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Burschenschaft Normannia-Nibelungen

Zwischen Neonazis und Karriere.

Im Haus der Burschenschaft gehen Neonazis ein und aus. Nach antifaschistischen Protesten haben sich die extrem rechten Verbindungsstudenten teilweise aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Alljährlich findet in Bielefeld der sogenannte ``Bismarckkommers'' der örtlichen Studentenverbindungen statt. Zu der Veranstaltung kommen die aktiven Studenten der Verbindungen, die ``alten Herren'' und zahlreiche Ehrengäste aus Politik und Wirtschaft. Nach Außen erscheint der Kommers als folkloristische Traditionsveranstaltung studentischen Brauchtums. Die Studenten treten uniformiert mit Mützen, Schärpen und Säbeln auf. Nach innen dienen die Treffen der elitären Karriereförderung und dem Aufbau von Seilschaften, denn zwischen den Mitgliedern der Verbindungen besteht ein gegenseitiges System der Protektion. Nach dem Studium verhelfen die alten Herren den Jungen zu einflussreichen Positionen. Ausgeschlossen von diesem Klüngel sind bei fast allen Studentenverbindungen Frauen und Migrantinnen. Das System führt nicht nur die angebliche Chancengleichheit ad absurdum, es zeigt auch die grundsätzlich antidemokratische, patriarchalische und mitunter rassistische Ausrichtung vieler Verbindungen. Nur wenige sind jedoch der extremen Rechten zuzuordnen. Dazu gehören vor allem die Mitgliedsverbände des Dachverbandes der ``Deutschen Burschenschaft''.

Veranstaltungen gegen ``Überfremdung''

Zu diesem Flügel der Verbindungsstudenten zählt die Burschenschaft ``Normannia-Nibelungen''. Ihr gehören ungefähr 25 aktive Studenten und 108 ``alte Herren'' an.1 Wer dazugehören will, muss nicht nur männlich, trinkfest und ``deutscher Volkszugehörigkeit'' sein, sondern auch seine ``Wehrhaftigkeit'' bei mindestens zwei Fechtpartien beweisen. Die ``Normannia-Nibelungen'' besitzt ein Haus in der Schloßhofstr. 96, in dem etliche der aktiven Studenten wohnen und in dem regelmäßig öffentliche Veranstaltungen stattfinden. In direkter Folge traten dort das ehemalige Bundesvorstandsmitglied der ``Republikaner'' Klaus Weinschenk auf, der heutige NPD-Aktivist Horst Mahler und der aus der extrem rechten ``Deutschlandbewegung'' kommende Rolf Stolz. Heinz Schön, Autor in verschiedenen Publikationen der Szene wurde angekündigt, sagte aber ebenso wie der Chefredakteur des ``Westfalenblattes'' Rolf Dressler wieder ab, nachdem antifaschistische Protestaktionen angekündigt worden waren.2 Diesen sogenannten ``burschenschaftlichen Abenden'' wird für die Verbindung zur extremen Rechten eine Schlüsselfunktion zugewiesen. Sie könnten als ``Band zwischen Burschenschaften einerseits und nationaler Opposition andererseits dienen''.3 So auch in Bielefeld: Als etwa Horst Mahler im Mai 1998 im Burschenschaftshaus der ``Überfremdung'' das Wort redete und damit ein wichtiges Stichwort für die Legitimation rassistischer Gewalt lieferte, bestand sein Publikum nicht nur aus Burschenschaftlern, sondern auch aus Glatzköpfen mit Springerstiefeln. Am Büchertisch verkaufte der stadtbekannte Neonazi Meinhard Otto Elbing einschlägige Zeitschriften, darunter die ``Schwarze Fahne'', das Organ der NPD-Jugend.

Gute Kontakte ins Neonazispektrum

Zu den Akteuren im Burschenschaftshaus gehört vor allem der ehemalige Sprecher der aktiven Burschen Marc Strothe, der bis zum 1992 erfolgten Verbot als Mitglied der ``Nationalistischen Front'' geführt wurde. Zwischenzeitlich fungierte er als Chef des Bielefelder Verbandes der ``Jungen Landsmannschaft Ostpreussen''. Auf Veranstaltungen dieser Nachwuchsvertriebenen trafen ebenfalls eine Reihe bekannter Neonazis aus Bielefeld zusammen. Darunter waren die ehemalige Vorsitzende der ``Hilfsgemeinschaft für nationale und politische Gefangene'' Christa Goerth und Meinhard Otto Elbing. Im August 1999 trat Strothe zusammen mit Elbing auf einer von Horst Mahler initiierten neonazistischen ``Montagsdemonstration'' in Frankfurt auf. Gemeinsam mit dem ex-Sprecher der Burschenschaft, Christoph Amendt und Björn Hauptfleisch, einem Autor der dem ``intellektuellen Rechtsextremismus'' zugeordneten Zeitung ``Junge Freiheit'', gehörte Strothe zu den Gründungsmitgliedern der ``Initiative Hochschulrecht''. Die kleine Gruppe hat in Bielefeld eine Initiative des Hochschulverbandes der ``Republikaner'' aufgegriffen und versucht durch Klagen die Arbeit des AStA der Universität zu behindern. Noch im Herbst diesen Jahres wurde Marc Strothe als Besucher eines Neonaziprozesses in München gesehen. Mehrere Nazis des Spektrums der ``Freien Kameradschaften'' hatten im Januar 2001 einen Griechen fast zu Tode geprügelt. Während die Polizei 18 Beteiligte festnahm, konnte einer der Haupttäter, der Neonazi Christoph Schulte aus dem Sauerland, vorerst entkommen. Sein Fluchtweg begann bezeichnenderweise im Haus der Münchener Burschenschaft ``Danubia''. Nach dieser ersten Fluchthilfe schafften ihn Kameraden über mehrere Zwischenstationen zu NS-Aktivisten in die Niederlande, wo er drei Wochen später festgenommen wurde.

Rückzug aus der Öffentlichkeit

Nach der Veranstaltung mit Horst Mahler drohte das Haus an der Schloßhofstraße zu einem neuen Zentrum der extremen Rechten zu werden. Zu dem Vortragabend, für den mit Flugschriften in der Universität geworben worden war, kamen rund 80 Besucher. Auch danach luden die Burschen öffentlich zu ihren Veranstaltungen ein. Als antifaschistische Demonstrationen um das Haus stattfanden, sagten die Referenten ab und die Burschenschaft zog sich schrittweise aus der Öffentlichkeit zurück. Mittlerweile werden die Veranstaltungen nicht mehr öffentlich angekündigt und selbst die Internetseite der ``Normannia-Nibelungen'' ist teilweise bereinigt worden. Hinweise auf Horst Mahler sind dort nicht mehr zu finden, die Links wurden überarbeitet und etliche Fotos gelöscht. Interne Veranstaltungen finden allerdings nach wie vor in dem Haus statt. Am 24. November 2000 kam es etwa zu einem Treffen der ``Normannia-Nibelungen'' mit Aktivisten der ``Landesweiten Aktionsplattform Nationalistischer Studenten'' (LANS) aus den Niederlanden. Nach Angaben der LANS soll seit Jahren ein freundschaftlicher Kontakt zwischen den Gruppen bzw. ihrer Vorläuferorganisation ``Niederländische Studentenvereinigung'' (NLSV) bestehen. Während die ``Normannia-Nibelungen'' ihre ``Gäste aus den Niederlanden'' ablichtete und die Fotos stolz im Internet veröffentlichte, zählt die LANS und der NLSV in den Niederlanden zum extrem rechten Spektrum. Ihre Aktivisten, darunter auch der Besucher in der Schloßhofstraße Michael Hubert, haben nicht nur Kontakte zur rechtsextremen ``Centrumspartei 86'' sondern auch in die Neonazi- und gewalttätige Naziskinszene.4

Regelmäßig fahren die ``Normannen'' auch zum ``Burschentag'' des Dachverbandes nach Eisenach. Dort werden ebenfalls Verbindungen zur extremen Rechten gepflegt. Im Jahr 2000 hielt das Mitglied der österreichischen FPÖ, Lothar Höbelt, dort die Festrede. Hobelt war u.a. Mitverfasser einer Festschrift für den Auschwitzleugner David Irving und Mitherausgeber eines FPÖ-Jahrbuches, das antisemitische Beiträge enthielt. 2001 trat Andreas Mölzer, der wohl wichtigste Ideologe von Haiders FPÖ als Festredner auf.

Von daher ist der Rückzug der Burschen aus der Öffentlichkeit nicht als Meinungsumschwung zu werten. Vielmehr wollen die angehenden Akademiker ihre Privilegien und ihre Karriere nicht gefährden. Zwar ist der zunehmende Schulterschuss mit der Neonaziszene ein Ergebnis der in den Burschenschaften vertretenen Ideologie der Ungleichheit, des Nationalismus und Rassismus, vor allem die ``alten Herren'' der verbindungsstudentischen Seilschaften scheuen aber die Öffentlichkeit. Schließlich bekleiden sie bereits wichtige Posten in Staat und Wirtschaft

1)       Stadtblatt 4.6.98

2) Die Veranstaltung mit Weinschenk fand am 28 4.99, mit Mahler am 12.5.99 und mit Stolz am 18.4.00 statt. Dressler war für den 27.10.99 und Schön für den 15.11.00 angekündigt

3) Jürgen Schwab, in ``Staatsbnefe'', 1996 Internetseite der LANS, und http://wwvv.antifa.net/kafka/nlav.htm, http://wwvv.antifa.net/kafka/hubert.htm

(Artikel aus: Stop Lifestyle of Hate, die extreme Rechte in OWL, Bielefeld, Januar 2002)