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Collegium Humanum – Zentrum der Holocaustleugner

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Die Leugnung des Holocaust gehört seit Ende der 80er Jahre zur Politik des Collegium Humanum. Seit etwa 3 Jahren geht von dem Verein eine Kampagne aus, deren Ziel die massenhafte Verbreitung der Holocaustleugnung ist.

Die Leugnung und Relativierung der Verbrechen des Nationalsozialismus ist ein altes Thema der extremen Rechten. Insbesondere der Holocaust und Auschwitz stehen als Symbole für die singulären Menschheitsverbrechen und die Barbarei der Nationalsozialisten. Wer heute nationalsozialistische Ideologie verbreiten und den Nationalsozialismus wiedererstehen lassen will, dem steht das Symbol Auschwitz entgegen. Darum ist es eines der vorrangigen Ziele der Neonazis, diesen Vorwurf zu entkräften und dieses Symbol zu Fall zu bringen. Die Revision der Geschichte dient auch der Infragestellung der Nachkriegsordnung.

Werner Georg Haverbeck schrieb daher 1989 zum Holocaust: "Das ist nicht nur eine Todsünde gegenüber der Wahrheit, sondern zugleich der geplante Totschlag der Volksseele. Als Ergebnis darf heute kein Lehrer oder Hochschulprofessor die Frage der Kriegsschuld Deutschlands oder von Massenvernichtungslagern öffentlich zur Diskussion stellen, ohne sofort gemaßregelt und unter Umständen sogar vor Gericht gestellt zu werden, denn hier handele es sich um unbezweifelbare Tatbestände. Sie sind schon deshalb nicht anzuzweifeln, weil darauf – und wie wir jetzt meinen sagen zu können: auf einer historischen Lüge – Staaten der Nachkriegszeit begründet wurden, deren Existenz dadurch ebenfalls in Frage gestellt würde."1 In der Sache ebenso eindeutig äußerte sich Ursula Haverbeck: "...Im übrigen ist bei allen ernstzunehmenden Historikern, die sich noch einen letzten Rest von Freiheit der Forschung und Lehre erhalten haben, einwandfrei nachgewiesen, dass es im gesamten Reichsgebiet keine Vergasung gegeben hat."2

Volksverhetzende Literatur

Auch andere Funktionäre des Vereins "Collegium Humanum" verbreiteten Holocaustleugnungen. Etwa Günther-Ernst Kögel, der 1989 Vorstandsmitglied wurde.3 Im selben Jahr veröffentlichte der Remscheider Studienrat die deutsche Übersetzung des Leuchter-Reports, der die Behauptung aufstellt, die massenhafte Vergasung von Juden sei schon aus technischen Gründen nicht möglich gewesen. Kögel wurde später für die Verbreitung des Reports zu einer Geldstrafe verurteilt. Im November 2004 musste der Revisionist eine 15monatige Haftstrafe antreten. Er war bereits zum dritten Mal wegen Volksverhetzung verurteilt worden. Ebenfalls mit der Verbreitung holocaustleugnender Literatur befasste sich Ernst-Otto Cohrs, Schriftleiter der Hauszeitschrift des Collegiums, der "Stimme des Gewissens". In den 90er Jahren vertrieb er über den "Verlag Widar" Bücher wie "Es gab keine Gaskammern" oder der "Auschwitz-Mythos".

Auch Vorüberlegungen für ein anderes "Standardwerk" der Holocaustleugner fanden im Collegium Humanum statt. Germar Scheerer beriet sich nach Angaben von Insidern dort mit Werner Georg Haverbeck, bevor er 1992 sein "Gutachten" über die Bildung und Nachweisbarkeit von Cyanidverbindungen in den "Gaskammern" von Auschwitz erstellte, mit dem ebenfalls behauptet wurde, dass aus "chemisch-physikalischen Gründen die bezeugten Massenvergasungen (...) nicht stattgefunden haben" könnten.4

Nicht zuletzt ist auch der in Vlotho ansässige Geschichtsrevisionist Udo Walendy dem Collegium verbunden. Ehemals Mitglied des NPD-Bundesvorstandes, gibt er seit den 60er Jahren in seinem "Verlag für Volkstum und Zeitgeschichtsforschung" Bücher und Schriftenreihen heraus, in denen die Kriegsschuld und der Holocaust geleugnet werden. In den 70er Jahren beschlagnahmte das Bielefelder Landgericht bei ihm "Die Auschwitzlüge", eines der bekanntesten Pamphlete der Szene. Zahlreiche Relativierungen des Holocaust in der Schriftenreihe "Historische Tatsachen" waren 1996 Gegenstand eines Gerichtsverfahrens, bei dem Walendy zu 15 Monaten Haft verurteilt wurde.

Reichsfahnen auf der Wartburg

War das Collegium also auch in der Vergangenheit ein Dreh- und Angelpunkt der Holocaustleugnung, wurde es in den letzten Jahren zu einem Zentrum ausgebaut. Die Verbindung mit Horst Mahler und seinen Anhängern aus dem "Deutschen Kolleg" führte zu einem für das Collegium neuen Aktionismus, der die Holocaustleugnung in die Öffentlichkeit tragen sollte. Um den Verein "Collegium Humanum e. V." und die beiden häufigen Referenten Horst Mahler und Bernhard Schaub ist eine Gruppe entstanden, die nicht nur bei Seminaren in Vlotho, sondern auch bei Kundgebungen, Prozessen und Veranstaltungen immer wieder in Erscheinung tritt. Mit dem "Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocausts Verfolgten" (VRBHV) versuchen sie eine neue internationale Sammlungsbewegung der Auschwitzleugner zu gründen und der Szene einen organisatorischen Rahmen zu geben.

Ein Beispiel für den Aktionismus der Gruppe ist der Versuch, am 30. Juli 2003 in der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Auschwitz selbst den Holocaust zu leugnen. Ein "Vorauskommando" hatte vor Ort bereits Erkundigungen eingezogen. Der Plan scheiterte dann jedoch an einem gegen Horst Mahler verhängten Ausreiseverbot. Ersatzweise inszenierten Mahler und Haverbeck mit rund 15 Aktivisten eine Kundgebung auf der Wartburg. Nach einem Fotobericht auf einer der Internetseiten der Szene versammelte sich die Gruppe unter den Augen der Polizei um ein Transparent, mit der Aussage "Den Holocaust gab es nicht" und schwenkte Fahnen des Deutschen Reiches. Erst nach Ende der Versammlung beschlagnahmte die Polizei das fragliche Transparent und andere Kundgebungsmaterialien in einem von Ursula Haverbeck gefahrenen PKW.5 Hätte die Kundgebung tatsächlich in der Gedenkstätte des ehemalige Konzentrationslagers Auschwitz stattgefunden, hätte die Gruppe durch die schwerwiegende Beleidigung der Opfer des Holocaust an diesem symbolischen Ort vermutlich weltweite Aufmerksamkeit erfahren. Neben zahlreichen Besuchen von einschlägigen Prozessen versuchen die Aktivisten des VRBHV auch durch Veranstaltungen und Kundgebungen Öffentlichkeit für Holocaustleugnung herzustellen. Rund 30 TeilnehmerInnen der VRBHV-Jahresversammlung fuhren im November 2004 vom Collegium aus mit einem Bus zur JVA Remscheid, um dort Günther-Ernst Kögel zu verabschieden, der eine 15monatige Haftstrafe wegen Volksverhetzung antreten musste. Kögel, der auch schon im Collegium referiert hatte, betreibt in Remscheid die Vereinigung Gesamtdeutsche Politik, samt Verlag und der revisionistischen Zeitschrift "Deutschland – Schrift für neue Ordnung".6

Verboten wurde im April 2005 eine Kundgebung für Ernst Zündel in Mannheim. Dem inhaftierten Holocaustleugner sollte ein Ständchen zu seinem 66. Geburtstag gebracht werden. Der Termin war bereits im Internet, der "Stimme des Gewissens" und bei einem Kongress der "Gesellschaft für freie Publizistik" bekannt gemacht worden. Auch einen Bus hatten die Aktivisten bereits gemietet.7

Stichwort: Leuchter Report
Der angebliche amerikanische Gaskammerexperte und Ingenieur Fred Leuchter erstellte im Auftrag des Neonazis Ernst Zündel ein Gutachten, mit dem belegt werden sollte, dass die Massenvergasungen in Auschwitz schon aus technischen Gründen nicht möglich gewesen seien. Die Analyse von Mauerresten aus Auschwitz auf Spuren von Blausäure durch Leuchter arbeitet sowohl mit falschen Voraussetzungen als auch mit falschen Vergleichen und ist mehrfach wissenschaftlich widerlegt. Später stellte sich heraus, dass Leuchter weder über einen Ingenieurstitel noch über fachliche Kenntnisse verfügte. In einem Verfahren, in das Zündel den Bericht als Beweismaterial einführen wollte, erklärte das Toronter Gericht: "Er hat keine Fachkenntnisse." Trotzdem benutzen Revisionisten das angebliche Gutachten als Propagandawaffe.
Literatur: Wolfgang Benz (Hrsg.), Legenden Lügen Vorurteile, ein Wörterbuch zur Zeitgeschichte, München 1992
Stichwort: Revisionismus
Als Revisionisten oder Geschichtsrevisionisten werden extreme Rechte bezeichnet, die durch Leugnung oder Relativierung nationalsozialistischer Verbrechen den Nationalsozialismus nachträglich rechtfertigen und verharmlosen wollen. Bekannt geworden ist vor allem die "Kriegsschuldlüge" und die "Auschwitzlüge". Obwohl sie meist angeben, nur wissenschaftliche Arbeiten vorzustellen, missachten sie die einfachsten Regeln der kritischen Geschichtswissenschaft. Dokumente, die ihren Aussagen entgegenstehen, werden nicht berücksichtigt oder als von Alliierten gefälscht bezeichnet. Gerne werden Revisionisten aus dem Ausland zitiert, die nicht in dem Verdacht stehen aus nationalistischen Motiven zu handeln. Verbunden mit dem Geschichtsrevisionismus ist meist auch eine Infragestellung der Nachkriegsordnung, etwa die Forderung nach Wiedererrichtung des "Deutschen Reiches" und Rückgabe der ehemals deutschen Ostgebiete.
Literatur: Brigitte Bailer-Galanda, Wolfgang Benz, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.), Die Auschwitzleugner, Berlin 1996

1) Haverbeck, Georg Werner, Rudolf Steiner – Anwalt für Deutschland, München, 1989, S. 324 f.

2) Leserbrief in Info 3, 9/1998, zitiert nach Wagner, Arfst, Werner Haverbeck Anwalt für Deutschland?

3) Vgl. Hundseder, Franziska, Rechte machen Kasse, München, 1995, S. 118

4) Vgl. Handbuch Deutscher Rechtsextremismus, Berlin, 1996, S. 518 f.

5) Der Aufstand für die Wahrheit begann auf der Wartburg, Kommunique, auf "www.deutschlandluegen.de".

6) Vgl. Polizeipräsidium Bielefeld, Jahresbilanz 2004, S. 15 f.; Verfassungsschutzbericht NRW für das Jahr 2004, S. 59 f.

7) Vgl. Bericht in Stimme des Gewissens, Mai/Juni 2005

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