Tanzen kann toll sein – aber nicht mit Nazis!
Am 14. März 2009 sollte es wieder so weit sein, im großen Saal des Bürgerhauses in Bad Oeynhausen-Rehme sollte der „9. Ostwestfälische Volkstanzball“ stattfinden. Eigentlich kein Thema für AntifaschistInnen. Da aber der Organisator der Veranstaltung, Gerd Rothe, ein ausgewiesener Nazi ist, der gerade im kulturell- religiösen Bereich aktiv ist, war der Ball doch von Interesse für AntifaschistInnen. Der Ball wurde jedoch am heutigen Tag abgesagt, zu wenig Menschen wollen mit dem Neonazi Rothe tanzen!
Das Problem...
... des Volkstanzballes liegt nicht im Volkstanz an sich. Der überwiegende Teil der Volkstänzer begreift sich und den Volkstanz nicht als Ausdrucksform einer „Blutsgemeinschaft“ oder einer kulturell determinierten „Volksgemeinschaft“, sondern hat Spaß am Tanzen verschiedenster Tänze diverser Traditionen, wie beim alle zwei Jahre stattfindenden internationalen Folklore- und Trachtenfest in Schwalenberg, welches Hunderte von Aktiven und Besuchern anzieht, fern ab völkischer Ideologie. Das Problem mit dem Ostwestfälischen Volkstanzball liegt, wenn auch nicht nur, so doch vor allem in seinem Veranstalter Gerd Rothe.
Gerd Rothe...
... ist zwar ein eingefleischter Rechtsextremist, aber keiner, der Baseballschläger schwingend durch die Straßen zieht. Er ist eher einer, der im Kulturbereich oder am Rand von kleinen neonazistischen Organisationen aktiv ist.
Gerd Rothe ist seit Jahren Aktivist der neonazistisch-religiösen „Artgemeinschaft“. Diese „Artgemeinschaft“ will aus rassistischen und insbesondere antisemitischen Gründen das Christentum durch einen „nordisch-germanischen“ Glauben ersetzten. Die Artgemeinschaft meint, ein solcher Glaube sei der „Rasse der Germanen/Arier“ angemessener als der christliche Glaube.
Rothe war nicht nur einfaches Mitglied, sondern trat als Organisator von Veranstaltungen der Artgemeinschaft auf. Er war auch Leiter einer regionalen Untergliederung der Artgemeinschaft, dem „Freundeskreis Wittekindsland“. Über Jahre hinweg hat Rothe auch in neonazistischen Magazinen, wie in Nation & Europa, oder der NPD-Parteizeitung „Deutsche Stimme“ Anzeigen geschaltet, in denen er seine Dienste als heidnischer Trauerredner anbot. In letzter Zeit fiel er dadurch auf, dass er zusammen mit der verurteilten Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck (Vorsitzende des 2008 verbotenen Collegium Humanums in Vlotho) auftrat. So ergriff er auf einer Veranstaltung, die sich mit der rechten Szene im Collegium auseinandersetzte, für das Collegium und Frau Haverbeck das Wort. Haverbeck war auch vor Ort, als Rothe am Volkstrauertag 2008 in Bad Oeynhausen eine skandalöse Rede hielt. Im Rahmen dieser Rede bei der Veranstaltung der Bürgerschützen 05 leugnete er die Kriegsschuld der Deutschen und stilisierte diese zu den eigentlichen Opfern des Zweiten Weltkrieges.
Es ist ein Problem, dass Rothe der Veranstalter des Volkstanzballes ist. Rothe lädt auch andere Rechtsextremisten ein, bzw. er zieht andere Rechtsextremisten an. So nahmen nach Aussagen ehemaliger Teilnehmer in den letzten Jahren immer mehr Personen am Volkstanzball teil, welche ihrem Äußeren nach eher in die 1930er Jahre passen würden. Zumindest für das letzte Jahr ist die Teilnahme von Mitgliedern des „Freibundes“ belegt. Der Freibund ist eine rechte Jugendorganisation mit völkischer Ausrichtung, die der bündischen Jugend entstammt. In der Zeitschrift des Freibundes „Na klar!“ erschien ein Bericht über den Ball. Den Mitgliedern wurde nahe gelegt, den Ball im Jahr 2009 zu besuchen.
Wir trauern nicht mit Nazis...
Die Rede von Rothe beim Volkstrauertag 2008 hatte Folgen. Öffentlich wurde seine Rolle in der rechten Szene thematisiert, es wurde klar, dass er nicht einfach ein Mitläufer ist oder einen dummen Spruch gemacht hat, sondern dass er seit Jahren aktiv in der neonazistischen Szene aktiv ist. Die Konsequenz war, dass Rothe ausgeschlossen wurde und weitgehend isoliert ist.
… und tanzen auch nicht mit ihnen
Das gilt scheinbar auch für die Volkstanzszene. Eine Reihe von Teilnehmern und Teilnehmerinnen berichtete, dass ihnen schon im letzten Jahr die steigende Zahl an Mittänzern im Stil der 1930er Jahre negativ aufgefallen seinen. Alarmiert durch den Vorfall am Volkstrauertag, meldeten sie sich nicht mehr zur Teilnahme an. Das scheint auch für die Unterstützer zu gelten. Bis auf den Leiter des Leopoldshöher Volkstanzkreises Siegfried Fuchs, der Rothe weiterhin die Stange hielt, zogen sich auch diese zurück. Rothe ersetzte die Tanzleiter mit Personen aus der völkischen Szene. Das wird seinen Volkstanzball jedoch nur weiter in die Isolation treiben.
Abstimmung mit den Füßen erfolgreich
Jenen Volkstänzer und Volkstänzerinnen, die den Volkstanz als einen Spaß zur Völkerverständigung verstehen, sei gewünscht, dass sie am 14.3.2009 irgendwo anders viel Spaß am gemeinsamen Tanz finden. Durch ihre Verweigerung, an Rothes Event teilzunehmen, haben sie ihre weltoffene Einstellung zum Ausdruck gebracht und der völkischen Szene eine Absage erteilt. Diesen Personen wünschen wir alles Gute. Dem Volkstanzball von Rothe wünschen wir hingegen, dass er nicht mehr auf die Füße kommt.
Im diesem Sinne:
Tanzen ist toll!
Aber nicht mit Nazis
Verbot des Collegium Humanums verschlafen?