ihr seid verfolgt worden, weil ihr die Völker gemordet habt, weil ihr Völkermörder seid und euch geschieht kein Unrecht, so wenig wie dem Mörder, dem ein Gemeinwesen qua Gesetz den Kopf vor die Füße legt."3 30 bis 40 ZuhörerInnen, überwiegend Mitglieder des VRBHV, bedachten diese Rede mit Beifall. Auch hier wird deutlich, dass es dem Verein gar nicht um eine möglicherweise sachliche Auseinandersetzung mit geschichtlichen Tatsachen geht, sondern um eine Rechtfertigung von Holocaust und NS-Vernichtungspolitik.

1) Zitate aus Informationsdienst gegen Rechtsextremismus, Lexikon, Horst Mahler, auf »www.idgr.de« 11.4.2003

2) Zitate aus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen für das Jahr 2002, S. 123 f.

3) DVD der Jahresversammlung des VRBHV, 2004

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