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Die Musikszene der Neonazis

Die Neonazis haben erkannt, dass Konzertveranstaltungen und Musik von Nazi-Bands gerade für Jugendliche ein idealer, vorerst unverbindlicher Einstieg in die Szene sein können. Die Übergänge zwischen Rechtsrock, Skinheadszene und organisierten Neonazis sind fließend. Die Organisationen der extremen Rechten verbreiten in diesem kulturellen Vorfeld ihre Weltanschauung und werben Nachwuchs an.

Schon der Begründer der Vereinigung ``Blood & Honour'', Ian Stuart Donaldson, formulierte das Ziel der Organisation: ``Musik ist das ideale Mittel Jugendlichen den Nationalsozialismus näher zu bringen, besser als dies in politischen Veranstaltungen gemacht werden kann, kann damit Ideologie transportiert werden.'' Donaldson, Sänger der Nazikultband ``Skrewdriver'', verstarb 1993. Schon damals war Bernd Stehmann ein Anhänger seiner Ideen. In der Neuen Westfälischen erschien am 2. Oktober 1993 folgende Todesanzeige: ``See you in Walhalla - Bernd Stehmann und Deine Kameraden aus Ostwestfalen-Lippe''.

Die ``Blood & Honour'' Sektion Westfalen

Die ``Blood & Honour'' Bewegung verfügt heute in vielen Ländern über nationale Sektionen. Der Name geht auf die in der Hitler-Jugend verwandte Parole ``Blut und Ehre'' zurück. In der Bundesrepublik wurde die Organisation zwar am 12. September 2000 verboten, doch das Verbot konnte das informelle Netzwerk nur geringfügig treffen. Die Konzerte und Aktivitäten werden zumeist konspirativ organisiert und in der Öffentlichkeit nicht angekündigt. Die Teilnehmerzahl beläuft sich normalerweise auf einige hundert Neonazis. Gelegentlich kommen jedoch auch 1.500 bis 2.000 Personen zu den Veranstaltungen. Die Konzerte in Ostwestfalen wurden bislang von 100-250 Personen besucht. Der harte Kern der westfälischen Sektion rekrutierte sich aus den Kameradschaften, vor allem der Szene in Minden-Lübbecke. Von AntifaschistInnen und der Lokalpresse wird der Mindener Dirk Fasold als Kopf der westfälischen Sektion eingeschätzt.

Während sich die Geschäftstätigkeit um das Rechtsrock-Magazin ``Rock Nord'' im Düsseldorfer Raum eher am legalen und leicht konsumierbaren Rechtsrock orientiert, gehört ``Blood & Honour'' zur harten Szene. Die internationale Organisation ermöglicht vor allem den Handel mit illegalen Tonträgern. ``Blood & Honour'' ist jedoch nicht nur eine Organisation zum Vertrieb von NS-CD's und zur Veranstaltung von Konzerten. Auf ihrem Deutschland-Treffen am 3. Oktober 1998 fassten die Aktivistinnen den Beschluss, dass die Gruppe mehr zu sein habe ``als eine Musikbewegung''. Aufgabe sei es, ``Patrioten verschiedener Stilrichtungen zu sammeln und zu einen, nicht nur in der Musik, sondern im Kampf''. Dabei vertritt ``Blood & Honour'' eine extreme Form von Nationalsozialismus und Rassismus. In dem in Anlehnung an das Programm der NSDAP benannte ``25 Punkte Programm'' heißt es z.B. nur Völker, ``die der weißen Rasse angehören, sind als solche zu respektieren.'' In der Broschüre ``Der Weg vorwärts'' steht mit Bezug auf eine angebliche ``Flut farbiger Einwanderer'': ``Das dreckige Gesocks wird dann über uns herrschen, während unsere jüdischen Regierungen im Hintergrund wie immer die Fäden in der Hand halten.'' Daran anschließend wird ein ``weißer Gegenschlag in Form einer Endlösung'' beschworen, ``um dieses Problem zu bewältigen''. Für derartige Zielsetzungen stellt ``Blood & Honour'' ein Netzwerk mit ausgesprochen militantem und terroristischem Potenzial dar. Dies belegen u.a. Gewalt- und Mordaufrufe in ihren ``Kriegsberichter'' Videos, Waffen- und Sprengstofffunde bei ihren AktivistInnen oder die Teilnahme an paramilitärischen Übungen. Entsprechende Aktivitäten wurden auch in Ostwestfalen durchgeführt. Im ``Blood & Honour'' Magazin Nr. 9 berichtet ``Dirk für B&H Westfalen'' etwa über einen paramilitärischen sogenannten ``Orientierungsmarsch'', der in ``dementsprechender Kleidung'' im ostwestfälischen Raum durchgeführt wurde. Im politischen ``Kampf'' arbeitet die Sektion Westfalen eng mit der Kameradschaftsszene zusammen. Am 14./15. Juli 2000 verteilte die Sektion zusammen mit den Kameradschaften Minden und Bielefeld Flugblätter zu Ehren des ex-SS-Standartenführers und Regimentskommandeurs der ``Leibstandarte SS Adolf Hitler'', Jochen Peiper. Zudem wurden ``Gedenktransparente'' an Autobahnbrücken angebracht.

Trotz des Verbots gingen die Aktivitäten des Netzwerks in der ganzen Bundesrepublik weiter.Auch in Ostwestfalen gibt es mehrere Hinweise auf eine weitere Tätigkeit der Sektion. So fand am 20. Januar 2001 in Bad Eilsen ein Konzert statt, das als private Geburtstagsfeier getarnt wurde. Da viele ehemaligen ``Blood & Honour'' Mitglieder und Anhänger anwesend waren, wird es jedoch als Konzert der Organisation eingeschätzt. Am 31. März 2001 fand im ``Collegium Humanum'' ein Konzert mit gut 150 Teilnehmern statt. Dabei handelte es sich um einen Liederabend, auf dem die Sänger der Gütersloher Band ``Sleipnir'' und der schottischen Band ``Nemesis'' als Solisten auftraten. Die Veranstaltung wurde nicht nur von einem Angehörigen der verbotenen ``Blood & Honour'' Bewegung organisiert. Auch der Sänger von Nemesis, Jamie Hunter, ist nach Angaben der Londoner Zeitschrift ``Searchlight'' Kopf der schottischen ``Blood & Honour'' Division. Bezüge zu ``Blood & Honour'', das in der Szene nach dem Verbot auch mit dem zweiten und achten Buchstaben im Alphabet ``2 & 8'' codiert wird, zeigten sich auch am 12. Mai 2001 auf einem Konzert in Bünde.

Aufrufe zu Hass und Gewalt - Konzerte

Die Konzerte werden konspirativ organisiert. Die Werbung erfolgt durch Mund zu Mund Propaganda und dringt selten nach außen. Die Veranstalter sind ausgesprochen flexibel und im Falle eines Verbotes häufig in der Lage, ein Konzert noch am gleichen Tag zu einem Ausweichort zu verlegen. Die Veranstaltungen stellen daher oft rechtsfreie Räume dar, in denen ungeniert verbotene Symbole gezeigt und durch antisemitische und rassistische Parolen zum Hass angestachelt und zu Gewalt aufgerufen wird. Dabei werden die Beteiligten vor allem emotional angesprochen und aufgehetzt. Darüber hinaus sind die Veranstaltungen Umschlagplatz für verbotene und indizierte CD's und sonstige Devotionalien.

Neben Dirk Fasold sind vor allem Bernd Stehmann und MitarbeiterInnen von ``Unsere Welt'' in der Rechtsrockszene aktiv. Regelmäßig fahren sie selbst zu Konzerten in ganz Europa und nehmen dazu andere Jugendliche mit. Nach einem Bericht aus der Szene fuhren etwa am 14. Juli diesen Jahres KameradInnen aus Schaumburg, Minden und Bad Salzuflen zu einem Konzert nach Belgien. Dort trat neben ``Oidoxie'' und ``Landstorm'' auch die ostdeutsche Band ``Blitzkrieg'' mit dem alten Nazilied ``Die Fahne hoch'' auf. Durch diese Fahrten werden Kontakte und Bindungen geschaffen. Dabei entstehen Organisationen, die nicht durch Satzung und Mitgliedsausweis zu fassen sind, sondern die durch die Mechanismen eines sozialen Netzwerkes wirken. Eine Besonderheit, welche in der eingeschränkten Sichtweise von Staatsschutz und Verfassungsschutz zumeist keine Beachtung findet.

Nazikonzerte 2000-2001; Einige Beispiele aus der Region

Am 15. April 2000 sollte ein Neonazikonzert auf der Freilichtbühne Kahle Wart bei Oberbauerschaft im Wiehengebirge stattfinden. Geplant war der Auftritt von Bands wie ``Blutorden'', ``Oidoxie'' ``Hauptkampflinie'', ``Sturmtrupp'' oder ``Stahlgewitter''. AntifaschistInnen, die vor Ort protestierten und die Zufahrt zur Freilichtbühne blockierten, konnten zwar bewirken, dass den Neonazis die für eine ``Geburtstagsfeier'' angemeldeten Räumlichkeiten entzogen wurden. Ein um die Kahle Wart zusammengezogenes Polizeiaufgebot blieb allerdings untätig, als die Neonazis umdisponierten und das Konzert auf einen Bauernhof in Lotte-Halen/Kreis Steinfurt verlegten. Dort nahmen immer noch rund 250 Neonazis teil und ließen sich u.a. von der Dortmunder Band ``Oidoxie'' unterhalten.

Am 7. und 8. Oktober 2000 fand im Collegium Humanum das erste Tanz- und Musikfest der nationalrevolutionären Zeitschrift ``Wir selbst'' statt. Etwa 90 BesucherInnen waren nach Vlotho gekommen. Durch das eher folkloristische Programm führte der Liedermacher Friedrich Baunack von der extrem rechten ``Deutschlandbewegung''. Als Mitveranstalter und Koordinator traten zwei ostwestfälische Kameraden aus Bad Oeynhausen und Detmold auf.8

Am 20. Januar 2001 wurde ein als ``private Feier'' deklariertes Konzert in Bad Eilsen durchgeführt. Dort spielten nach einem Bericht aus der Szene die Bands ``Weiße Wölfe'' und ``Sleipnir'' sowohl eigene Lieder als auch Coverversionen von ``Landser'' und ``Skrewdriver''.9 Zu den gut 50 Besuchern gehörten Neonazis und zahlreiche ehemalige Mitglieder und Anhänger der verbotenen ``Blood & Honour'' Bewegung. Nach Angaben von AntifaschistInnen waren neben den Führungskadern der Region, Bernd Stehmann und Dirk Fasold, auch Jugendliche aus den umliegenden Dörfern anwesend.

Am 31. März 2001 kam es zu einzelnen Straftaten wie dem Zeigen des Hitlergrußes bei dem bereits zuvor erwähnten ``Liederabend'' im Vlothoer Collegium Humanum. Zu den gut 150 Teilnehmern gehörte auch der Vorsitzende des NPD-Kreisverbandes Minden. Bei der von einem Angehörigen der verbotenen ``Blood & Honour'' Bewegung geleiteten Veranstaltung traten die Sänger der Bands ``Nemesis'' aus Schottland und ``Sleipnir'' aus Gütersloh solo auf.

Am 12. Mai 2001 nahmen gut 120 Neonazis an einem Konzert in Bünde teil. Für die Veranstaltung war eine leerstehenden Fabrikhalle anlässlich der Feier des 30. Geburtstag eines Kameraden angemietet worden. Werden private Anlässe für die Anmeldung häufig nur vorgeschoben, um Vermieter über den wahren Charakter der Veranstaltung im unklaren zu lassen, wurde der in Bünde bekannte Aktivist Michael Stephan am 12. Mai tatsächlich 30 Jahre alt. Neben der Gütersloher Band ``Sleipnir'' traten ``Oidoxie'' aus Dortmund und ``Nordfront'' aus Hannover auf. Während sich die Polizei auf Vorkontrollen der Besucher beschränkte und von einem ruhigen Verlauf sprach, warf die ``Antifaschistische Aktion Bünde'' den Beamten vor, die Neonaziaktivitäten zu vertuschen.10 Zu Recht wie es scheint, denn ein Teilnehmer aus der Szene berichtet, in den Liedern von ``Oidoxie'' sei die britische Terrortruppe ``Combat 18'' verherrlicht worden. Unter anderem sei das Lied ``Hail Combat 18'' gespielt worden. Die 18 steht für den ersten und achten Buchstaben im Alphabet und bedeutet in der Nazicodierung ``Adolf Hitler''. Es ist darüber hinaus amtlich bekannt, dass es bei Konzerten mit ``Oidoxie'' immer wieder zu ``Sieg-Heil'' Rufen und Propagandadelikten kommt." ``Nordfront'', die dritte Band des Abends, die mit Titeln wie ``Werft sie raus'' auftrat, gab auch eine Coverversion der mittlerweile nicht mehr existierenden britischen Nazikultband ``Skrewdriver'' zum Besten und besang ``Blood & Honour''.

Menschenverachtend ``gegen Ausländer gehetzt'' -

Die ostwestfälischen Nazi-Bands

Schon Anfang der 90er Jahre bestand in der Region die relativ bekannte Naziband ``Werwolf''. ``Wir müssen kämpfen für unsere Rasse, deutsches Volk, beweise deine Klasse'' reimten die fünf Gütersloher. Bei einer Hausdurchsuchung, die sich eigentlich auf ein Verfahren wegen Volksverhetzung bezog, wurden bei den Bandmitgliedern neben etlichen strafwürdigen Musikkassetten und Videos auch 6,8 kg Sprengstoff gefunden. Nach der Auflösung von ``Werwolf'' sind in Ostwestfalen mit ``Sleipnir'' und ``Reichswehr'' derzeit zwei Bands bekannt, die zur Neonaziszene gehören.

``Sleipnir''

Die weitaus bekanntere ist die dreiköpfige Band ``Sleipnir'' aus Gütersloh mit einer Kontaktadresse in Bad Salzuflen. Sie spielt harten Rechtsrock, pflegt aber auch den in der Szene beliebten Balladenstil. Vor allem der Sänger tritt gelegentlich solo mit Balladen auf, versteht sich als Szeneangehöriger und verfügt über langjährige Kontakte zu den ``Jungen Nationaldemokraten'' (JN). In einem Interview in ``Unsere Welt'' äußerte er: ``Die JN ist eine nationalistische Organisation, die ich deswegen unterstütze. Ich unterstütze grundsätzlich alle nationalistischen Organisationen''.12 Themen der Lieder sind die Kriegschuldlüge oder eine angebliche Versklavung des deutschen Volkes. Mangelnde musikalische Qualität wird durch harte rassistische Texte mit NS-Bezügen und neonazistische Hass- und Kampflieder wettgemacht. Die Sleipnir-CD ``Mein bester Kamerad'' wurde vom Amtsgericht Ulm wegen Volksverhetzung eingezogen. In der Begründung heißt es u.a. der Titel ``Finde Deinen Weg'' hetze ``in menschenverachtender Weise gegen Ausländer, (...) indem er sie zu Parasiten herabwürdigt, die kein Recht hätten in Deutschland zu leben''.13 Auch der Sampler ``Der Angriff beginnt'', an dem die Band beteiligt ist, wurde indiziert. Auf einem Konzert in Meschede am 27. Juli 1996, auf dem Sleipnir auftrat, kam es mehrfach zu ``Sieg Heil''-Rufen und zum Zeigen des ``Hitler-Grußes''. Die Band ist in jüngster Vergangenheit mehrfach in Ostwestfalen aufgetreten, nimmt aber auch an internationalen Konzerten teil. So war sie etwa am 21.4.2001 zum ``1. Internationalen Hooligan Fest'' in Zagreb/Kroatien eingeladen.

``Reichswehr''

Die zweite ostwestfälische Naziband, ``Reichswehr'' aus Minden, kann noch keine Veröffentlichungen nachweisen und ist über den Proberaum noch nicht hinausgekommen. Bekannt geworden sind bislang nur Proberaum-Partys. Eine dieser Partys wurde nach dem Bericht eines Teilnehmers am 3. Juli 1999 von ``Blood & Honour'' Westfalen organisiert. Demnach bestand das Repertoire nur zum Teil aus eigenen Liedern und hauptsächlich ``aus Coverversionen verschiedenster Gruppen, wie z.B. `Tonstörung' sowie `Skrewdriver' und vielen, vielen Stücken von `Landser'!''.15 Diese Bands gehören zur harten Szene und den Legenden unter den Nazibands. Tonstörung u.a. wegen der Neuveröffentlichung des SA-Liedes ``Blut muß fließen'', die Mitglieder von ``Landser'' wurden am 6. Oktober 2001 unter dem Vorwurf verhaftet, mit der Band eine kriminelle Vereinigung gegründet zu haben. Keine der drei von der Band erschienenen CD's ist legal erhältlich.

``Wer für sein Volk kämpft'' - Das Geschäft mit dem Rechtsrock

Musik ist zum Ideologieträger Nr. 1 geworden. Konzerte und Tonträger der Szene stellen aber nicht nur harte Nazipropaganda dar, sondern auch eine wichtige Einnahmequelle. Allein die Produktion von deutschen Rechtsrockbands in der Bundesrepublik umfasst seit Anfang der 90er mehr als 500 CD's in Auflagen von wenigen Hundert bis zu 15.000. Dazu kommen Produktionen ausländischer Bands und jene Tonträger, die aufgrund offensichtlich verbotener Inhalte gleich im Ausland produziert und vertrieben werden. Das Produktions- und Versandgeschäft weist hohe Gewinnanteile auf und beliefert einen erheblichen Markt, auf dem Millionen D-Mark umgesetzt werden. Es umfasst nicht nur Tonträger, sondern auch Devotionalien aller Art, szenegerechte Kleidung vom T-Shirt bis zur Gürtelschnalle, Fahnen, Bücher, Aufnäher oder Aufkleber. Diese Produkte werden in einschlägigen Szeneläden, vor allem aber im Versandgeschäft vertrieben. Teilweise sind sie auch in manchen US-Shops erhältlich. Viele Vertriebsstrukturen, vor allem mit verbotenen Tonträgern werden illegal abgewickelt, einerseits über das Ausland, andererseits über ein Schneeballsystem in der Bundesrepublik. Zentrale Versände liefern dabei Einzelpersonen mehrere CD's, die diese wiederum auf Konzerten in der Kameradschaft oder im Freundeskreis verkaufen. Am 14. Juni 2000 wurden bei fünf Hausdurchsuchungen in Blomberg, Bad Salzuflen, Lage, Leopoldshöhe und Lügde zahlreiche Tonträger mit volksverhetzenden und gewaltverherrlichenden Inhalten sichergestellt. Dabei wurden auch Unterlagen gefunden, die auf weitere Vertriebsstrukturen hinwiesen. Anlass für die Durchsuchungen war ein Ermittlungsverfahren gegen eine Person, die bundesweit 7.000 Kunden belieferte. Die Staatsanwaltschaft Duisburg hatte daraufhin 951 Verfahren eingeleitet.16

Z-Versand

Der ``Zündstoff-Verlag'' oder ``Z-Versand'' aus Clarholz im Kreis Gütersloh vertreibt zwar auch Tonträger, der größte Teil des Angebots besteht jedoch aus sonstigem Szenebedarf. Die Kataloge enthalten Szenekleidung vom Stiefel über T-Shirt bis zum Kapuzenhemd, Armreifen mit Runenschrift, Anstecker, Anhänger, Aufkleber, Poster oder Wimpel. Die Motive reichen von Parolen wie ``Ich bin stolz Deutscher zu sein'' über ``White Power'', Reichsadler, Runen bis zu soldatischen Bildern aus dem Zweiten Weltkrieg, die mit dem Slogan ``Wer für sein Volk kämpft ist immer im Recht'' unterschrieben sind. Darüber hinaus sind Rudolf-Hess-Plakate, Naziskin- und Hooliganbedarf im Angebot.

Werbung für den Zündstoff-Verlag sind in ``HNG-Nachrichten'' oder auf der Neonazi-Hompage ``Der Weiße Wolf'' erschienen. Der Z-Versand weist etliche Ähnlichkeiten mit dem verbotenen ``Klartextversand'' der ebenfalls verbotenen ``Nationalistischen Front'' (NF) auf. In seiner letzten öffentlichen Erklärung nannte der ehemalige NF-Vorsitzende Meinolf Schönborn die Telephonnummer des Z-Versandes als Kontaktmöglichkeit. Auch dem Informationsdienst ``Blick nach rechts'' liegen szeneinterne Informationen vor, nach denen hinter dem Verlag Schönborn steckt.18

US-Shop Meier

Szenekleidung und -bedarf unterschiedlichster Art, können auch in zentraler Lage in Bielefeld erworben werden. Der US-Shop Meier am Kesselbrink führt nicht nur militärische Kleidung und Bedarfsgegenstände für Orientierungsmärsche. Neben beliebten Szenemarken wie ``Pitbull'' und ``Lonsdale'', die allerdings nicht nur von der Szene getragen werden, finden sich im Angebot auch einschlägige Aufnäher. Anstecknadeln mit der Reichskriegsfahne, der legendären Rechtsrockgruppe ``Störkraft'' oder mit der Aufschrift ``88'', was im Neonazicode soviel wie ``Heil Hitler'' bedeutet, weisen darauf hin, dass die Betreiber bewusst handeln.

LUWI-Tonträger

Mit Produktion und Vertrieb von Tonträgern neonazistischer Bands befasst sich in Ostwestfalen unter anderem die Firma ``LUWI-Tonträger'' aus Gütersloh. Die Firma wurde Ende 1998 gegründet und wird von Lutz und Madien Willert betrieben. Die Willerts gehören nicht nur zur Neonaziszene, im Gegensatz zu etlichen kommerziell orientierten Versandgeschäften unterstützen sie diese auch finanziell. Unterstützt wird durch ``LUWI-Tonträger'' unter anderem die Gefangenenhilfsorganisation HNG und das für die ``Wiederherstellung des Deutschen Reiches'' eintretende Berliner ``Radio Germania''. Für Kampagnen können bei LUWI auch passende T-Shirts bestellt werden, etwa für die Kampagne ``Nationalisten gegen Kinderschänder'' oder zugunsten von Prozesskosten der HNG-Vorsitzenden Ursel Müller. Die zweite von ``LUWI-Tonträger'' produzierte CD, ein Sampler mit dem Titel ``Der Angriff beginnt'', enthält durchweg neonazistische Gruppen und Texte, in denen ein Krieg zur Wiederherstellung des Deutschen Reiches beschworen, die Nationalsozialistische Wehrmacht verherrlicht oder rassistische Parolen gegrölt werden. Die CD wurde durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indiziert. Die Entscheidung stellte u.a. ``Aufforderung zur Fremdenfeindlichkeit'' und eine ``Aufforderung zur Wiederentstehung des Nationalsozialismus in Deutschland'' fest.19 Bei ``LUWI-Tonträger'' erscheinen auch die Machwerke der Gütersloher Band ``Sleipnir''

1) Drahtzieher im braunen Netz. Hamburg. 1996

2) Interview mit einer Antifagruppe aus Schaumburg,

3) NW 13.6.2001

4) Weiß,M. Begleitmusik zu Mord und Totschlag, in: White Noise, Hrsg. Von Searchlight u.a.. Hamburg/ Münster 2000

5) nach Verbotsverfügung des BMI, 12.9.2000

6) Weiß, M., Begleitmusik zu Mord und Totschlag

7) Verbotsverfügung des BMI vom 2. September 2000

8) Zwischenbericht des LfV NRW für 2001

9) Lagebericht polizeilicher Staatsschatz für 2000, Bielefeld, Februar 2001

10) Webseite der ``Kameradschaft Weserberg!and" 5.11.2001

11) NW 29.5.2001 und NW 1.6.2001

12) Verfassungsschutz NRW

Skinheads und Rechtsextremismus, 4. überarb. Auflage,

Juni 2001

13) unsere Welt Nr. 1,o.D.(ca. 1997) 14) JMS-Report, Februar 1/1999

aus dem Einziehungsbeschluss des Amtsgericht

Ulm, AZ:65 Ds 11 JS 498/98-

6 AK 26/98 15) Landtag NRW, Drucksache

13/1146. Düsseldorf, 2001 16) ``Weisse Liga'', Nr. 8/99 17) Lagebericht polizeilicher

Staatsschutz für 2000,

Bielefeld. Februar 2001 18) Interview in ``Feuer & Sturm"

Nr. 9, o.J. (ca. Anfang 2000) 19) Entscheidung Mr. 5932 vom

6.2.2001, in Bundesanzeiger

Nr. 41 vom 28.2.2001 20) blick nach rechts, 16.11.2000

(Artikel aus: Stop Lifestyle of Hate, die extreme Rechte in OWL, Bielefeld, Januar 2002)