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Collegium Humanum – Schulungen für Naziskins und alte Kameraden

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Das Collegium Humanum wird bundesweit von NPD-Anhängern, militanten Neonazis, Auschwitzleugnern oder Nationalrevolutionären genutzt. Es ist eine Schnittstelle der extremen Rechten. Dennoch entspricht das Publikum nicht immer den gängigen Klischees vom Naziskinhead.


Zum Balladenabend im März 2001 waren 150 BesucherInnen ins Collegium Humanum gekommen, um die Rechtsrockmusiker »Sleipnir« aus Gütersloh und "Nemesis" aus Schottland zu hören. Etliche zeigten Hitlergrüße und Leiter der Veranstaltung war ein Angehöriger der kurz zuvor in der Bundesrepublik verbotenen »Blood & Honour« Bewegung. In Videos der Organisation war zu Gewalt und Mord aufgerufen, bei Aktivisten Waffen und Sprengstoff gefunden worden. Eine derartige Veranstaltung in dem Haus wäre in früheren Jahren kaum denkbar gewesen. Das Collegium hatte damals den Anspruch, mit Bildungsarbeit und Politik auch Kreise zu erreichen, die nicht zum extrem rechten Spektrum gehörten. Das erforderte einen sparsamen Umgang mit direkten Bezügen zum Nationalsozialismus. Wenngleich auch damals ein völkischer Grundgedanke hinter den Veranstaltungen des Collegium Humanum stand, waren nicht alle Seminare extrem rechts oder auf den ersten Blick als solche zu erkennen. Seminare zu ökologischen und spirituellen Themen, Trachtenschneidern oder homöopathischen Heilme thoden standen neben völkischen Veranstaltungen zum "Lebensschutz" oder zum "Deutschen Osten". Einen weiteren Schwerpunkt bildete die extrem rechte Interpretation der Anthroposophie.

Liedgut für die NPD

In den 90er Jahre wurde diese Zurückhaltung gänzlich aufgegeben. Heute wird das Collegium bundesweit von extremen Rechten und Neonazis als Veranstaltungort genutzt. Im Juni 2002 fand zum Beispiel die Sommerakademie der "Deutschen Akademie" dort statt. Die Organisation wurde von der NPD und ihrer Studentenorganisation "Nationaldemokratischer Hochschulbund" initiiert und versteht sich als überparteiliche Plattform zur politischen und theoretischen Schulung der Neonaziszene. 90 BesucherInnen aus der ganzen Bundesrepublik waren auch im Oktober 2003 zu einem Tanz- und Musikfest nach Vlotho gekommen. Unter dem Titel "Liedglut" hatte die nationalrevolutionäre Zeitschrift "Wir selbst" zu der Veranstaltung eingeladen. Als Koordinatoren traten zwei ostwestfälische Kameraden aus Bad Oeynhausen und Detmold auf. Durch das eher folkoristische Programm führte der LiedermacherFriedrich Baunack von der extrem rechten "Deutschlandbewegung", in der auch Ursula Haverbeck aktiv ist. Die Organisation tritt für eine Sammlungsbewegung der extremen Rechten sowie eine gemeinsame Partei ein und hat mehrfach Veranstaltungen im Collegium durchgeführt.

Ausbildung von »Unterführern«

Für die ostwestfälische Neonazisszene ist das Collegium ein wichtiger Bestandteil ihrer Infrastruktur. Während in Gaststätten immer die Gefahr besteht, dass öffentliche Proteste zur Kündigung der Räumlichkeiten führen können, bietet das Collegium einen sicheren Ort für Veranstaltungen,  Schulungen oder Konzerte. So nutzen etwa die neonazistischen »Freien Kameradschaften« aus Ostwestfalen das Haus. In der Broschüre "Stop Lifestyle of Hate" wird über ein Seminar im April 2001 berichtet, mit dem die Bielefelder Kameradschaft unter Bernd Stehmann die Ausbildung von »Unterführern« bezweckte. Es gehörte zu einer fünfteiligen Reihe, bei denen die künftigen "Führungskräfte" in weltanschaulichen und praktischen Fragen geschult werden sollten, um dann eine Prüfung abzulegen und mit einem paramilitärischen Orientierungsmarsch abzuschließen.1

Zu einem regionalen Kameradschaftstreffen lud im September 2005 Meinolf Schönborn ein. "Nicht reden, Handeln" war das Motto des Nachmittags, mit dem der Neonazi vor allem jüngere Menschen erreichen wollte. Schönborn war in den 80er/90er Jahren Anführer der verbotenen "Nationalistischen Front" und betreibt jetzt in Herzebrock-Clarholz einen Versand für neonazistischen Propaganda und Devotionalien.

Verherrlichung des Nationalsozialismus für die ältere und jüngere Generation

Weder Glatzen noch Springerstiefel trägt das Publikum auf anderen Veranstaltungen des Collegiums. Besonders die TeilnehmerInnen der eigenen Seminare des Hauses setzen sich oft aus Angehörigen akademischer Berufe zusammen. Seit 2003 ist vor allem der Holocaustleugner Horst Mahler als ständiger Referent im Collegium zu Gast. Von ihm oder Referenten aus dem Kreis des VRBHV werden die meisten Seminare bestritten. Obwohl Holocaustleugnungen und schamlose Verherrlichung des Nationalsozialismus die politischen Aussagen des Collegiums prägen, kommen die "Freunde und Förderer" aus wohlhabenden Kreisen und stammen häufig aus dem Spektrum extrem rechter Ökologen und Anthroposophen. Es ist eine Besonderheit des Collegiums, dass es die alte und neue Generation, Naziskinheads und bürgerlich scheinende extreme Rechte zusammenführt. Rund 60 VertreterInnen der gesamten extrem rechten Szene Ostwestfalens fanden sich etwa zu einer Veranstaltung der "Gesellschaft für freie Publizistik" im April 2003 im Collegium ein. Die Gesellschaft ist ein Zusammenschluss extrem rechter Publizisten, die 1960 vom ehemaligen Reichspressechef der NSDAP Helmut Sündermann sowie ehemaligen SS-Offizieren und NSDAP-Funktionären gegründet wurde.

Zu den Alt- und Neonazis aus der Region, die zu einem Vortrag Mahlers erschienen waren, gehörten der Mindener NPD-Chef Manfred Gutsche sowie weitere NPD-Aktivisten aus der Region, Gerd Ulrich aus Berlebeck, ehemaliger Gauleiter der Wiking-Jugend, und Bernd Stehmann, der mit einem halben dutzend Kameraden der Bielefelder Kameradschaft in Marschformation auflief. Eingeladen hatte Sigrid Schenk aus Minden, die seit Jahren für die Veranstaltungen der ostwestfälischen Sektion der "Gesellschaft für freie Publizistik" verantwortlich ist. Diese Veranstaltungen, von denen in den 90er Jahren mehrere von AntifaschistInnen verhindert werden konnten, bilden eine Schnittstelle der Neonaziszene, auf denen die alte und jüngere Generation zusammengebracht werden. 

Aufmärsche von Neonazis

Ursula Haverbeck repräsentiert mit ihrem Wirken diese Funktion. Dazu gehört nicht nur ihr Engagement als Ansprechpartnerin der Frauengruppe in der "Deutschlandbewegung", die den Anspruch hat, die extreme Rechte zu vereinigen. Zusammen mit Horst Mahler tritt sie bundesweit bei Veranstaltungen und Aktionen auf. Burschenschaftshäuser gehören ebenso dazu wie Neonaziaufmärsche. Beide waren etwa im August 2004 RednerInnen beim sogenannten "Rudolf-Hess-Marsch" in Wunsiedel, einem der größten neonazistischen Aufmärsche, die jährlich zur Verherrlichung des ehemaligen Hitlerstellvertreters stattfinden. Unter dem Titel "Ehre,Treue, Wahrhaftigkeit" zeichnete Ursula Haverbeck dort das Bild vom "Friedenspolitiker" Hitler.

1) Vgl. Stop Lifestyle of Hate, Die extreme Rechte in OWL, Bielefeld 2002, S. 14

 

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