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Verlag Burkhard Weecke

Schwarze Sonne der SS

Unweit der Externsteine, In Horn-Bad Meinberg,, hat sich der Verlag Burkhart Weecke niedergelassen. Der Verlag ist ein wichtiges Standbein des neonazistischen ``Thule-Seminars''.

Das ``Thule-Seminar'' ist eine Strömung, die sich wie die sogenannte ``Neue Rechte'' dem Kulturkampf im vorpolitischen Raum verschrieben hat, der sogenannten ``Metapolitik''. Während die ``Neue Rechte'' jedoch versucht, eindeutige Bezüge zum Nationalsozialismus zu vermeiden und ihn stattdessen neu und modern zu formulieren, blieb das ``Thule-Seminar'' dem NS-Geist immer verhaftet. Schon die Benennung nach der alten ``Thule-Gesellschaft'' zeigt Kontinuität. 1918 gegründet, stellte sie einen okkulten Orden dar, aus dem mit Adolf Hitler, Heinrich Himmler, Hermann Göring oder Julius Streicher zahlreiche führende Nazis hervorgingen.

Europäisches Rassebewusstsein

Im Zentrum der vom ``Thule-Seminar'' verbreiteten Weltanschauung stehen ein biologistisches Menschenbild, heidnisch-germanischer Fundamentalismus und eine Ideologie der Ungleichheit. Auf dieser Grundlage wird versucht, europäische Identität und europäisches Rassebewusstsein zu begründen. In der 1986 gegründeten Zeitschrift ``Elemente'', deren Chefredaktion Burkhart Weecke übernahm, war noch eine Zusammenarbeit mit Strömungen der europäischen ``Neuen Rechten'' sichtbar. Die aufwendig gestalteten Hefte mit eher schwer lesbaren Beiträgen sind weniger für die Massenpropaganda konzipiert, als für die Verfestigung neonazistischer Weltanschauung beim eigenen Klientel. Dabei hoffen die Autoren auf eine Multiplikatorenwirkung ihrer Zeitschriften, Bücher und Schriften, die im Verlag Burkhart Weecke oder bei den traditionellen Verlagen der extremen Rechten wie dem Grabert- und Hohenrain-Verlag erscheinen.

Das ``Thule-Seminar'' auf seine pseudowissenschaftliche Funktion zu reduzieren hieße jedoch, den kämpferisch-militanten Charakter zu verkennen. Dieser wird nicht nur durch den Vertrieb von Aufklebern wie ``Rasse ist Klasse'' oder ``Entdecke die Wurzeln Deines Volkes'' signalisiert. Die Aktivisten bemühen sich aktiv die rassistische und nazistische Weltanschauung auch in die gewalttätige Neonaziszene zu vermitteln. Nach Angaben der Zeitschrift ``blick nach rechts'' führte der Vorsitzende des Thule-Seminars, Pierre Krebs, schon Ende der 8oer Jahre im Zentrum der ``Nationalistischen Front'' in der Bielefelder Bleichstraße Kaderschulungen durch und organisierte Fahrten zu Gesinnungsgenossen nach Frankreich. Über eine dieser Fahrten, eine Sonnenwendfeier unter Beteiligung von Krebs und den Altnazis Otto Ernst Remer und Leon Degrelle, berichteten die jungen Neonazis: ``Hier tritt eine neue Generation in den Kampf. Zur Zeit mit anderen Mitteln als die Kameraden der Waffen-SS, doch in einen Kampf, der letztlich an Härte und Bedeutung alles dagewesene in den Schatten stellen wird.''1

SS-Symbolik

Nachdem es um das in Kassel beheimatete ``Thule-Seminar'' relativ ruhig geworden war, erschien im Winter 1999/ 2000 die neue Zeitschrift ``METAPO'' unter der Leitung von Pierre Krebs und Burkhart Weecke. Das ebenfalls aufwendig gestaltete Heft richtet sich im Gegensatz zu ``Elemente'' an eine breitere Öffentlichkeit und soll ``große Verbreitung bei Jugendlichen finden''. Schon im Geleitwort wird eine europäische Rasse konstruiert, die an einer ``hellen Hautfarbe sowie an der in seinem Blut angelegten geistig-seelischen Originalität'' erkennbar sei. Unverhohlenen biologistischen Rassismus stellen die Aussagen des Thule-Mitbegründers Prof. Jaques de Mahieu dar. Mahieu, der nach dem 2. Weltkrieg aus Frankreich nach Argentinien emigrierte,2 schreibt ``Wider die egalitäre Naturrechtlerei'' gegen das Postulat von der Gleichheit der Menschen: ``Um sie einander gleich zu machen, muß man sie auf den niedrigsten gemeinsamen Nenner bringen. (...) Das bedeutet vom kulturellen Gesichtspunkt aus, daß nicht die Hottentotten auf das Niveau der Europäer gehoben werden (was wegen der Beschaffenheit des Gehirns der ersteren nicht möglich ist), sondern die Europäer auf dasjenige des am wenigsten schöpferischen afrikanischen Volkes herabgedrückt werden.''3 Unter den weiteren Autorinnen findet sich auch Professor Hans-Jürgen Hagel aus Detmold, der in der Öffentlichkeit als Funktionär der extrem rechten ``Ostpreußenhilfe'' und Referent der neuheidnischen Sekte ``Die Goden'' bekannt geworden ist. Zudem unterzeichnete Hagel den revisionistischen ``Appell der 100''. Bislang erschienen vier Ausgaben der ``METAPO''. Mit der vierten Nummer wurde das Blatt vorläufig eingestellt. Das ``Thule-Seminar'' ist jedoch weiter aktiv. Um Jugendliche anzusprechen, können beim Ariadne-Versand in Kassel Fanartikel, vom ``Kapuzenhemd'' über Krawattenklemmen bis hin zum ``Julleuchter'' mit dem SS-Symbol der ``Schwarzen Sonne'' bestellt werden. Eine Plakatreihe zeigt faschistische Graphik, so ein Bild des sog. ``Obergruppenführersaals'' der Wewelsburg.

Rituelle Weihestunden

Gleichwohl ist das ``Thule-Seminar'' keine Massenorganisation, sondern versteht sich als ``Avantgarde'' und ``Minderheit''. An einer geschlossenen Fördermitgliederversammlung, die am 4. Juli 1998 auf Gut Rothensiek bei Horn-Bad Meinberg stattfand, nahmen z. B. nur etwa 30 Personen aus dem In- und Ausland teil. Der kleine Kreis des ``Thule-Seminars'' versucht, mangelnde Breitenwirkung durch elitären Kult und Überheblichkeit wettzumachen. Ein Bericht über die 2. Metapo-Werkstätte beschreibt eine schwülstig spirituelle ``Weihestunde'' zur Aufnahme von neuen Mitgliedern: ``Mit dieser Weihestunde im kleinsten Kreis wurden der Konvent des `Thule-Seminars' und die 2. Metapo-Werkstätte eingeleitet. Die Verschwiegenheit der Beteiligten zu diesem einschneidenen Geschehen ist das unsichtbare Band, das den neuen Orden eint''. Auf dem Treffen, das am 6. November 1999 stattfand, kamen die Thuleanhänger überein, sich durch einen Ehrenkodex ``von der übrigen Welt deutlich abzusetzen''. Auf diesen Anstandsregeln solle zukünftig eine ``eigene Gerichtsbarkeit aufbauen''.4 Zur Reaktivierung der Arbeit sind Ende der 90er Jahre sogenannte ``Metapolitische Zellen'' auf örtlicher Ebene gegründet worden, um die Weltanschauung des Thule-Seminars zu propagieren. Dazu gehören in Ostwestfalen die Untergruppen ``Widukind'' (Westfalen) und ``Haushofer'' (Stemwede)

1) AK Neue Rechte (HG), Thule-Seminar, Kassel. 1990 vgl. blick nach rechts. Juni 89 vgl. Info-Blatt der NF 3/88

2) blick nach rechts. 9.3.2000

3) METAPO Nr. 1

4) METAPO Nr. 1, Winter 1999/2000

5) Homepage des AK Haushofer, 3.10.2001

6) Arbeitskreis Kar! Haushofer, No. 10, 3800 n.St. (2000)

(Artikel aus: Stop Lifestyle of Hate, Die extreme Rechte in OWL, Bielefeld, Januar 2002)