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Bielefelder Neonazi Mehrheitsgesellschafter des Zentralversandes

Bernd Stehmann ist Mehrheitsgesellschafter der "FSN Medien Zentralversand GmbH", die den gleichnamigen "Zentralversand" betreibt. Damit dürfte der Statthalter der "Freien Kameradschaften" in Bielefeld seinem Traum von einer hauptberuflichen Karriere als Neonazi einen Schritt näher gekommen sein. Bei dem Versandgeschäft handelt es sich um den bundesweit zentralen Versand der "Freien Kameradschaften", dem wohl größten Netzwerk von Neonazigruppen in der Bundesrepublik.

"Hitler ganz privat" - Der Zentralversand in OWL

Hakenkreuzarmbinden werden dort zwar nicht angeboten, aber beispielsweise das Video "Der Berghof - Hitler ganz privat" oder ein Buch über den Hitlerstellvertreter Rudolf Hess "mit wunderschönen Aufnahmen aus seiner Zeit", wie es im Werbetext heißt.(1) Das Angebot dient der einschlägigen Ausstattung von Neonazis: Bücher über den "Artglauben" und "Germanisches Heldentum", Tonträger von Gruppen wie "Blutrausch", "Kraft durch Froide" oder "White Nation", Reichskriegsfahnen, kitschige Wikingerplakate, Keltenkreuze und Thorhammer als Anhänger oder "Rudolf Hess T-Hemden" im Sonderangebot. Auch regionale Erzeugnisse stehen zum Verkauf. Unter den Magazinen finden sich etwa die drei in Ostwestfalen herausgegebenen Zeitschriften, "Unsere Welt", "Skinhead Meeting" und "Herrlich Hermannsland". Das Videoangebot enthält den Streifen "Heinrich Himmlers Burg - Die Wewelsburg".

Kontaktmann der NPD als Geschäftsführer

Der Verkauf neonazistischen Szenebedarfs, von Kleidung über Bücher, Zeitschriften und Tonträger bis hin zu Aufnähern, Aufklebern, Gürtelschnallen und Fähnchen ist ein zukunftsweisendes Geschäft geworden, das erhebliche Umsätze verspricht. Von diesem Gedanken ließen sich auch die "Freien Kameradschaften" leiten. Ihr "Zentralversand" sollte nach Eigenangaben "zu dem zentralen Versand des Nationalen Widerstandes werden".(2) Im Juni 1999 gründeten sie daher die "FSN Medien Zentralversand GmbH" mit Sitz in Teldau (Kreis Ludwigslust). Gegenstand der Firma sollte laut Eintragung im Zentralen Handelsregister der Versand von "Fun"-Kleidung und "Fun"-Artikeln sowie die Herstellung von Tonträgern und anderen Musik- und Printmedien sein. Erster Geschäftsführer war Oliver Lühr.(3) Tatsächlich dümpelte der Versand mit vergleichsweise schmalem Angebot lange vor sich hin. Ein nennenswertes Sortiment wird nach der Übernahme der Geschäftsführung durch Alan Salkeld am 9. August 2001 angeboten.(4) Zwar soll nach Angaben der Betreiber der Firmensitz immer noch in Teldau liegen, das Geschäft wird jedoch über ein Konto in Bad Oeynhausen und ein Postfach in Bielefeld abgewickelt. Auch Alan Salkeld kommt aus Ostwestfalen. Der Neonazi wurde von der NPD zusammen mit dem Herforder Markus Spilker als Kontaktmann für die Kreise Herford/Lippe angegeben.

Von den Anteilen der Gesellschaft hält nach einem Unternehmensbericht Bernd Stehmann mit 60,12 Prozent die Mehrheit, Kai Schubert mit 39,88 Prozent den kleineren Teil. Stehmann liebäugelt schon länger mit einer einschlägigen Berufskarriere. 1999 versuchte er nach Angaben des Stadtblattes, den "Nibelungen-Versand" zu übernehmen, und suchte dafür Geschäfts- und Lagerräume. Der "Nibelungen-Versand" war damals "offizieller" Vertrieb der später verbotenen Organisation "Blood & Honour".(5) Auch durch die Herausgabe des Magazins "Unsere Welt", einer Zeitschrift, die Berichte über Nazibands- und Konzerte mit extrem rechter Politik verknüpft, hat Stehmann sich einen Namen in der lukrativen Rechtsrockszene gemacht.

Enge Verbindungen zur illegalen NSDAP/AO

Die Mitwirkung eines anderen Neoanzis zeigt die immer noch engen Verbindungen der regionalen Szene zur illegalen NSDAP/AO in den USA. Gary "Rex" Lauck, Chef der Organisation, registrierte die Domain für die Website des Versands. Die Verbindungen zu dem NS-Nostalgiker, der seit den 70er Jahren den "NS-Kampfruf" und massenweise andere einschlägige Schriften in die Bundesrepublik einschleust, sind nicht neu. Das "AO" im Namen der Gruppe steht gleichermaßen für Auslands- und Aufbauorganisation. Während Lauck die Auslandsorganisation repräsentiert, agiert die Aufbauorganisation in der Bundesrepublik. Unter massiver Beteiligung von Verfassungsschutzagenten in den 70er Jahren gegründet, spinnt sie ihre Fäden bis in die heutige Zeit. Experten gehen davon aus, dass ein großer Teil der führenden Neonazis Mitglied der Organisation sind.(6) Bis 1995 trieb die Wehrsportgruppe "Heimatschutzcorps Ostwestfalen" ihr Unwesen in der Region. Bei den 13 Neonazis, die sich auch "Leibstandarte Adolf Hitler" nannten, wurden Waffen und NS-Uniformen gefunden. Chef war Peter Schulz, NSDAP/AO-Mitglied und V-Mann des Verfassungsschutzes. Er bekam nach eigenen Aussagen seine Anweisungen direkt aus den USA und musste Tätigkeitsberichte der Wehrsportgruppe an Laucks Zentrale in Lincoln/Nebraska schicken. Dort wurde etwa über Uniformierung und Bewaffnung der Truppe entschieden, um mit weiteren Gruppen in der Bundesrepublik zu einer einheitlichen Vorgehensweise zu gelangen.

Gewinnorientierte Neonazipropaganda

Die Ausweitung neonazistischer Geschäfte in Ostwestfalen weist auch auf die gestiegene Nachfrage einer größer werdenden Szene hin. Mit dem "Zentralversand", dem Z-Versand in Clarholz, "Christhunt-Productions" in Leopoldshöhe, Internetversänden in Bad Salzuflen und im Kreis Gütersloh oder den einschlägigen Angeboten etlicher Tattooläden und US-Shops verfügt die Szene mittlerweile über eine kleine wirtschaftliche Infrastruktur. Hier werden hauptberuflich Rassismus und Nationalismus verbreitet. Die Gewinne ernähren nicht nur die neonazistischen Propagandisten, sondern fließen nicht selten zurück in die politische Arbeit.

(Update der Artikel "Neonazistischer Zentralversand in OWL" und "OWL-Neonazis haben enge Verbindung zu NSDAP/AO", Antifa West, September 2003)

(1) Website des Zentralversandes 17.3.2003
(2) Zentralorgan Nr. 6, Hamburg 1999, zit. Nach White Noise, Münster, 2001, S. 85
(3) Zentralhandelsregister, Neueintragung vom 29. Juni 1999, ZHR-19990729-0139-78425-016
(4) Ebd., Veränderung vom 4. September 2001, ZHR-20010904-0165-56072-033
(5) Bielefelder Stadtblatt, 7. Oktober 1999 (6) Vgl. Drahtzieher im braunen Netz, Berlin, Amsterdam, 1992