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Protest gegen Neonaziveranstaltung in Vlotho (update 1.5.03)

Rund 30 AntifaschistInnen protestierten am 11. April gegen eine Neonaziveranstaltung in Vlotho. Das Treffen fand im einschlägig bekannten Collegium Humanum statt.

Mit zahlreichen Holzschildern erinnerten AntifaschistInnen an die Todesopfer neonazistischer Gewalt der letzten Jahre. Ihre Einschätzung, dass im Collegium Humanum jene Ideologie vermittelt wird, die den Neonazis auf der Straße als Legitimation für Überfälle und Gewalttaten gilt, wurde durch den Teilnehmerkreis der Veranstaltung, das Thema und den Referenten erneut bestätigt.

Rund 60 Alt- und Neonazis waren zu dem Vortrag von Horst Mahler über das World Trade Center erschienen. Darunter zahlreiche Aktivisten der Freien Kameradschaften und der NPD. So der ostwestfälische Bezirkschef der Partei, Manfred Gutsche aus Minden. Markus Spilker, als NPD-Kontaktmann für Herford bekannt, leitete den Ordnerdienst. In Formation marschierten etwa sieben Aktivisten der Bielefelder Kameradschaft auf. Darunter auch Bernd Stehmann, der versuchte AntifaschistInnen anzugreifen, von diesen aber entschlossen in seine Grenzen verwiesen wurde.

Eingeladen hatte die ostwestfälische Sektion der Gesellschaft für freie Publizistik (GfP), eine der ältesten Neonaziorganisationen der Bundesrepublik. In ihr sind etwa 400 bis 500 extrem rechte Publizisten organisiert. Einer der Mitbegründer der 1960 ins Leben gerufenen Organisation war der ehemalige stellvertretende Reichspressechef der NSDAP, Helmut Sündermann. In Ostwestfalen ist Sigrid Schenk aus Minden seit Jahren für die Veranstaltungen der Gesellschaft verantwortlich. Vor Ort trat Ursula Haverbeck vom Collegium als Organisatorin auf. Die GfP in Ostwestfalen ist eine Schnittstelle der Neonaziszene, die auf ihren Veranstaltungen die alte und jüngere Generation sowie Neonazis aus verschiedenen Teilen der Szene zusammenbringt.

Dazu eigenen sich die aggressiv antisemitischen Weltverschwörungstheorien Horst Mahlers anscheinend besonders gut. Eine von Mahler für einen internationalen Revisionistenkongress vorbereitete Rede trug nach Angaben des Informationsdienst gegen Rechtsextremismus den Titel: "Endlösung der Judenfrage. Gotterkenntnis statt Judenhass". Darin plädiert Mahler für einen "geistigen Zweifrontenkrieg": "Um den Judaismus endlich zu begraben, erhebt sich wie Phönix aus der Asche der Geist der Germanen ...." Den Anschlag auf das World Trade Center rechtfertigte Mahler als "Angriffe auf die Symbole der mammonistischen Weltherrschaft", ein Synonym für die von den Neonazis propagierte angebliche Weltverschwörung der Juden.(1) Mahler sah sich für seine ekelhaft antisemitischen Aussagen gerade zu diesen Themenbereichen mehrfach mit Anzeigen und Gerichtsverfahren konfrontiert. Um so erschreckender ist, dass die Polizei ihre Maßnahmen am 11. April lediglich auf den Schutz der Neonaziveranstaltung ausrichtete und nicht einmal gegen den randalierenden Kameradschaftsführer Bernd Stehmann vorging.

Bedauerlich war die Tatsache, dass es den AntifaschistInnen aufgrund der geringen Anzahl nicht möglich war, das weitläufige Gelände effektiv zu blockieren und den antisemitischen Spuk zu verhindern. Zuletzt war die GfP 1997 mit einer Veranstaltung an die Öffentlichkeit getreten, auf der der damalige Vizepräsident des Bundes der Vertriebenen, Paul Latussek, referiert hatte. Die Veranstaltung musste aufgrund antifaschistischer Proteste abgebrochen werden. Auch zuvor konnten mehrere Treffen der Gesellschaft verhindert werden. Die Organisatorin, Sigrid Schenk aus Minden hatte daraufhin ihre Aktivitäten bis zu diesem Jahr eingestellt.

(1)Zitate aus Informationsdienst gegen Rechtsextremismus, Lexikon, Horst Mahler, auf www.idgr.de, 11.4.2003

(Antifa West, April 2003)

Im folgenden ein weiterer, ausführlicherer Bericht über die GfP-Veranstaltung, der uns per email erreichte:

Ostwestfälische AntifaschistInnen in Vlotho aktiv gegen neonazistische "Kulturorganisation"

Für den 11. April 2003 hatte der ostwestfälische Arbeitskreis der "Gesellschaft für freie Publizistik" (GFP), eine der ältesten Neonaziorganisationen der Bundesrepublik zu einer Vortragsveranstaltung mit Horst Mahler ins Vlothoher "Collegium Humanum" eingeladen. Bundesweit sind etwa 400 bis 500 extrem rechte Publizisten in der GFP organisiert. Einer der Mitbegründer der 1960 ins Leben gerufenen Organisation war der ehemalige stellvertretende Reichspressechef der NSDAP, Helmut Sündermann. Der heutige Bundesvorsitzende der GFP, Rolf Kosiek, stammt aus dem ostwestfälischen Herford, in unmittelbarer Nähe zu Vlotho. Die Antifa war wieder einmal vor Ort.

Lange Zeit hatte die Antifa nichts mehr vom ostwestfälischen Arbeitskreis der GFP gehört. Zuletzt erlitt sie 1997 bei einer Veranstaltung in Herford mit dem damaligen Vize-Präsidenten des "Bundes der Vertriebenen" Paul Latussek Schiffbruch. Damals brachte die ostwestfälische Antifa die Veranstaltung zum Platzen und Paul Latussek, den Rechtaußen des BDV, bundesweit in die Kritik der Medien.

Für den 11. April 2003 hatte die regionale Sektion der GFP unter der Leitung der pensionierten Mindener Kriminalkommissarin Sigrid Schenk nach über fünfjähriger Pause wieder einmal zu einer Vortragsveranstaltung geladen. AntifaschistInnen entschlossen sich daher kurzfristig, der GFP einen Besuch abzustatten.

War mit dem Vlothoer "Collegium Humanum" der Veranstaltungsort allen AntifaschistInnen als Neonazischulungsstätte wohlbekannt, konnte über den Referenten zunächst nur gemutmaßt werden. Als sich andeutete, dass sich der Referent der Naziveranstaltung mit dem Anschlag auf das World Trade Center (WTC) am 11. September 2001 befassen würde, tippten einige AntifaschistInnen bereits auf Horst Mahler und sie lagen damit goldrichtig. Mit gut zweistündiger Verspätung erschien Mahler am "Collegium Humanum" um seine Version des Anschlags auf das WTC zum Besten zu geben.

Eine feine Gesellschaft - Die Besucher der GFP-Veranstaltung

Eine illustere Runde von gut 50 alten und jungen Neonazis war erschienen, um Mahlers Ausführungen zu lauschen. Wohlbetuchte Damen und Herren, die zum Teil mit Nobelkarossen der Mercedes S-Klasse, 7er-BMWs oder Jaguar anreisten, fanden neben Vertretern der militanten Neonaziszene den Weg ins Collgium. Unter ihnen der regionale Kameradschafts-Chef Bernd Stehmann mit fünfköpfigem Gefolge, die den Ausführungen Mahlers intellektuell nur knapp gewachsen gewesen sein dürften.

Der Mindener Privatdetekiv und ostwestfälische NPD-Bezirkschef Manfred Gutsche und sein NPD-Kamerad Jürgen van Dorn beteiligten sich an den Security-Aktivitäten. Wie immer, war Gutsche auch diesmal nicht im Bilde und mußte erst herantelefoniert werden, um seine Funktion dann doch nicht erfüllen zu können.

Ebenfalls anwesend war Gerd Ulrich aus Berlebeck bei Detmold. Mit seinem Vater leitete der heute 32jährige Ulrich bis 1993 den "Gau-Westfalen" der mittlerweile verbotenen Wiking-Jugend (WJ). In Ulrichs Besitz befand sich auch die damalige Wehrsportausrüstung der WJ, die von der früher ebenfalls in der Nähe von Detmold residierenden "Nationalistischen Front" mitbenutzt wurde. Dass der ehemalige Zeitsoldat der Bundeswehr Ulrich auch nach seiner Funktion als WJ-Gauleiter aktiv blieb, belegen seinen Verurteilungen von 1998. Ulrich hatte 1994 einem Gütersloher NPD-Mann, der aber vom Militärischen Abschirmdienst der Bundeswehr angeworben worden war, einen 223 Gramm schweren TNT-Sprengkörper nebst elektrischem Sprengzünder zur Aufbewahrung anvertraut. Gleichwohl Ulrich kurz zuvor wegen Propaganda für eine verbotene Neonazigruppe verurteilt worden war, erhielt er nur eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, die - fast möchte man sagen "selbstverständlich" - auf Bewährung ausgesetzt wurde.(1) Diese Bewährung ist längst verstrichen und Ulrich findet sich wieder auf zahlreichen Aufmärschen und Veranstaltungen der Neonazi-Szene Ostwestfalens.

Ein weiterer interessanter Besucher war der Altnazi Franz Hölzel aus Stadthagen, der am 10. März 2002 für den "Gesprächskreis für Volkstum und Kultur Bückeburg" zu einer Tagungsveranstaltung in Bückeburg geladen hatte. Auf der Tagesordnung Hölzels stand ein Vortrag des verurteilten Rechtsterroristen Peter Naumann über den angeblichen "multikulturellen Anschlag - Mittel und Ziel der Volkszerstörer".(2) Hölzel ist der Antifa seit den 80er Jahren bekannt. Er organisierte bis in die 90er Jahre für die "Artgemeinschaft" Jürgen Riegers "Gemeinschaftstage" im inzwischen aufgelösten Hetendorfer Nazizentrum.(3)

Selbstverständlich als Hausherrin mit von der Partie war Ursula Haverbeck-Wetzel. Die Witwe des Altnazis Georg-Werner Haverbecks äußerte einst, dass sie nicht bereit sei, sich von Adolf Hitler zu distanzieren. Sie führt das nazistische Lebenswerk ihres Mannes fort, indem sie das Collegium für Neonazis bereit stellt oder selbst zu solchen Veranstaltungen ins Collegium lädt.

Im antisemitischen Wahn - Horst Mahler deutet den 11. September 2001

Vor diesem Publikum breitete Mahler seine antisemitischen Hass- und Wahnvorstellungen aus. Er bot dem Publikum jenen Videobeamer-gestützten Vortrag dar, den er am 31. März 2003 vor dem Mainzer Landgericht als Verteidigungsstrategie im dort gegen ihn geführten Prozeß zusammengestellt hatte.(4)

Vor dem Landgericht mußte sich Mahler für eine von ihm am 12. September 2001 auf der Internetseite des "Deutschen Kollegs" veröffentlichte antisemitische Hetzschrift anläßlich des Anschlages auf das WTC verantworten, nachdem er gegen ein Urteil in gleicher Sache des Amtgerichtes Mainz Revision eingelegt hatte. Die Positionen, die er am 12. September 2001 äußerte, gipfelten in den Aussagen, dass die Angriffe auf die Türme des WTC, die er als "Symbole der mammonistischen Weltherrschaft" bezeichnete "eminent wirksam und deshalb rechtens" seien.(5) Weiter hetzte Mahler, dass die "gläubigen Juden auf die Erlangung der Weltherrschaft durch Geldleihe" ausrichtet seien und "dem kapitalistischen System gegenwärtig seine tödliche Dynamik" verleihen würden.(6) Eine Geldstrafe von 7.200,- Euro waren unter anderem diese Äußerungen Mahlers dem Mainzer Landgericht wert.

Diese genannten Positionen nahm Mahler in seinem Vortrag vor dem Mainzer Landgericht, den er nun im Vlothoer Collegium Humanum wiederholte(7), nicht etwa zurück. Einzig von den Attentätern des 11. Septembers 2001, denen er zuvor seine "Hochachtung" als "opferbereite Krieger" aussprach, rückte Mahler ab. Heute behauptet Mahler vielmehr, dass nicht religiöse Fundamentalisten den Anschlag auf das WTC und das Pentagon zu verantworten hätten, sondern der "jüdische" (sprich israelische) und amerikanische Geheimdienst. Mahler führte aus, dass die Videoaufnahme von in das WTC crashenden Flugzeugen Fälschungen seinen und das WTC von Geheimdienstleuten vielmehr "fachmännisch gesprengt" worden sei. Das Pentagon sein ebenfalls nicht von einem Flugzeug, sondern von einer bunkerbrechenden Rakete getroffen worden.(8)

Angesichts des Publikums und des Vortragsinhaltes ist es erschreckend, dass die Polizei ihre Maßnahmen am 11. April 2003 lediglich auf den Schutz der Neonaziveranstaltung ausrichtete und nicht einmal gegen den bei seiner Ankunft randalierenden Kameradschaftsführer Bernd Stehmann vorging.

Da die Antifa nur kurzfristig mobilisieren konnte, war mit 30 AntifaschistInnen, der Widerstand gegen die Veranstaltung in einer zu geringen Zahl vor Ort, um das weitläufige Gelände effektiv zu blockieren und den antisemitischen Spuk zu verhindern.

1) vgl. Artikel "Demonstration in Berlebeck - Sprengstoff an V-Mann übergeben", in Lippische Landeszeitung vom 25.01.2002

2) vgl. Artikel "Kaffeekränzchen der Ewiggestrigen", in Schaumburger-Zeitung, Lokalteil Bückeburg vom 11.03.2003

3) vgl. Zahleshoff, Andreas P.: Heidentreffen in Hetendorf, in Der Rechte Rand Nr. 7 vom Juni 1990, Seite 4

4) vgl. Schneider, Sebastian: Reden für die Völker, in : Jungle World vom 02.04.2003

5) s. Mahler, Horst: Independence-Day live, auf der Website des "Deutschen Kolleg", 12. 09. 2001

6) ebd.

7) vgl. http://de.altermedia.info/index.php?p=799&more;=1&c;=1, in Störtebeker-Netz vom 13.04.2003

8) vgl. Schneider, Sebastian: a.a.O.