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Gemeinsame Erklärung der sechs Bielefelder Ashkalifamilien

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Wir haben uns entschieden, zu diesem Zeitpunkt nicht "freiwillig" in unsere Heimat zurückzukehren, auch wenn wir deswegen bei der Düsseldorfer Zentralen Ausländerbehörde zur Abschiebung angemeldet werden. Man hat uns gesagt, wir müssten dann damit rechnen, in nächster Zeit mit Polizeigewalt abgeschoben zu werden. Wir hoffen, dass das verhindert werden kann.

Wir vertrauen auf die Mitarbeiter der UNMIK in unseren Heimatorten, die letztlich entscheiden werden, ob wir gegen unseren Willen abgeschoben werden können. Ihnen werden wir diesen Text zuschicken.

Es gibt unterschiedliche Roma-Gruppen in Kosovo. Auch wenn sie sich nicht "Roma" nennen, sondern "Ashkali" oder "Ägypter", so sind sie doch alle für die albanische Bevölkerungsmehrheit in Kosovo "madjup", das ist ein Schimpfwort für Zigeuner.

Nach dem Einmarsch der NATO-Truppen im Juni 1999 sind die meisten der noch in Kosovo verbliebenen Roma, also auch die Ashkali und Ägypter, von zurückkehrenden Albanern verjagt worden, ihr Besitz wurde geraubt, ihre Häuser verbrannt oder besetzt. Viele unserer noch in Kosovo lebenden Verwandten und Freunde waren betroffen. Zu der Zeit waren wir schon lange in Deutschland. Wir alle sind 1990 nach Deutschland gekommen und haben damals zusammen mit vielen Albanern Asyl beantragt wegen der Verfolgung durch serbische Polizei und die serbische Miliz . Unsere Asylanträge wurden abgelehnt, wir konnten aber wegen der Kriege und wegen eines gegenüber Serbien verhängten Embargos nicht abgeschoben werden. Auch nach 1999 war eine Rückkehr nicht möglich, weil die UNMIK – Verwaltung in Kosovo nicht für unsere Sicherheit garantieren konnte.

Inzwischen sind wir 13 Jahre in Bielefeld. All die Jahre haben wir ohne Aufenthaltsgenehmigung, nur mit einer Gestattung oder Duldung, leben müssen, d.h. ohne Recht auf Arbeit, Ausbildung, Freizügigkeit. Man sagte uns: "Ihr könnt ja freiwillig nach Hause gehen, darum steht euch kein Aufenthaltsrecht zu." Aber wie konnten wir nach Hause gehen, solange die UNMIK nicht in der Lage war, uns vor radikalen Albanern zu schützen? Einen neuen Asylantrag konnten wir auch nicht stellen, denn unsere Verfolgung in Kosovo war keine "staatliche" Verfolgung. Wir sind also hier geblieben und haben gehofft, dass es doch irgendwann zu einer positiven Lösung kommen könnte.

Und nun haben wir diese Briefe von der Stadt bekommen. Oft schon sind wir aufgefordert worden, freiwillig nach Kosovo zurückzukehren, aber noch nie hat man uns für den Fall der Verweigerung so eindeutig mit Abschiebung gedroht. Ist das "Freiwilligkeit"?

Die Situation in unserer Heimat ist immer noch gefährlich für uns. Der UNHCR vertritt in seiner Stellungnahme vom Januar 2003 die Auffassung, dass "...insbesondere Kosovo-Serben und – Roma, aber auch Ashkali und Ägyptern weiterhin internationaler Schutz in Asylländern gewährt werden sollte", denn sie sind "..weiterhin schwerwiegenden Bedrohungen ihrer Sicherheit ausgesetzt." Er betont in diesem Papier, "dass die Rückkehr von Angehörigen dieser Minderheiten auf einer _"strikt freiwilligen Basis erfolgen....sollte."_

Von der Androhung der Abschiebung sind bisher in Bielefeld 6 Ashkali-Familien betroffen, insgesamt 33 Personen, darunter 12 Minderjährige und 7 junge Erwachsene. Man hat uns ausgewählt, weil in unseren Herkunftsorten – Pec – Gjakova – Vucitrn und Kosovo Polje – die Situation für Ashkali zumutbar sei.

Wir glauben nicht daran und schreiben deshalb diesen Brief! Wir haben andere Informationen. Wir sind in Kosovo unerwünscht. Unsere Häuser sind zerstört oder besetzt, unser Verwandten sind geflohen. Wenn uns niemand aufnimmt, müssen wir in dem Lager "Plementina" bei Pristina leben. Andere Auffanglager ("Shelter")gibt es für uns nicht. Für Minderheiten beträgt die Arbeitslosigkeit 99%. Wir können uns nicht frei bewegen, denn überall droht uns Gefahr. Unser "Rückkehrgeld", das uns angeboten wird (bis zu 1500 Euro), würde bald verbraucht sein. Wir müssten betteln gehen und von Abfällen leben, denn die UNO-Mittel reichen nicht einmal für die jetzt in Kosovo lebenden Minderheiten. Wovon sollten wir Medizin und Ärzte bezahlen? Eine Krankenversicherung gibt es für uns in Kosovo nicht.

Wie könnten wir verantworten, unsere Kinder solchen Gefahren auszusetzen? Sie leben 13 Jahre in Bielefeld, fünf von ihnen sind hier geboren. Sie gehen noch zur Schule oder in den Kindergarten bzw. sind hier zur Schule gegangen. Die berufliche Ausbildung und Arbeit wird ihnen in der Regel verwehrt. Trotzdem sind sie hier integriert, ihr Freunde sind deutsch, ihre Sprache ist Deutsch, sie sprechen nur unzureichend Albanisch. Sie sind auf ein Leben in Kosovo nicht vorbereitet, sie werden den Anforderungen in keiner Weise gewachsen sein und dort zugrunde gehen.