Collegium Humanum – Internationaler Verein für Auschwitzleugner
Mit dem "Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocausts Verfolgten" wurde im Collegium Humanum eine internationale Sammlungsbewegung der Holocaustleugner gegründet. Die Aktivitäten tragen zu Wiederbelebung der Szene bei.
Am 9. November 1939 brannten in ganz Deutschland die Synagogen, SA-Banden verwüsteten jüdische Geschäfte, mißhandelten und ermordeten Juden und lieferten Tausende in Konzentrationslager ein. Am 9. November 2003, als andernorts des 64. Jahrestages der "Reichspogromnacht" gedacht wurde, trafen sich im Collegium Humanum 64 Personen, um eine internationale Sammlungsbewegung von Holocaustleugnern zu gründen, den "Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocausts Verfolgten" (VRBHV). Die Liste der Gründer entspricht einem "Who is Who" neonazistischer Geschichtsrevisionisten, die fast alle einschlägig in Erscheinung getreten sind, darunter Ernst Zündel (Kanada), Prof. Robert Faurisson (Frankreich), Germar Rudolf (geb. Germar Scheerer), Gerd Honsik, Wilhelm Stäglich, Fredrick Töben (Australien), Hans-Dietrich Sander, Manfred Röder, Frank Rennicke und Anneliese Remer. Etliche der Gründer konnten schon deshalb nicht anwesend sein, weil sie im Ausland leben und in der Bundesrepublik Haftbefehle gegen sie vorliegen. Vorsitzender des Vereins wurde der Schweizer Holocaustleugner Bernhard Schaub, seine Stellvertreterin Ursula Haverbeck. Als Schatzmeister amtiert Arnold Höfs aus Springe. Mit dem Mitgliedsbeitrag von monatlich 10 Euro sollen Prozesskosten von Holocaustleugnern finanziert werden, insbesondere die Arbeit von Horst Mahler, der nach dem Entzug seiner Anwaltszulassung kein Erwerbseinkommen mehr hat.
Ursprüngliches Ziel des Vereins mit dem kaum auszusprechenden Namen war die Wiederaufnahme von Strafprozessen, denn viele der Gründer haben in der Vergangenheit durch spektakuläre Aktionen von sich reden gemacht und sind einschlägig vorbestraft. Ernst Zündel etwa hatte 1988 den Leuchter Report in Auftrag gegeben, ein angebliches Gutachten, das behauptet, die Vergasungen in Auschwitz seien technisch unmöglich gewesen. Wilhelm Stäglich, ein ehemaliger Richter am Finanzgericht, hatte das Buch "Der Auschwitz Mythos" veröffentlicht, das trotz Beschlagnahmung zu einem Standardwerk der Szene geworden ist. Manfred Röder, ein Neonaziterrorist, schrieb 1974 das Vorwort zu der Broschüre "Die Auschwitzlüge" von Thies Christophersen. War es in den letzten Jahren um die Holocaustleugner eher ruhig geworden, sorgt der Verein um Haverbeck und Mahler nun für eine Neubelebung der Szene.
Massive Verbreitung der Holocaustleugnung
Angeblich neues Beweismaterial für seine absurden Thesen sieht der Kreis um Mahler und Haverbeck in einem Artikel des Spiegelredakteurs Fritjof Meyer in der Zeitschrift "Osteuropa". Demnach wurden in Auschwitz selbst etwa 500.000 Menschen ermordet, davon 300.000 durch Gas. Der Artikel ist mittlerweile auch wissenschaftlich widerlegt, und die sachliche Auseinandersetzung mit Meyers Thesen kann beim Holocaust History Project nachgelesen werden. Wenngleich die Zahlenrechnerei Meyers angesichts der Tatsache, dass der Nationalsozialismus in einem beispiellosen Völkermord das Leben von 6 Millionen europäischer Juden vernichtete, makaber anmutet, stützt er eine Leugnung des Holocaust nicht. Er wird von den Holocaustleugnern allerdings funktionalisiert. Es ist eine ihrer Methoden, durch die Dokumentation unterschiedlicher Opferzahlen den Holocaust insgesamt infragezustellen und zu leugnen.
Der Kreis um Mahler und Haverbeck hat den Artikel verbreitet und danach Selbstanzeigen gestellt. Durch die erwartete Abweisung der Anzeigen glaubten sie einen Freibrief für die Leugnung des Holocausts zu erhalten. Die Kampagne diente in hohem Maße der Mobilisierung und Selbstvergewisserung des eigenen Klientels. Die tatsächliche Abweisung der Selbstanzeigen stellt allerdings keinen Freibrief für die Auschwitzleugnung dar. Nun versuchen die Protagonisten durch massive Verbreitung der Holocaustleugnung eine Normalisierung derartiger Aussagen zu erreichen. Auch Strafprozesse werden dafür inkauf genommen und sollen als sogenannte "Wortergreifungen" der weiteren Öffentlichkeitsarbeit dienen. Schon jetzt ist abzusehen, dass nur ein Teil der Volksverhetzungen auch tatsächlich verfolgt und immer häufiger straffrei bleiben werden.
Geistige Wehrwolforganisation
Dass der Verein nicht nur eine Rehabilitierung der Holocaustleugner im Sinn hat, die hier als "Verfolgte" zu Opfern hochstilisiert werden, sondern eine weitere Verbreitung der Holocaustleugnung, zeigt bereits die Gründungsversammlung. Ursula Haverbeck bezeichnete dort die Reichsprogromnacht als den "Beginn der großen Lüge, die endgültig zu Fall zu bringen Anliegen unseres Vereins sein wird: Der Auschwitz-Lüge".1 Später wurde Ursula Haverbeck verurteilt, weil sie ihre Rede anschließend in der "Stimme des Gewissens" veröffentlicht hatte. Das vom "Verein Collegium Humanum e. V." verantwortete Blatt gibt auch die Mitteilungen, Berichte und Ankündigungen des VRBHV heraus. Kurz nach der Vereinsgründung beschlagnahmte die Polizei zwei Ausgaben der Zeitschrift. Am 18. Juni 2004 verurteilte das Bad Oeynhauser Amtsgericht Haverbeck und Schriftleiter Ernst-Otto Cohrs zu Geldstrafen von 180 Tagessätzen. Im Januar 2005 folgte eine weitere Verurteilung von Klaus Kaping, der ebenfalls in dem Blatt die NS-Verbrechen verharmlost hatte.
Auch auf der ersten Jahresversammlung des VRBHV im November 2004 wurden die Judenverfolgungen nicht nur geleugnet, sondern gar gerechtfertigt. Auftrieb erhielten die RednerInnen offensichtlich durch die Mitteilung, dass sich ein Anfangsverdacht der Staatsanwaltschaft Dortmund, bei dem Verein handele es sich um eine kriminelle Vereinigung, nicht bestätigt habe. Zum Erfolg des Vereins führe nur das Bewusstsein, "dass wir uns im Krieg befinden", erklärte Ursula Haverbeck. Der Vorsitzende Bernhard Schaub ließ brieflich mitteilen: "Wir sind eine geistige Wehrwolforganisation".2 Horst Mahler gab als weitere Strategie vor, man wolle mit möglichst spektakulären Aktionen die "Schweigespirale durchbrechen", beschwor die "Volksgemeinschaft" und kündigte eine Buchveröffentlichung über seine Einlassungen in aktuellen Prozessen an. In einer gehässigen Rede sprach er vom "Würgeeisen der Holocaustreligion", bezeichnete die Juden als "Völkermörder" und erklärte, die Judenverfolgungen hätten ihren Grund in den Juden selbst. Seine Richter nannte er eine "Verbrecherbande", "Verräter", "Hiwis unserer Feinde" und prognostizierte ihnen die Todesstrafe durch ein "Deutsches Reichsgericht". Angesichts des gehässigsten Antisemitismus Mahlers schien es schon fast harmlos, dass der Vlothoer Revisionist Udo Walendy seinen Redebeitrag nutzte, um Witze über die Zahl der Holocaustopfer zu reissen.3
- Stichwort: 6 Millionen jüdische Opfer des Holocaust
- In einem beispiellosen Völkermord vernichteten die Nationalsozialisten das Leben von etwa 6 Millionen europäischen Juden. Zu den Methoden gehörte die "Vernichtung durch Arbeit", Massenerschießungen oder die Vergasungen in Vernichtungslagern Belzec, Treblinka, Chelmno, Sobibor, Majdanek oder Auschwitz. Aufgrund mangelnder Registrierung und der Vernichtung von Unterlagen, lässt sich eine genaue Zahl der Todesopfer der Nationalsozialisten nicht ermitteln. Revisionisten machen sich diesen Umstand zunutze. Sie vergleichen sehr unterschiedliche Opferzahlen aus seriösen und nichtseriösen Quellen oder aus einzelnen Vernichtungslagern, um den Holocaust insgesamt infragezustellen und zu leugnen.
- Stichwort: Kronzeuge der Auschwitzleugner
- Thies Christophersen gilt in revisionistischen Kreisen als Augenzeuge, weil er selbst zu den SS-Mannschaften in AuschwitzBirkenau gehörte. Seine Publikation "Die Auschwitzlüge" ist eine der bekanntesten Veröffentlichungen. In einem Interview mit dem Journalisten Michael Schmidt, den er für einen Gleichgesinnten hielt, sagte der Kronzeuge der Holocaustleugner wörtlich: "Ich will uns entlasten und verteidigen, dann kann ich das nicht mit dem, was wir tatsächlich getan haben. Ich leugne das nicht. Aber jeder Verteidiger, der was zu verteidigen hat, der wird doch nicht das Belastende aufführen."
Aus: Michael Schmidt, "Heute gehört uns die Straße", Düsseldorf 1993 - Stichwort: Bumerang für Holocaustleugner
- Zu einer der spektakulärsten Methoden der Holocaustleugner gehörte in der Vergangenheit das Ausschreiben von "Preisen" für den Nachweis von NS-Verbrechen. Das US-amerikanische "Institute for Historical Review" (IHR) bot etwa 50.000 US-Dollar für den Beweis, dass es die Gaskammern in nationalsozialistischen Konzentrationslagern wirklich gegeben habe. Mel Mermelstein, der Familienmitglieder in Auschwitz verloren hatte, nahm die Herausforderung an und stellte umfangreiche Dokumente und Fotos zusammen. Natürlich wurde die Zahlung verweigert und Mermelstein musste das Geld einklagen. 1981 verurteilte ein Gericht in Los Angeles das "Institut" zur Zahlung von 90.000 US-Dollar und einer öffentlichen Entschuldigung.
Aus: Jens Mecklenburg (Hrsg.), Handbuch Deutscher Rechtsextremismus, Berlin 1996
1) Zit. nach Alt, Gerd, Aufstand der Wahnsinnigen, in Lotta, antifaschistische Zeitung aus NRW, Nr. 15, Winter 2004
2) Das Zeichen des Werwolfs, die Rune »Wolfs-Angel«, gehörte zu den Uniformabzeichen einiger Einheiten der Waffen-SS. In den letzten Kriegsmonaten rief die Nazi-Führung zur Bildung von bewaffneten »Wehrwolfkommandos« auf. Sie sollten auch nach der Besetzung Deutschlands einen Guerillakrieg führen. Neonazis sehen sich heute in der Tradition dieser Wehrwolfkommandos.
3) Alle Zitate der Jahresversammlung stammen aus einem Videomitschnitt des VRBHV.